Gelungene Überraschung

Ein „großer Volksauflauf“ mit Musikkapelle wäre für den Sulzberger Altbürgermeister Günther Steinle anlässlich seines 70. Geburtstages sowieso nie in Frage gekommen. Also bot Rathauschef Thomas Hartmann seinem bescheidenen Vorgänger eine kleine gemeindliche Feier mit Gemeinderäten und Rathaus-Bediensteten an. Was der Höhepunkt dieses Gratulations-Reigens werden sollte, war bereits im November vergangenen Jahres im Gemeinderat beschlossen worden, nämlich die Ehrenbürgerschaft für Steinle. Weil alle Gemeindevertreter dicht hielten, gelang vergangene Woche nun die große Überraschung: Der Altbürgermeister schien seinen Ohren nicht zu trauen, als Hartmann nach einer allgemeinen Würdigung des plötzlich die Ehrenbürger-Urkunde verlas.

Steinle war total überrascht, zeigte sich bewegt und sagte: „Damit hätte ich niemals gerechnet.“ Hartmann betonte den „hohen Einsatz“ des neuen Ehrenbürgers während seiner drei Jahrzehnte im Sulzberger Rathaus. 1966 war der frisch examinierte Rechtspfleger der Stadt Kempten nach Sulzberg gekommen, war während der gesamten Amtszeit von Bürgermeister Johann Hörmann (1966 bis 1978) Gemeindesekretär. Weil er mit Hörmann „hervorragend und loyal“ (Steinle) zusammenarbeitete, verwunderte es nicht, dass dieser ihn als Nachfolger empfahl. Was Steinle mit eindrucksvollen und klaren Wahlerfolgen bis 1996 auch gelang, dann musste er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen. Freilich sei hier angemerkt, dass sich Steinle während seiner 18 Bürgermeister-Jahre nicht einen Tag Urlaub gönnte. Immer noch ein Sympathieträger in der Bevölkerung, genießt Steinle immer noch Achtung und Ansehen. Viele schätzen nach wie vor seine menschliche, humorvolle Art. Und auch seine unglaubliche Hilfsbereitschaft. Klar, dass er der wenig bürokratisch veranlagten Rentnerin beim Ausfüllen von Anträgen genauso half wie einem kurzentschlossenen Urlauber, dem der Personalausweis zur Unzeit verlängert werden musste. Kämpferisches Herz Allerdings zeigte Sulzbergs Altbürgermeister Steinle auch sein kämpferisches Herz, wenn es um vitale Interessen der Oberallgäuer Marktgemeinde ging. Wie ein Löwe wehrte er sich unter anderem mit vielen Mitstreitern gegen die B19 neu auf Sulzberger Gebiet. „Denn eine dritte Autobahn auf unserer Flur hätte die Marktgemeinde zerstückelt“, ist noch heute seine Überzeugung. Auch gegenüber dem Freistaat Bayern und seiner ausführenden Behörde, beispielsweise dem Wasserwirtschaftsamt in Kempten, trat Steinle mit seinen Räten erfolgreich auf: Dass es heute auf der Moosbacher Seite des Rottachsees ein Freizeitparadies gibt, war ursprünglich so nicht geplant. Im Gegenteil, die Kemptener Wasserwirtschaftler dachten zunächst fast nur an ihr Ziel, die Wasserstände in Iller und Donau bedarfsweise zu erhöhen. Streit ums Wasser So geisterte vor 30 Jahren die Zahl 15 durch die Gemeinde: Bis zu 15 Meter Absenkung des Wasserspiegels – auch zur Sommerszeit. Durch hartnäckige Verhandlungen wurde jedoch der Rottachsee zu dem, was er heute ist: ein Eldorado für Naherholer und Touristen. Dennoch blieben weite Teile der See- und Uferflächen geschützt. Auch Trinkwasser war in der Amtszeit von Steile ein Zankapfel. Nicht jeder, der im Außenbereich eine eigene Quelle hatte, wollte sich an die Fernwasserversorgung anschließen lassen. Allerdings gaben die Wasserqualitäts-Untersuchungen vieler Brunnen dem ehemaligen Bürgermeister recht, und so wird heute der gesamte Außenbereich der Marktgemeinde Sulzberg durch Fernwasser versorgt. Im Historischen Arbeitskreis kümmert sich Günther Steinle heute noch um Denkmäler früherer Tage. Mit dem Umbau des historisches Gasthauses „Hirsch“ (einstiger „Meierhof“) und der Unterstützung der Burgruinen-Sanierung hat der Neu-Ehrenbürger Günther Steinle schon während seiner Amtszeit in Sulzberg Zeichen gesetzt.

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