Bebauung der Altstadt Süd:

Knappe Entscheidung

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Voll besetzt ist der große Saal im Kurhaus am Park bei der Gemeinderatsitzung vergangene Woche. Grund für das große Interesse ist die Entscheidung über die künftige Gestaltung der Altstadt Süd.

Isny – Nach über sechs Jahren Planung ist die Entscheidung für einen Investor in der südlichen Altstadt nun gefallen. Mit zehn zu acht Stimmen entschieden sich die Gemeinderäte vergangene Woche für das Konzept des Barfüßers Allgäu und K+S Real Estate.

Der Gemeinderat hat nach langem Hin und Her und einigen Gelegenheiten für die Bürger, sich an dem Prozess über die künftige Gestaltung der südlichen Altstadt zu beteiligen (der Kreisbote berichtete), eine Entscheidung getroffen. Weder Professor Sebastian Zoeppritz als Mitglied des Gestaltungsbeirates noch Thomas Fritz, Geschäftsführer der Isny Marketing GmbH, hielten bei der Abschlussvorstellung vor vielen interessierten Isnyern im vollen großen Saal des Kurhauses am Park mit ihrer Meinung hinter dem Berg, dass für sie das „Barfüßer-Konzept“ der Favorit war. 

Der Druck, noch in der Amtszeit des alten Gemeinderates zu einer Entscheidung zu kommen, war für alle Beteiligten groß. Die Investorengruppe Brefa Bauunternehmung und IVG Immobilien Leutkirch zog mit ihrem Konzept bei der Abstimmung im Gemeinderat vergangene Woche bei einem Ergebnis von 8:10 Stimmen bei einer Enthaltung wegen Befangenheit den Kürzeren. Die Mehrheit der Stadträte bevorzugte das „Barfüßer-Konzept“. 

Wie anlässlich der Entscheidung über die künftige Gestaltung der südlichen Altstadt zu erwarten war, hatte sich der große Saal im Kurhaus gut gefüllt. Bürgermeister Rainer Magenreuter erläuterte den augenblicklichen Stand aus seiner Sicht der Dinge. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir zwei Investoren haben. Nach Meinung der Stadtverwaltung sind beide Investorengruppen durchaus in der Lage, das Projekt durchzuführen.“ 

Professor Zoeppritz hatte dann die Aufgabe, die architektonischen Konzepte beider Gruppen vorzustellen. War doch zumindest mit einigen Nachbesserungen die architektonische Seite beider Projekte gleichwertig, das Nutzungskonzept – sonst eigentlich nicht Sache eines Vorsitzenden des Gestaltungsbeirates – aber unterschiedlich. Professor Zoeppritz nahm auch da eine Wertung vor. Mit einem deutlichen Vorteil für das Barfüßer-Projekt. 

Die Abstimmung war zu diesem Zeitpunkt noch im Ergebnis offen, dann aber kam der Geschäftsführer der Isny Marketing GmbH, Thomas Fritz, ins Spiel und der hat schon in seiner Zeit als Geschäftsführer der Firma Dethleffs sein Redetalent bewiesen. Auch er plädierte für das Barfüßer-Projekt, selbst wenn hier ebenfalls nicht alles den Idealvorstellungen der Isny Marketing GmbH entspreche.

 Schon in seiner Darstellung spielte die „Akzeptanz einer demokratischen Entscheidung“ eine große Rolle. Die Entwicklung war relativ klar. Etwas überraschend bat er auch noch Josef Stolz ans Mikrofon. Er sollte seine Vorstellungen vortragen. Offensichtlich hatte man die Brefa-Gruppe nicht darüber aufgeklärt, dass ein Befürworter des Gegner-Konzepts zu Wort kommt. 

"Kann mit beiden leben" 

Anschließend konnten die Gemeinderäte ihre Meinung kundtun und offen sagen, in welche Richtung ihr Abstimmungsverhalten gehen würde. Am gleichen Abend, wenige Tagespunkte zuvor, hatte der Gemeinderat dem Einsatz von circa 25 000 Euro zugestimmt, um fünf Planungsbüros mit der Planung der Marktplatzgestaltung zu beauftragen. Jetzt aber ging es gerade auch beim Barfüßer-Projekt um die teilweise Bestuhlung des Marktplatzes und damit einer Einschränkung des Gestaltungsspielraumes für die restliche Fläche. 

Egal wie es kommen würde, betonte Bürgermeister Magenreuter, „auch mir ist die Entscheidung schwer gefallen und ich kann mit beiden Entscheidungen leben.“ Um von den Emotionen ein wenig herunter zu kommen, hatte Claus Fehr als für die Stadtentwicklung Verantwortlicher die Aufgabe übernommen, den vorbereiteten Kaufvertrag mit dem Gewinner der Abstimmung zu erläutern. Punkt für Punkt, Termin für Termin und Konventionalstrafe für Konventionalstrafe in beachtlicher Höhe bei Nichteinhaltung der Rahmenbedingungen verdeutlichten, dass sich die Stadtverwaltung durchaus nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. 

Immerhin ist die Stadt Eigentümer der Grundstücke und kann die Entscheidungen immer noch lenken. Dann die Abstimmung. Erstaunlich wie uneinheitlich das Verhalten der Gemeinderäte bei FWV und SPD war. Hier war kein Fraktionszwang zu erkennen. Jeder Gemeinderat konnte seine Entscheidung treffen. Mit zehn zu acht Stimmen bekam das Barfüßer-Konzept den Zuschlag und wenn erst einmal der Vertrag unterzeichnet ist, beginnt die nächste Phase für die Altstadt Süd. Isny wird sich verändern. 

Politische Entscheidungen werden anders gewichtet, die Obertorstraße wird irgendwann zeitnah ebenfalls umgestaltet und damit hoffentlich wieder etwas attraktiver, die Tiefgarage im Bereich bis zum Diebsturm wird ebenfalls entstehen. Im Bereich der Lindauer Straße kommt der REWE-City und die Bewohner der Innenstadt werden einen langen Atem haben müssen, um diese ganzen Entwicklungen geduldig über sich ergehen zu lassen.

Manfred Schubert

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