Umfassende Ausbildung

Vom Landwirt zum Diakon

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In der Wallfahrtskirche Maria Rain fühlt sich Diakon Georg Lechleiter wohl. Hier war er schon als Ministrant tätig – heute organisiert er die monatlichen Wallfahrten.

Sulzberg – Ein Kalenderblatt gab Diakon Georg Lechleiter die Anregung für ein neues Gebet: „Herr gib mir ein dickes Fell und ein weiches Herz“ – stand dort geschrieben. Seit er diesen Spruch gelesen hat, betet ihn der 46-jährige Vater von fünf Kindern im Alter von 15 bis 27 Jahren immer wieder einmal.

Vor allem dann, wenn den ständigen Diakon der „ganz normale Wahnsinn einer Großfamilie“ einholt.

Die Familie und ganz besonders seine Ehefrau Elisabeth standen voll hinter ihm, als der Landwirt aus dem Sulzberger Weiler Untergassen im Jahr 2003 im Hohen Dom in Augsburg zum Diakon geweiht wurde. „Die familiäre Unterstützung ist eine der Voraussetzungen für den Beginn der Ausbildung“, erklärt der besonnene Seelsorger in der Stube des Bauernhofes und blickt durch das Fenster auf die Filialkirche St. Joseph.

„Der Diakon soll das Auge der Kirche sein. Er soll die oft im Verborgenen liegende Not der Menschen erkennen“, zitiert der Diakon aus einer alten syrischen Kirchenordnung. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Ende der 1960er Jahre sei das Diakonat als Weiheamt wiedereingeführt worden und ermögliche seither diesen Weg auch „verheirateten Männern reiferen Alters, die sich in Ehe und Familie bewährt haben“, so Lechleiter. Der in Oy-Mittelberg aufgewachsene Landwirt ist schon seit Kindheitstagen eng mit der katholischen Kirche verbunden. Ab 1996 absolvierte der damals junge Familienvater Georg Lechleiter einen zweijährigen theologischen Fernkurs der Domschule Würzburg. Anschließend folgte der vierjährige Diakonatskreis. „Da kommen viele Männer aus allen Berufsgruppen zusammen und bereiten sich gemeinsam auf die Arbeit als Diakon mit Zivilberuf vor“, erinnert er sich an diese intensive Phase. Ihnen werde die Aufgabe zuteil, Kirche in Bereichen des Arbeitslebens sichtbar zu machen, wo sie heute oftmals nicht mehr greifbar sei. In diese Ausbildung würden auch die Ehefrauen intensiv eingebunden. Schließlich müssten diese bereit sein, den neu eingeschlagenen Weg mitzugehen, stellt Diakon Lechleiter klar. An den Diakonatskreis schloss sich in ein diakonales Praktikum in der Kemptener Stadtpfarrei Christi Himmelfahrt an.

Zehn Jahre lang arbeitete Lechleiter zusätzlich zu seinen kirchlichen Aufgaben weiter als Landwirt gemeinsam mit seiner Frau auf dem eigenen Hof, bevor er in einem weiteren Jahr den Pastoralkurs in Benediktbeuern absolvierte und anschließend zum ständigen Diakon im Hauptberuf wurde. In der Pfarreiengemeinschaft Oy-Mittelberg/Wertach sowie in Sulzberg unterstützt Diakon Lechleiter die Ortspfarrer, er kümmert sich um die Kommunion- und Firmvorbereitung, hält Wortgottesdienste in Seniorenheimen, er tauft, traut und beerdigt. Besonders am Herzen liegt ihm jedoch die Organisation der monatlichen Wallfahrten nach Maria Rain. Lechleiter stellt das Jahresprogramm zusammen, sucht nach Zelebranten und hat sich als besondere Aktion für den Pfingstmontag 2017 eine Traktorwallfahrt mit Fahrzeugsegnung sowie anschließendem Mittagessen einfallen lassen. „Wer alte Traktoren fährt, der hat auch etwas zu erzählen“, ist sich der Diakon sicher.

Darüber hinaus ist Lechleiter als Feuerwehrseelsorger für den Landkreis Oberallgäu aktiv. Er kümmert sich in Einsatznachbesprechungen um die freiwilligen Helfer und versucht mit ihnen gemeinsam das Erlebte aufzuarbeiten. Zuletzt waren das ein tödlicher Motorradunfall in Altusried oder aber ein Unglück an den Buchenegger Wasserfällen mit zwei Toten. „Es muss alles auf den Tisch kommen“, bringt es der Familienvater auf den Punkt. Nur dann könnten die tragischen Geschehnisse verarbeitet werden. Schon in der Ausbildung der Feuerwehrleute sei das Thema „Belastungen im Einsatz“ daher ein wichtiger Punkt.

Der 46-Jährige ist viel unterwegs und so wundert es kaum, wenn sich die Kinder der Familie Lechleiter manchmal leise beschweren: „Mit dir kann man ja nirgends hingehen, ohne gleich erkannt zu werden.“

pdke

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