"Geplant gearbeitet"

Freuten sich über den großen Anklang der Werke bei den Vernissagegästen: (v.li.) Hinrika Lex, geborene Steinbach und Tochter des Malers, Steinbach-Kenner und –Freund Dr. Werner Neuhauser sowie Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber. Foto: Tröger

In harmonischer Ästhetik vereint, reichen sich Malereien von Hans Erwin Steinbach und Skulpturen von Pierre Schumann die Hand. Nur selten ergänzen sich Skulptur und Malerei wie hier, als würden sie ganz selbstverständlich zusammengehören. Vergangene Woche wurde die Ausstellung „Sehnsucht nach Harmonie“ im Börsensaal des Kemptener Kornhauses eröffnet, die im Kemptener Kunstkabinett als zweiter Ausstellungsort kleinere Werke der beiden herausragenden Künstler zeigt.

Im Gespräch erhellten Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber und Dr. Werner Neuhauser, Kunstsammler und Steinbach-Kenner, den Vernissagegästen Werk und Person der beiden Künstler. Der 1917 in Heide/Holstein geborene Bildhauer Hans Adolf Peter Schumann, der in seiner Pariser Zeit zu „Pierre“ Schumann wurde und es auch blieb, erhielt seine akademische Ausbildung nach dem Krieg bei Edwin Scharff in Hamburg und Otto Baum in Stuttgart. In den 1960er Jahren reiste er durch Europa, vor allem regelmäßig nach Paris und Carrara, wo ihn Begegnungen mit namhaften Künstlern wie Brancusi, Henry Moore oder Hans Arp prägten. Mit zahlreichen internationalen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, fand Schumanns Werk Beachtung bei Ausstellungen in ganz Europa, darunter Gruppenausstellungen mit Miró, Dalí oder Picasso. In seinen Skulpturen aus Bronze oder Marmor widmet sich Schumann unter anderem Themen wie „Mutter und Kind“, „Tieren“ oder auch „Urphänomenen“. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft und einer Phase des „Wieder-ins-Leben-Findens“ studierte Steinbach bei Professor Giese an der Staedelschule in Frankfurt sowie an der Akademie in München bei Peter von Hahn. Als verbindende Momente zwischen Schumann und Steinbach sah Weber: „Beide haben geplant gearbeitet, ohne der Spontaneität Zügel anzulegen und beide sind Männer, die sich nicht mit aktuellen Themen befasst haben“. Verdiente Freundschaft Eine jahrzehntelange Freundschaft zum Künstler und die Sammelleidenschaft seiner Malereien verband Neuhauser mit dem gebürtigen Hessen Steinbach (1896 – 1971), der 1933 in den Reuterhof in Immenstadt eingeheiratet hatte. Dass diese Freundschaft erst verdient werden musste, wurde aus Neuhausers Erzählungen deutlich. Denn nur „mit Widerwillen“ habe Steinbach ihm und seiner Frau beim ersten Besuch im Atelier seine Werke „vorgeführt“. Bereits dort seien sie vom „Steinbach-Virus“ erfasst gewesen, überzeugt davon, „dass das eine Kunst ist, wie sie im Schnitt der Allgäuer Kunst nicht zu sehen ist“. Steinbach, der erst etwa 1946 begonnen habe abstrakt zu malen, habe es geschafft, seinen „Bildern eine Tiefe zu geben“, die ihn, wie auch des Malers Gedankenwelt, fasziniert habe. „Wer wie die beiden ihre Kunst leben und auch noch die Technik beherrschen sie zu Papier und Stein zu bringen, ist sicher ein Künstler“, erklärte Neuhauser, was er unter dem Begriff „Kunst“ versteht. Setzt Schumann auf die Ästhetik reduzierter Formgebung, sind es bei Steinbach vor allem Tiefe und Farbgebung, die das Auge nicht loslassen wollen. Wie Hüterin und Sinnbild schlichter Schönheit, als sei sie der japanischen Zen-Philosophie entsprungen, steht die „Kosmische Form“ aus Bronze zwischen Bildern aus der Ära gegenständlicher Malerei Steinbachs und der abstrakten Phase. Die Ausstellung „Sehnsucht nach Harmonie“ ist noch bis 29. August 2010 zu sehen im Börsensaal des Kemptener Kornhauses, Di – So 10 – 17 Uhr und im Kemptener Kunstkabinett, Salzstrasse 12, Do, Fr, Sa 16 – 18 Uhr, So 11 – 16 Uhr.

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