Streit um Neubau

Unmut bei den Anwohnern

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Inmitten dieser alten Laubbäume stand bis vor zehn Jahren der „Roth-Hof“. Jetzt soll an selber Stelle ein Mehrfamilienhaus für elf Parteien entstehen. Die Anwohner in der angrenzenden Siedlung laufen Sturm gegen die Pläne. Foto: Stodal

Dietmannsried – In Dietmannsried sorgt der geplante Bau eines Mehrfamilienhauses für elf Parteien für einigen Unmut. Das Gebäude soll auf einem Hügel im Baugebiet „Im Seegader“ errichtet werden, auf einer riesigen, baumbestandenen Wiese. Die Anwohner sind alles andere als glücklich über den „großen Klotz“ in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Einfamilien– und Doppelhäuser.

Das geplante Gebäude soll an der Stelle gebaut werden, an der früher der „Roth-Hof“ stand. Da die letzten Mitglieder der Familie Roth keine Nachkommen hatten, hatten sie das Gelände an die Gemeinde vermacht. Diese ließ den Bauernhof aus dem Jahr 1887 vor rund zehn Jahren wegen Baufälligkeit abreißen. In der unmittelbaren Umgebung entstand eine Siedlung mit ausschließlich Einfamilien- und Doppelhäusern. Geblieben ist eine 25 000 Quadratmeter große, baumbestandene Wiese.

Hier, auf dem höchsten Punkt des Geländes, soll nun auf einem 1900 Quadratmeter großen Baugrundstück ein Mehrfamilienhaus für elf Parteien entstehen, mit einer Firsthöhe von 11,70 Metern, 471 Quadratmetern Grundfläche, 16 Tiefgaragen- sowie einigen oberiridischen Stellplätzen. Im Zuge der Baumaßnahme werden drei der 29 alten Bäume gefällt (der Architekt plant aber, einen neuen „Hausbaum“ zu pflanzen), da diese laut einem eigens von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Baumgutachten ohnehin irreparabel erkrankt sind.

Die Anwohner in der angrenzenden Siedlung sind erbost über den geplanten Bau. Sie sammelten bereits über 200 Unterschriften gegen das Vorhaben. Ihre Hauptkritikpunkte sind neben der Bebauung an sich vor allem die Größe des Gebäudes, das die meisten an dieser Stelle für zu wuchtig halten, und die Angst vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen.

Derzeit haben die Dietmannsrieder Bürger im Zuge der sogenannten „vorgezogenen Bürgerbeteiligung“ noch bis zum 5. November die Möglichkeit, sich über das Projekt zu informieren (der Bebauungsplan liegt im Rathaus aus) sowie Einwände oder Anregungen einzubringen. Diese müssen dann vom Gemeinderat im Einzelnen behandelt werden. „Da es sich hier um einen ‘Bebauungsplan der Innenentwicklung im vereinfachten Verfahren’ handelt, müssten wir die vorgezogene Bürgerbeteiligung eigentlich gar nicht durchführen“, unterstreicht Bauamtsleiter Wolfgang Hebenstreit. „Aber weil dieses Bauvorhaben so stark polarisiert, hat die Gemeinde beschlossen, es trotzdem zu tun. Denn wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir das Ganze möglichst schnell und über die Köpfe der Leute hinweg entscheiden.“

Neubebauung bekannt

Viel Verhandlungsspielraum scheint allerdings nicht zu bestehen. Schließlich betonte Bürgermeister Hans-Peter Koch jüngst, es sei von Anfang an geplant und auch bekannt gewesen, dass an der Stelle des abgerissenen Roth-Hofes wieder ein Gebäude vergleichbarer Größe errichtet werden solle. Eine weitere Bebauung des Geländes sei aber nicht vorgesehen. Der Rest der Fläche solle vielmehr in der jetzigen Form erhalten bleiben und als Ausgleichsfläche für weitere Baugebiete dienen. Sabine Stodal

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