Bundesminister hält Ansprache beim Neujahrsempfang

Neujahrsansprache begeistert

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Rund 750 Gäste begrüßte Thomas Kreuzer, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und Kreisvorsitzender der CSU-Kempten, beim Neujahrsempfang in Kempten.

Der Andrang war groß beim Neujahrsempfang der Kemptener CSU im großen Kornhaussaal, in dem Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vor rund 750 Gästen zum Thema „Eine Welt – unsere Verantwortung“ sprach.

Dieser erfülle „eine ganz wichtige Aufgabe in der Welt“, zollte Thomas Kreuzer, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und Kreisvorsitzender der CSU-Kempten, ihm in seiner Begrüßung Respekt. Rückblickend auf die Kommunalwahlen im vergangenen Jahr zeigte er sich mit den Ergebnissen der CSU durchaus zufrieden. So sei die Übergabe von Dr. Ulrich Netzer, der 18 Jahre als OB „hervorragend gemeistert“ habe, an seinen Nachfolger Thomas Kiechle mit 51 Prozent der Wählerstimmen erfolgreich geglückt und „unsere Fraktion wieder die stärkste“. Erfreut zeigte er sich auch über den „gelungenen Stabwechsel“ im Oberallgäu, mit Landrat Anton Klotz als Nachfolger von Gebhard Kaiser. Angesichts der „hohen Erwartungen“ müsse nun darauf geschaut werden, „dass wir das Vertrauen rechtfertigen“. Als Erfolg wertete Kreuzer, dass es gelungen sei das Kompetenzzentrum für Lebensmittel- und Verpackungstechnologie an der Kemptener Hochschule mit einer Anschubfinanzierung der CSU in Höhe von 1,4 Millionen Euro auf den Weg zu bringen, das eng mit dem Fraunhofer-Institut zusammenarbeiten werde. 

In der Landespolitik stehe die CSU für eine „bessere Ausstattung der Polizei“, auch um Islamisten besser überwachen zu können und Freiheit und Sicherheit zu verteidigen. Vor allem für die jungen Asylbewer- ber sei im Freistaat ein breites Paket auf den Weg gebracht worden, um denen, die verfolgt werden zu helfen. Die Solidarität der Bürger und Ehrenamtlichen sei „beeindruckend“. Es könne aber nicht angehen, dass „fünf Staaten 70 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen“, forderte Kreuzer eine „gerechtere Verteilung“. Darüber hinaus „gibt es einen erheblichen Zustrom“ von Wirtschaftsflüchtlingen aus Serbien, dem Kosovo und Bosnien-Herzegowina, weshalb er „wieder bessere Grenzkontrollen“ postulierte, um diesen „uferlosen Zustrom“ einzudämmen. 

Auch wenn Müller den „Paukenschlag des Terrors“ in Paris zu Beginn seiner Rede streifte, konnte er auf ein „für uns gutes Jahr“ auch auf Bundesebene zurückblicken. Wir „sind die Lokomotive der Wirtschaft“ und „alle in Europa um uns herum beneiden uns“, stellte er fest. Ein Anliegen war ihm die Mütterrente, denn Kinder großgezogen zu haben sei die „größte Leistung“, die eine Frau vollbringen könne und müsse seines Erachtens „besser vergütet“ werden. „Gründet Familien und bekommt Kinder. Das ist das größte Glück, das man im Leben haben kann“, ermunterte er, bevor er von seinem Nigeria-Besuch „in einem der schlimmsten Flüchtlingslager der Welt“ berichtete, dem „Vorhof zur Hölle“. Nicht nur deutscher Fußball sei dort über einen Flachbildschirm geflimmert, sondern auch unsere Werbespots, was natürlich suggeriere, „da muss ich hin“. Schockiert zeigte er sich von der „unglaublichen Brutalität“ und „Verrohung der Menschen“ im Krieg, wie zum Beispiel in Syrien. Aber auch von schönen Erfahrungen in dem Gebiet wusste er zu erzählen, wie von einer jordanischen Stadt etwa in der Größe Kemptens, die 65000 syrische Flüchtlinge aufgenommen habe. „Die Ärmsten haben die größte Solidarität“, so seine Erfahrungen. Müller setzt in seiner Arbeit auf strukturgebende Maßnahmen wie Flüchtlingscamps, Schulen oder Traumazentren für die gebeutelten Menschen und bescheinigt den Kirchen hier ebenfalls „Herausragendes“ zu leisten. Das Thema Flüchtlinge „wird uns die nächsten Jahre begleiten“, machte er keine Hoffnung auf ein schnelles Abflauen des Zustroms. Im Gegenteil, „statt 70.000 werden 700.000 kommen“, so seine Prophezeiung. Entspannung wünschte er sich für die Situation zwischen der Ukraine und Russland, die er als „krisenhafte Zuspitzung“ sah, „wie wir sie seit 50 Jahren nicht hatten“. 2015 bezeichnete er als „ein Jahr der Zukunft“, unter anderem wegen des Klimagipfels in Paris. Denn, so seine Befürchtung, „wenn wir so weiter machen, kann es sein, dass wir die- sen Planeten an den Rand der Apokalypse bringen“. Auch in unserem Konsumverhalten sei ein „Paradigmenwechsel“ erforderlich, wies er darauf hin, dass angefangen beim Trinken von Wasser aus dem Hahn – „im Allgäu gibt es das beste Trinkwasser auf der Welt“ - statt aus der Plastikflasche, jeder Einzelne daheim anfangen könne, „den Konsum etwas nachhaltiger zu gestalten“. Anfang März soll es an der Kemptener Hochschule ein „Eine-Welt-Forum“ geben.  Christine Tröger

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