Dem Ruf gerecht werden

Feierlaune in Wildpoldsried: Eitel Freude herrscht dort über einen Hauptgewinn der besonderen Art. Bei einem groß angelegten Klimaschutz-Wettbewerb hat die Alpenschutzkommission CIPRA den 2500-Seelen-Ort sowie den Bund Naturschutz (BN) zu Hauptpreisträgern auserkoren. Das zahlt sich für die glücklichen Gewinner in barer Münze aus: Für ihr außergewöhnliches Engagement in Sachen Ökologie und Klimaschutz dürfen sie je 20000 Euro Preisgelder einstreichen.

„Wir sind stolz darauf, aus 160 Projekten ausgewählt worden zu sein“, freute sich Bürgermeister Arno Zengerle bei der Vorstellung der Preisträger im Rathaus. Wildpoldsried wurde ausgezeichnet für sein Konzept „WIR – Wildpoldsried innovativ richtungsweisend“, das neben regenerativer Energiegewinnung und Energieeinsparung auch die Verwendung von Holz als Baustoff sowie nachhaltigen Hochwasserschutz vorsieht. Den Bund Naturschutz brachten seine Bemühungen um den Moorschutz auf das Siegerpodest der CIPRA. In der Vergangenheit hat Wildpoldsried bereits etliche Umweltpreise eingeheimst. Die neuerliche Auszeichnung sei wiederum eine Bestätigung des Weges, „den wir seit 15 Jahren gehen“, freute sich der Rathauschef. Er verwies auf die Fülle ökologischer Projekte in seiner Gemeinde, darunter „WiWaLaMoor“, die „Wildpoldsrieder Wasserlandschaften im Moor“. Das ökologische Ensemble besteht aus Moorflächen, Badeteich, Streuobstwiese und Pflanzenkläranlage. „Es soll mit Infotafeln ein Stück Bewusstsein schaffen, wie wertvoll Moore sind“, so Zengerle. Privathäuser angeschlossen Beim Bau der Dorfheizung hat man neben allen öffentlichen Gebäuden auch Privathäuser angeschlossen. Die Sporthalle und erstmals ein Parkhaus wurden in Holz errichtet. Solarenergie kommt nicht nur in öffentlichen Gebäuden, sondern auch in überdurchschnittlich vielen Privathaushalten zum Einsatz, nachdem die Kommune 2004 einen Photovoltaik-Sammeleinkauf organisiert hatte. Derzeit läuft ein Programm, bei dem die Bürger ihre stromfressenden Heizungsumwälzpumpen mit einer energiesparenden Technik austauschen können. Internationales Interesse Nicht zuletzt wird das Thema Windkraft groß geschrieben und es hätten sich etliche innovative Firmen angesiedelt, unter anderem mit Holzpellets-Produktion und Solartechnik. Das ökologische Engagement hat sich offensichtlich weltweit herumgesprochen. Viele Besuchergruppen, darunter japanische und brasilianische, darf der Bürgermeister in seinem Ort herumführen. Julia Wehnert und Martin Muth verwiesen auf die seit 30 Jahren andauernden Bemühungen des BN um die Renaturierung von Mooren. Herausragende Projekte sind unter anderem das Werdensteiner Moos bei Immenstadt und das Dümpfelmoos bei Marktoberdorf. „Intakte Moore beherbergen zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Sie besitzen eine hohe Bedeutung für den Klima- und Hochwasserschutz“, so Muth. Insgesamt betreue der BN 340 Hektar Moorflächen am Alpenrand. „Die Alpen sind besonders betroffen vom Klimawandel“, betonte Andreas Güthler, Geschäftsführer der CIPRA Deutschland. Zweckgebundene Nutzung Ebenso wie der BN wollen auch die Wildpoldsrieder ihre 20000-Euro-Prämie zweckgebunden verwenden. Die Gemeinde plant ein Pilotprojekt mit Versuchsflächen für schnellwachsendes Holz. „Unter wissenschaftlicher Begleitung wollen wir über Jahre beobachten, wie unterschiedlich Holz wächst, wenn es einerseits nicht gedüngt und andererseits mit Klärschlamm gedüngt wird“, erklärte Bürgermeister Zengerle.

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