Ein geschichtsbeflügelter Kulturpreis

Der Lindenberger Stadtarchivar Günter Fichter ist von der Vergangenheit fasziniert. Foto: cut

Wer sein Herkommen und die Vergangenheit kennt, weiß, wo er hingehört“, sagte Günter Fichter bei der Verleihung des Lindenberger Kulturpreises 2011. Der Lindenberger Stadtarchivar wurde kürzlich für sein Gesamtwerk und seine 31-jährige Arbeit im Archiv mit dem Kulturpreis ausgezeichnet.

Der ehemalige Geschichts-und Deutschlehrer an der Realschule Lindenberg hat sich intensiv mit der Vergangenheit Lindenbergs beschäftigt, hat zahlreiche Ausstellungen mit Archivmaterial verwirklicht sowie die Lindenberger Chronik und zwei geschichtliche Bildbände herausgebracht. An die 140 Aufsätze hat er für Zeitungen verfasst. So schöpft er stets aus dem „Gedächtnis der Stadt Lindenberg“, dem Stadtarchiv. Hier lagern alte Akten, Urkunden, Briefe und Bilder, aber auch Zeitungen. Manches davon weit älter als 100 Jahre. Einmal die Woche kommt Günter Fichter ins Archiv, in dem der Duft von gejährtem Pergament in der Luft liegt, und sorgt für den Erhalt der alten Dokumente, an denen der Zahn der Zeit nagt. Geschichte hat Fichter schon immer gereizt. Bereits als Schüler war er am Schreiben und an der Historie mehr interessiert als an Technik, weil „die Gegenwart aus dem Gewesenen herauswächst“, wie er sagt. Damals hat den in Weilheim lebenden Jungen eine Begegnung mit einem alten Nachbarn geprägt. Er begann nachzuforschen wie das Leben der Menschen früher war. Der gute Geschichtsunterricht auf dem Gymnasium hat seine Entscheidung, Geschichte und Deutsch in München zu studieren, nur erleichtert. Wurzeln geschlagen Dass er Lehrer werden würde, war „von Anfang an selbstverständlich“ und die Arbeit mit jungen Leuten machte ihm viel Spaß. Nach Lindenberg kam der frischgebackene Lehrer 1970, da zu dieser Zeit hier zufälligerweise Lehrer gebraucht wurden. Beim ersten Besuch war Fichter schon von der Natur rundum Lindenberg beeindruckt. Er schlug Wurzeln in der Bergstadt und gründete eine Familie. 1979 fragte der ehemalige Stadtrat und Kollege Hans Peter Brög bei Fichter nach, ob er bereit wäre, das Stadtarchiv zu führen. Und Fichter sagt zu. Aus einem Regal zieht der Stadtarchivar seine drei selbst verfassten Bücher. Heimatbezogen müssen seine Texte sein. Um an Material für seine Ar-beiten zu kommen, blättert Fichter in Dokumenten aus dem Stadtarchiv und fährt bis nach Augsburg, dessen Archiv Quellen über Lindenberg birgt. Auch die alten Kirchenbücher geben oft Auskunft über Stammbäume oder Herkunft von Personen. Außerdem helfen Zeitzeugen oder Büchereien bei seinen Recherchen weiter. Die letzten Informationen liefert dann das Doku-mentationszentrum zu Hei- mat und Geschichte in Weiler. Es braucht lange, bis ein Vortrag, ein Text oder eine Ausstellung fertig sind. Erst „wächst im Kopf einiges zusammen“ und mit viel Mühe entsteht allmählich etwas Ganzes. So wie 1997 ein Vortrag im Kornhaus Weiler über die Entnazifizierung im Westallgäu, auf den Fichter noch heute stolz zurückblickt. Interessante Themen sind, so findet der Stadtarchivar, der für Lindenberg sehr wichtig gewesene Pferdehandel mit Italien und natürlich die Hutindustrie. Denn ohne diese wäre Lindenberg vor fast 100 Jahren wahrscheinlich nicht vom Markt zur Stadt ernannt worden. Auch die Kirche feiert in drei Jahren 100-jähriges Bestehen. 2014 wird somit ein besonderes Jahr für Geschichtsliebhaber. Fichter hat vor, für das 100-jährige Jubiläum Lindenbergs und der Stadtpfarrkirche eine Ausstellung zu organisieren. Bei so viel Engagement bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Beschäftigungen. Spaziergänge in der Natur sind für den Papierfreund dennoch ein wichtig Quelle der Erholung und Freude.

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