Geschichtsbewusste Schüler helfen

Janis Neidhart, Fabian Rella und Marc Frankenberger von der „Geschichtswerkstatt“ erläuterten in Spielsequenzen Wissenswertes über Beginenhaus und Nonnenturm. Foto: Stodal

Schüler der Realschule an der Salzstraße in Kempten haben am Donnerstag im Kornhaus einen bunten Benefizabend zugunsten des Beginenhauses veranstaltet. Der Reinerlös des Abends in Höhe von 2000 Euro kommt dem Erhalt des mittelalterlichen Baudenkmals zugute.

Achtzehn Schülerinnen und Schüler der Realschule an der Salzstraße engagieren sich seit Anfang 2010 im Rahmen des freiwilligen Projektes „Geschichtswerkstatt“ für das an der Burgstraße gelegene Gebäudeensemble Beginenhaus und Nonnenturm. In enger Kooperation mit dem Förderverein Beginenhaus e.V. haben sie in den vergangenen Monaten in dem sanierungsbedürftigen Kleinod mittelalterlicher Baukunst gearbeitet, Tapeten abgelöst, moderne Deckenverkleidungen abgetragen, den Bauschutt nach Funden durchsiebt und die Öffentlichkeit an Infoständen über das Gebäude, das im Jahr 1357 als zweistöckiges Steinhaus errichtet wurde, informiert. Der innerhalb von nur sechs Wochen organisierte Benefizabend im Kornhaus stellte ein Highlight der engagierten Arbeit der Schüler dar. In Anspielung an ein gut erhaltenes, etwa 30 Zentimeter breites Bildnis einer lächelnden Frau mit geschlossenen Augen, der „schlafenden Schönheit“, das kürzlich im Beginenhaus entdeckt wurde, stand die Veranstaltung unter dem Motto „Die schlafende Schöne erwacht!“ Hintergründiges Wissen Das vielfältige Programm, das unter Federführung der Geschichtslehrerin und Leiterin der „Geschichtswerkstatt“, Britta Fischer, Gestalt annahm, umfasste mitreißendes Irish Dancing der Schülerinnen Tamara Bord und Michael Bühler, eine Aufführung von Friedrich Schillers „Der Handschuh“ durch die Theatergruppe, sowie irische und schottische Volkslieder mit Dudelsack und Trommel, die der ehemalige Musiklehrer der Schule, Sebastian Kern und Tam Broun, stilecht in Kilts darboten. Zu guter Letzt begeisterte der U 50-Chor Altusried mit einer Auswahl aus seinem Repertoire. In kurzen, mit Dias unterlegten Spielsequenzen, bei denen neben Schülern auch Birgit Kata und Bernadette Mayr, die Vorsitzenden des Fördervereins Beginenhaus Kempten e. V., mitwirkten, erfuhren die Zuschauer einiges über die Hintergründe des Gebäudeensembles Beginenhaus und Nonnenturm: Das Beginenhaus wurde im 14. Jahrhundert von einer religiösen Schwesterngemeinschaft, den sogenannten „Beginen“; genutzt, die hier vermutlich Reisende und Pilger versorgten. Ab dem 16. Jahrhundert war es im Besitz vornehmer Kemptener Patrizierfamilien, die den Gebäudekomplex aufwändig ausbauten und ausstatteten. Die beiden Gebäude, die sich im Besitz der Stadt befinden, stehen seit vielen Jahren leer, sind aber laut Bernadette Mayr „recht gut erhalten und nicht annähernd so kaputt, wie sie aussehen.“ Seit 2005 setzt sich der Förderverein für eine denkmalgerechte Sanierung ein. Die Gesamtkosten werden auf drei Millionen Euro geschätzt. Derzeit dürfen nur Notsicherungsmaßnahmen und vorbereitende Arbeiten durchgeführt werden. Erst wenn der Förderverein über den notwendigen finanziellen Eigenanteil von 500 000 Euro verfügt, können die in Aussicht gestellten Fördergelder und öffentlichen Mittel beantragt werden und die eigentliche Sanierung kann beginnen. 2013, so hoffen Kata und Mayr, soll es so weit sein. Ehrgeizige Pläne Für die zukünftige Nutzung bestehen schon ausgefeilte Pläne: Das Beginenhaus soll Heimstatt eines Zentrums für Buchkultur (unter anderem mit Lesesaal, Buchwerkstatt und Antiquariat) werden, in dem der Bücherschatz der Stadt Kempten – 30 000 Bände historischer Bücher vom 15.-19. Jahrhundert – öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Im Nonnentor wird ein Museum entstehen, daneben wird es einen Veranstaltungssaal und ein Tagescafé geben. In diesen Tagen soll ein Fassadenbanner angebracht werden, das zeigt, wie das Haus nach der Restaurierung der einst prächtigen Renaissance-Fassade einmal aussehen soll. Der Reinerlös des Benefizabends aus Eintrittsgeldern, Tombola und Spenden in Höhe von 2000 Euro fließt dem Förderverein zu. Birgit Kata zeigte sich in ihrem Dankeswort begeistert, „wie viel Liebe, Energie und glühende Leidenschaft für so ein altes Haus auch in so jungen Menschen stecken kann.“

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