Nur wenig Kritik vom Gestaltungsbeirat für "Soloplan City" und Dehner

Weitgehend zufrieden

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So soll die Ansicht auf das Hauptgebäude von „Soloplan City“ vom Berliner Platz aus gesehen sein: die Glasfront mit Senkrecht- und Waagrechtraster als Ausdruck der Arbeit im Inneren des Softwareunternehmens.

Kempten – Vier Punkte waren eigentlich für die öffentliche Sitzung des Gestaltungsbeirats geplant. Die beiden zur Wiedervorlage anberaumten Projekte auf dem ehemaligen Brauhausgelände, Neubau Kopfbau Fasshalle und Wohnanlage Baufeld 4, wurden allerdings gestrichen. „Wir müssen akzeptieren, dass Vieles nicht mehr aufgenommen werden kann“, bedauerte der Beiratsvorsitzende Prof. Carl Fingerhuth, dass die Installation des Gremiums für diese Vorhaben zu spät gekommen sei.

Einen prominenten Fürsprecher hatte die Gartencenter-Kette Dehner für ihre Bauplanungen in der Füssener Straße ins Rennen geschickt. Nach eigenem Bekunden aus freundschaftlicher Verbundenheit mit dem Firmengründer, vertrat der Jurist und ehemalige CSU-Politiker Georg Schmid beredet die Pläne des Unternehmens und betonte: „Wir wollen an diesem Standort bleiben.“ Diese Entscheidung begrüßte auch Landschaftsarchitektin Katja Aufermann im Namen des Gremiums. Weniger zufrieden sei man aber mit der Eingangssituation zur Füssener Straße hin, durch die das Erscheinungsbild „verunklärt“. Ein „bisschen mehr Grün“ wünsche man sich zudem an dem „nackten Glashaus“, wie sie den Neubau nach Sichtung des Prototyps bezeichnete. Aus Sicht des Gremiumsvorsitzenden Dr. Carl Fingerhuth sollte das Gartencenter auch ohne den markanten Schriftzug als solches erkennbar sein und für die Eingangssituation fand er ebenfalls deutliche Worte: Sie sei „trivial wie eine türkische Imbissbude“.

Nach aktuellem Planungsstand sollen die oberirdischen zum Gartencenter gehörenden Parkflächen zugunsten der Verkaufsflächen (bisher 3300 Quadratmeter, künftig 5200 Quadratmeter) in den Untergrund verlegt werden. Die vorhandene aber nicht mehr den Standards entsprechende Tiefgarage soll, trotz möglicher Schwierigkeiten durch einen Bachlauf, ertüchtigt und entsprechend erweitert werden. Ihre Nutzung soll auch weiterhin kostenfrei bleiben, so dass kein Rückstau auf den Verkehrswegen wegen der – dadurch eben nicht vorhandenen – Parkautomaten zu befürchten ist. Bei Vorschlägen aus dem Gremium, wie das Sichtbarmachen des Baches oder einer Begrünung bis in die Tiefgarage hinein, verwies Schmid auf die damit verbundenen zu hohen Kosten. Das Gremium bat darum, die „Ausrichtung der einzelnen Gebäudeteile zur Füssener Straße hin“ nochmals zu überprüfen.

Wo einst das Kreiswehrersatzamt beheimatet war, soll mit „Soloplan City“ der neue Hauptsitz des gleichnamigen Unternehmens für Logistik Software entstehen (der Kreisbote berichtete). Rund einen Hektar groß ist das Areal am Berliner Platz mit drei Bestandsgebäuden. Hauptziel der Baumaßnahmen ist das östlich gelegene Haus 2, in dem Büros, Schulungs- und Seminarräume eingerichtet werden sollen. Im westlich gelegenen Haus soll die Kantine – ein „besseres Restaurant“ im Erdgeschoss und darüber kleinere Zimmer zur Beherbergung, so Geschäftsführer Wolfgang Heidl – untergebracht werden und im nach Süden ausgerichteten Haus 3 ist ein Gästehaus für Firmenbesucher angedacht. Bei diesen beiden Gebäuden soll sich an der Fassadengestaltung nicht viel ändern. Anders beim künftigen Haupthaus, in dessen Fassade sich die Ideologie des Softwareentwicklers widerspiegeln soll – Klarheit und die mathematische Ausrichtung. Wenn auch noch nicht ganz ausgereift, werde die Fassade von Haus 2 mit Glas und klar definierten Formen neue Trends setzen, so die planende Architektin Johanna Chechelski. Wichtig sei, dass die drei völlig unterschiedlichen Gebäude, „in ihrem Erscheinungsbild miteinander kommunizieren“.

Zufrieden zeigte sich das Gremium damit, dass die „sehr schöne Struktur“ des Gebäudes übernommen werde. „Nicht gut ist, dass die Firmenfarbe Magenta zur architektonisch tragenden Farbe wird“, so Beiratsmitglied Werner Binotto weiter. Das sah Chechelski anders: „Ich finde Magenta eine schöne Farbe“ und das Gebäude sei ihres Erachtens „unproportional“ – zu lang, zu tief und die Farbe deshalb „gerade gut“. Um die aus Sicht Heins „verfrühte Farbdiskussion“ abzukürzen, gab Fingerhuth für die weitere Planung mit auf den Weg, dass es nicht um die Farbe Magenta gehe, sondern um die „Penetranz der Inszenierung“. Als „begrüßenswert“ fand Binotto die „sanfte Sanierung von Haus eins und drei“. Sein Beiratskollege Norbert Dietzinger mahnte an, dabei die energetische Sanierung der Fassade gut zu überlegen, da sie „die Gestaltung der Fassade sehr entscheidend beeinflussen wird“.

Christine Tröger

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