Es gibt noch freie Plätze

Viele Jugendliche erkunden derzeit ihren neuen Ausbildungsplatz. Diejenigen, die noch keine Lehrstelle haben, können sich an die Agentur für Arbeit wenden. Foto: Archiv

Das neue Ausbildungsjahr hat zwar bereits vor knapp zwei Wochen begonnen, Jugendliche, die noch eine Lehrstelle suchen, haben aber noch immer Chancen. Von den 3214 Bewerbern auf einen Ausbildungsplatz im Bereich der Kemptener Agentur für Arbeit haben zwar 470 noch keine passende Lehrstelle gefunden, allerdings sind von den 3438 gemeldeten Ausbildungsstellen Mitte August auch noch 802 offen, wie Herbert Mühlegg, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, vergangene Woche auf Anfrage erläuterte.

Dass – obwohl genug Lehrstellen angeboten werden – nicht alle Bewerber fündig werden, sei strukturbedingt, erklärte Mühlegg. „Rechnerisch geht das zwar auf, allerdings passt oft die Qualifikation der Bewerber nicht oder die räumliche Entfernung ist zu groß.“ Viele Jugendliche, die eine Ausbildung in Verkauf, Einzelhandel oder Büro machen wollen, hätten nicht das dafür nötige Auftreten bzw. die nötigen sprachlichen oder mathematischen Kenntnisse, verdeutlichte Mühlegg. Ebenso sei es schwierig zwischen Firma und möglichem Lehrling zu vermitteln, wenn in Lindau ein Zimmerer gesucht werde, der Bewerber allerdings aus Buchloe kommt. Auf der Hitliste der Ausbildungsplätze ganz oben stehen bei den Jugendlichen Kaufleute im Einzelhandel, Bürokaufleute, Verkäufer, Kfz-Mechatroniker und Industriemechaniker. Bei den jungen Männern ist laut Mühlegg vor allem der Kfz-Mechatroniker und Industriemechaniker beliebt, bei den jungen Damen die Bürokauffrau und die Kauffrau im Einzelhandel. Auch die Friseurin stehe immer noch hoch im Kurs, so der Pressesprecher der Arbeitsagentur. Von Seiten der Arbeitgeber werden vor allem Kaufleute im Einzelhandel, Hotelfachleute, Köche, Industriemechaniker und Verkäufer gesucht. Große Nachfrage Einen hohen Bedarf an Auszubildenden hat die Gastronomie. Allerdings bleiben dort viele Stellen offen, da die Berufe heutzutage bei den Jugendlichen nicht mehr so gefragt sind. Ein großes Problem Lehrlinge zu finden, haben Mühlegg zufolge auch Bäcker und Metzger. „In diesen Berufen wird händeringend gesucht.“ Allerdings zeigen die Jugendlichen kein allzu großes Interesse daran, was vor allem an den Arbeitszeiten liegt, weiß Mühlegg. Dass die Nachfrage an Ausbildungsplätzen in der Gastronomie weit geringer ist als das Angebot, bestätigte auch ein Sprecher der IHK Schwaben vor kurzem. Insgesamt seien die Ausbildungszahlen zwar stark gewachsen, die Gastronomiebetriebe würden jedoch noch händeringend nach Auszubildenden suchen. Gründe und Erklärungen hierfür sehen Branche und IHK gleich mehrere: vom Wegfall des Zuzugs von Jugendlichen aus den neuen Bundesländern über fehlende bzw. unzureichende Information hinsichtlich hervorragender beruflicher Möglichkeiten in der Gastronomie, vom „schlechtem Image“ bis hin zu nicht ausreichender Ausbildungsfähigkeit und mangelnder Dienstleistungsbereitschaft bei den Jugendlichen ist alles vertreten. Für die Jugendlichen, die bis jetzt noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, ist die Chance aber noch nicht vorbei: „Diejenigen, die noch keine Lehrstelle haben bzw. nach kurzer Zeit feststellen, dass die gewählte Ausbildung doch nicht die richtige ist, sollten sofort zu uns kommen, um sich beraten zu lassen oder umzuschauen“, sagte der Pressesprecher der Arbeitsagentur. Allerdings sollten sich die Jugendlichen darauf einstellen, so Mühlegg weiter, dass sie auch Alternativen ins Auge fassen müssen. Offene Ausbildungsplätze für das laufende Jahr vermeldete jüngst auch die Handwerkskammer für Schwaben. Verspätet in eine Ausbildung zu starten ist auch in den Berufsschulen, die gestern in das neue Schuljahr gestartet sind, kein Problem, meinte Mühlegg. Bis Ende September/Anfang Oktober sei ein Einstieg in die Schule noch gut möglich. „Wer keine Lehrstelle findet oder noch nicht ausbildungsreif ist, sprich noch nicht das nötige Sozialverhalten oder Durchhaltevermögen hat, kann bei uns berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen wahrnehmen“, erläuterte Mühlegg. So können Jugendliche in Betriebe reinschnuppern oder Praktika machen. ml

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