Größer werdende Schere

Wo liegen künftig die Herausforderungen des Personalmanagements angesichts des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland? Ein Thema, mit dem sich das Hochschulforum vergangene Woche in Kempten beschäftigt hat. Ein Schwerpunkt der abschließenden Podiumsdiskussion lag auf den möglichen Ursachen des Fachkräftemangels.

Mit Dieter Grohe, kaufmännischer Geschäftsführer der Voith Turbo BHS Getriebe GmbH, Ingo Reichart, Personalabteilung der Wilhelm Geiger GmbH & Co. KG, Franz Grande, Niederlassungsleiter der Manpower GmbH & Co. KG, und Annette Stützle, Recruiting und Personalmarketing der Lisa Dräxlmaier GmbH, standen dem Fachpublikum praxisnahe Podiumsgäste Rede und Antwort. Ein schwaches Zeugnis wurde dem praxisfernen Unterricht an Schulen ausgestellt, der auch zu wenig Berufsorientierung beinhalte. Vor allem an Gymnasien werde zu wenig Berufsinformation geboten, meinte Stützle. Viele Abiturienten wüssten gar nicht, welche Berufe beispielsweise nach einem Physikstudium möglich seien. Ein Zuhörer befand, dass die Schüler durch den „völlig stupide gemachten naturwissenschaftlichen Unterricht“ regelrecht davon abgehalten würden, sich für diese Fächer zu interessieren. Aber auch von Eigenverantwortung der Schüler war die Rede, denen meist zu spät bewusst werde, dass sie mindestens ein bis zwei Jahre vor Schulende einen Weg einschlagen müssten. Dass die „Schere zwischen denen, die sich interessieren und denen, die sich nicht interessieren immer weiter aufgehen wird“, dessen war sich Reichart sicher. Er argwöhnte auch eine Ursache des Desinteresses in der „medialen Verseuchung“ die eine Einstellung wie „dann gehe ich halt zum Bohlen und trällere ihm was vor“ erzeuge. Grohe mahnte eine unternehmerische Aufgabe in der Begleitung der Jugendlichen an, da sie in einer Phase seien, „in der viel auf sie einstürmt“. Kritisch beurteilte er, dass „das Schulsystem nur Leistungsbereitschaft fördert“ und die wichtige Teamfähigkeit vernachlässige. Schützenhilfe erhielt er von Hochschuldekan Prof.. Dr. Peter Weis, der den Teambereich in vielen Lebensläufen vermisste. „Das System reproduziert sich immer wieder selbst“, benannte er das Problem. Da Lehrer so gut wie nie in naturwissenschaftlichen Berufen gearbeitet hätten, fehle der Praxisbezug. Deshalb müsse vor allem auch bei der Lehrerausbildung angesetzt werden. Die Befürchtung, Hauptschüler würden wegen der immer höher geschraubten Anforderungen zunehmend chancenlos auf dem Arbeitsmarkt, wurde seitens der Personaler nicht bestätigt. Sie räumten vielmehr der Motivation und den praktischen Fähigkeiten der Bewerber einen hohen Stellenwert ein. „Wir müssen in den Unternehmen auch verkrustetes Denken aufgeben“ und Querseinsteigern eine Chance geben, meinte Reichart. Diskussionsstoff bot auch der Brennpunkt Leiharbeiter, die nach einer maximalen Beschäftigungszeit nur selten übernommen würden, wie ein Zuhörer kritisch anmerkte. Das würde davon abhängen, ob ein Unternehmen nur Geld sparen wolle oder Interesse an Flexibilität habe, meinte Grande, räumte aber ein, dass die Situation im Leiharbeitsbereich „noch nie so krass war“ wie derzeit. Durch den „guten Branchenmix im Allgäu“ könne das ein wenig ausgeglichen werden.

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