Große Nachfrage

Staatssekretär Dr. Gerd Müller (rechts) testet die Lebensmittel von Maria-Theresia und Karl Weiß (Mitte) gleich selbst. Stadtrat Franz Mayr (links) freut’s. Foto: Matz

Träger der Europamedaille des CSU-Europa-Abgeordneten Markus Ferber sind sie bereits, vergangene Woche erhielten Maria-Theresia und Karl Weiß nun auch Besuch von Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU). Vor Ort in der Magnusstraße in St.-Mang wollte sich der Bundestagsabgeordnete einen Eindruck von der Arbeit des Ehepaars im Tafelladen machen – und bekam gleich einige Ratschläge mit auf den Weg nach Berlin.

Seit nunmehr drei Jahren gibt es den Tafelladen in St.-Mang, den das Ehepaar Weiß betreibt. Die Kundschaft ist seitdem immer mehr geworden. Wobei Laden und Kundschaft streng genommen die falschen Begriffe sind. „Wir sind eigentlich kein Laden, sondern eine Ausgabestelle“, erläuterte Silvia Rupp, Vorsitzende der St.-Manger CSU, und mit Tafelladen-Erfahrung ausgestattet. Denn das Prinzip eines Tafelladens unterscheidet sich deutlich von dem herkömmlicher Lebensmittelläden. Statt die Waren einzukaufen, werden sie im Fall der Tafelläden von den in Kempten ansässigen Supermärkten (außer Feneberg) bei der Sammelstelle des BRK kostenlos abgegeben. Von dort aus werden sie auf die drei Kemptener Tafelläden verteilt. Hier sind schließlich ehrenamtliche Helfer wie das Ehepaar Weiß für die Verteilung an Bedürftige zuständig. Wer im Schnitt weniger als 500 Euro im Monat zum Leben hat, darf sich im Tafelladen für (sehr) kleines Geld täglich versorgen. "Das meiste geht weg" Die Nachfrage ist groß. „Das meiste geht weg“, berichtete Maria-Theresia Weiß dem Staatssekretär. Ein Grund dafür ist, dass es eine neue Klientel gibt. Seit geraumer Zeit würden immer mehr junge, alleinerziehende Mütter das Angebot in Anspruch nehmen. Andere wiederum würden sich nicht in die Magnusstraße 16 trauen. „Es gibt viele die hier her kommen wollen, aber eine Hemmschwelle wegen des Geredes der Nachbarn haben“, erläuterte Karl Weiß. Allerdings gebe es auch seltene Fälle, in denen die Leute unrechtmäßig den Laden nutzen. Dann gebe es eben ein Hausverbot wie bei einem türkischen Ehepaar. Obwohl hinter der Aktion die großen heimischen Supermärkte stehen, fehlt es im St.-Manger Tafelladen ständig an irgend etwas. Vor allem Milchprodukte, Mehl, Zucker, Getränke, Nudeln, Reis, Wurst und Kosmetik seien knapp, hieß es. Deshalb appellieren die Beteiligten auch an Privatpersonen, nicht benötigte Lebensmittel zu spenden statt wegzuwerfen. Dieses Problem war auch Gerd Müller ein Anliegen. „Es werden zu viele Lebensmittel weggeworfen“, beklagte der Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium. „Mindesthaltbarkeitsdatum heißt nicht ungenießbar“, betonte Müller. Da er angekündigt hatte, sich demnächst in Berlin mit dem Bundesvorstand der Tafelläden zu treffen, gaben ihm die Weiß noch einen Ratschlag mit auf den Weg: Statt der nun vom Vorstand geplanten fix und fertig abgepackten Tüten, sollen die Kunden weiterhin die Freiheit haben, sich ihre Lebensmittel selbst nach eigenen Bedürfnissen aussuchen zu dürfen. „Denn der andere Weg entspricht nicht der Menschenwürde“, so Karl Weiß und Silvia Rupp ergänzte: „Dann werden wieder Sachen weggeschmissen.“

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