Freunde der Kemptener Museen feiern im Kornhaus ihr 25-jähriges Bestehen

"Kulturtouristisch wichtige Zugpferde"

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Für ihr „außergewöhnliches Engagement“ wird fkm-Vorsitzende Margarethe Gradmann (links) durch Gründungsmitglied Annemarie Simon mit der Johannes-Medaille ausgezeichnet.

Kempten – Üblicherweise feiert man – oder wird gefeiert – und bekommt Geschenke zum Geburtstag. Anders bei den Freunden der Kemptener Museen (fkm).

Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins übergab die erste Vorsitzende Margarethe Gradmann auch drei neu erworbene Kunstwerke an OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) als Dauerleihgaben für die Museumslandschaft der Stadt: ein Atelierbild des Kimratshofener Malers Josef Schugg (1921-1994) sowie zwei Bischofsbüsten des Kemptener Bildhauers Lux Maurus aus dem 16. Jahrhundert. 

 Freilich hatte sie auch Wünsche zum Jubiläum der Vereinsgründung, die sie in ihrer gewohnt direkten Art im vollen Kornhaus auch vorbrachte: „Die Alpenländische Galerie sollte nach meiner Meinung erhalten bleiben“, sah sie auch durch „den Abzug der Münchener“ aus dem Alpinmuseum kein Problem, da das Museumsdepot noch mehr als genug zu bieten habe. So viel vom Schluss schon vorweg. Wie Netzer verdeutlichte, habe das „programmatische Motto“ des fkm, „Ein Museum braucht Freunde“, seit der Vereinsgründung 1988 seine Gültigkeit. Denn ein Museum sei „kein Selbstversorger“, sondern basiere als medialer und kommunikativer Ort auf einer museumsaffinen Gemeinde, „einem Kulturpublikum“. Die fkm hätten sich, neben zahlreichen Neuerwerbungen, nicht allein durch ihren Rat, sondern auch durch ihre Taten immer wieder als „wahre Freunde“ erwiesen, bedankte sich das Kemptener Stadtoberhaupt für „die vielfältige organisatorische, finanzielle und ideelle Unterstützung“. 

 Großen Respekt zollte er zudem der Vorsitzenden, die wisse was sie wolle, grundlegenden Humor habe und einen „ganz schön um den Finger wickeln kann“, wenn es darum gehe, benötigte Gelder zusammenzubringen. „Sie ist ein Segen für den Verein“, der mit allen bisherigen Vorsitzenden – Dr. Werner Neuhauser von 1988-2000, gefolgt von Eugen Steigelmann, dessen Amtszeit durch seinen tragischen Tod bereits 2001 endete und schließlich Margarethe Gradmann als Nachfolgerin – immer „Glück gehabt“ habe. 

 Guter Zeitpunkt 

Bei der Vereinsgründung, so fkm-Vorstand Dr. Reinhard Riepertinger, stellvertretender Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, habe dem damaligen OB Dr. Josef Höß (CSU) ein Kreis von Persönlichkeiten vorgeschwebt, die bereit seien, das Kemptener Museumswesen zu unterstützen. 33 Bürgerinnen und Bürger waren seinerzeit seiner Einladung gefolgt und der Verein wurde gegründet – wie Riepertinger befand, zu einem guten Zeitpunkt: „Die Stadt hatte in den letzten Jahren musealen Zuwachs erhalten“. Des weiteren befand sich der Marstall für zwei weitere Museen gerade im Umbau. Allerdings war das Allgäuer Heimatmuseum im Kornhaus 1987 geschlossen worden und erstrahlte erst zwölf Jahre später – Riepertinger war damals Leiter der Kemptener Museen – in neuem Glanz und mit neuem Konzept wieder. Wie der Festredner betonte, seien aber zunächst vor allem die Förderung der Museen als „kulturtouristisch wichtige Zugpferde“ sowie die Unterstützung bei Neuerwerbungen im Fokus der fkm gestanden. 

Mit seinen heute 379 Mitgliedern könne der Verein nicht nur auf eine beachtliche, ausschließlich aus Schenkungen bestehende, grafische Sammlung Allgäuer Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts verweisen – bis dato 1600 Blätter von circa 135 Allgäuer Künstlern. Von Dr. Werner Scharrer betreut, sorge dieser – „wenn es sein muss auch mit Beharrlichkeit“ – für ihre stetige Ausweitung. Insgesamt rund 514 000 Euro habe der Verein in den 25 Jahren für Ankäufe aufgewendet, darunter das „Lieblingswerk der ersten Vorsitzenden“, ein 2009 erworbener Altarflügel mit dem Motiv „Anbetung der König“ um 1460/70. Dennoch sei der fkm „kein bloßer Objektbeschaffungsverein“, sondern leiste ebenso „strukturelle und inhaltliche Begleitung“, betonte Riepertinger. 

 Dank für Engagement 

Und zu guter Letzt wurde die „Jägerin des verlorenen Schatzes“, wie Kemptens Museumsleiterin Ursula Winkler die fkm-Vorsitzende Gradmann in ihrer Laudatio beschrieb, mit der Johannes-Medaille ausgezeichnet. Begleitet von einem herzlichen Dank für „Ihr außergewöhnliches Engagement“ überreichte fkm-Gründungsmitglied Annemarie Simon die vom Bildhauer Hans Wachter nach dem Motiv des ersten Ankaufs der fkm gestalteten Bronzeplakette. Schwungvolle musikalische Akzente setzte das „Duo Inflagranti“ mit Sandra Ade am Hackbrett und Vreni Kuisle an der Harfe. Anlässlich des Jubiläums des fkm werden 25 ausgewählte Werke aus dem Fundus des fkm im Kemptener Allgäu Museum gezeigt.

Christine Tröger

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