Großes Interesse

Die Zahl der Informationshungrigen überstieg bei weitem die Kapazität des Kapitelsaales. Zusätzliche Sitzgelegenheiten wurden auf der Bühne hinter den Protagonisten aufgestellt. So hatten die drei Bürgermeisterkandidaten bei ihrer Vorstellung einen Teil ihrer Wähler rein optisch im Rücken. Foto: Würzner

Bürgermeister in Wiggensbach zu werden, hat schon was. Im Süden der Republik sagt man dazu „a gmahte Wiesn“. Aber es sind große Fußstapfen, in die man tritt. Darüber werden sich die drei Kandidaten für die Wahl am 7. November bestimmt klar sein. Um sich ein Bild machen zu können, präsentierten sich die Rathauschefs in spe am Sonntag dem Wählervolk bei einer Veranstaltung der Kolpingfamilie im Saal des Gasthauses Kapitel. Politikverdrossenheit war kein Thema, das Interesse überstieg die Kapazität der Räumlichkeiten bei weitem.

Moderator Albert Müller erklärte die Spielregeln, der Schlagabtausch begann mit der Vorstellung. Der an Nummer eins ausgeloste gebürtige Heidenheimer Rüdiger Dittmann fragte in die Runde, ob er sich wirklich nochmals vorstellen müsse, wo doch sein Konterfei von den Wahlplakaten her bekannt sei. Er tat es trotzdem, und gab preis, dass er seit 20 Jahren in Kempten lebe, verheiratet ist, Vater einer 15-jährigen Tochter und Waldbesitzer ist. Der Endvierziger ist selbständiger Bauingenieur, gibt als Parteizugehörigkeit Bündnis 90/ Die Grünen an und ist Befürworter alternativer Energien. Als Referenz führte er den Bau eines Wasserkraftwerkes in Augsburg an, das er von der Projektphase bis zur Fertigstellung leitete. Ausdauer will er in der Kommunalpolitik ebenso beweisen wie bei seinen Gewaltmärschen quer durch die USA und durch Deutschland von Nord nach Süd. Der an Nummer zwei gesetzte Franke Michael Deuschle, geboren vor knapp vierzig Jahren in Fürth, bezeichnet sich als Quereinsteiger. Der für die Wählervereinigung für Wiggensbach ins Rennen gehende Hauptschullehrer wohnt mit Frau und zwei Töchtern seit fünf Jahren am Ort und ist als Übungsleiter und Spieler bei der AH-Fußballmannschaft mit den Problemen junger Familien mit Kindern und dem Vereinsleben vertraut. Wie sein Vorredner ist er konfessionslos, will aber, dito, die Kirche im Dorf lassen. Er verspricht einen neuen Politikstil, bezeichnet sich als Zuhörer und parteipolitisch unabhängig. Der Dritte im Bunde setzt auf seine neunjährige Erfahrung als Bürgermeister von Wasserburg am Bodensee. Thomas Eigstler, 40 Jahre jung, CSU-Mitglied und katholisch, ist Betriebswirt (FH) und hat das Verwaltungsgeschäft im Rechts- und Ordnungsamt Kempten gelernt. Ins Allgäu zieht es ihn, weil seine Eltern hier leben. Als Bürgermeister für alle sieht er die Weiterentwicklung des Ortes als langfristiges Projekt und erteilt jeder Form von Klientelpolitik eine Absage. Nach dieser Einführung konnten sich die Kandidaten jeweils 90 Sekunden zu den Themen Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Verkehr, Kinder, Jugend und Senioren, Ehrenamt-, Vereine, Umwelt, Energie, Ökologie und Finanzen äußern. Zu jedem Punkt konnten direkt Fragen aus dem Saal gestellt werden, abschließend war nochmals Gelegenheit, die drei Herren auf der Bühne um ihre Meinung zu bestimmten Problemen zu befragen. Spontanität war Trumpf bei der Blitzfragerunde. Welches Gebäude wird ihren Namen tragen? Was hat sich verändert, wenn sie als Bürgermeister in Pension gehen? Keiner blieb eine Antwort schuldig, und so konnte sich Susi zum Abschluss wie bei der Herzblatt-Sendung auf keinen der Kandidaten festlegen. Musste sie auch nicht, denn dafür gibt es ja die Wahlen am 7. November.

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