Rund 100 Einsatzkräfte leisten schnelle Hilfe bei Großübung bei Isny

Schulklasse im Eistobel vermisst

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Die Darsteller erhielten Zettel mit Anweisungen über die Art ihrer Verletzungen und wie sie sich zu verhalten haben. Gespielt wurden sie durch Mitglieder des Jugendrotkreuzes. Infos zum Jugendrotkreuz gibt es im Internet unter http://jrk-bayern.de/orte/brk-kreisverband-oberallgaeu oder beim DRK in Isny unter www.drk-ov-isny.de.

Isny – Eine Schulklasse ist im Eistobel unterwegs, als plötzlich ein Unwetter losbricht. Die Schüler und Lehrer suchen verzweifelt einen Schutz vor dem Wetter. Nachdem eine Panik ausbricht, verteilen sich die Personen über das ganze Gelände. Die Anzahl der Verletzten und der Schweregrad ist für die Lehrerin, welche die Rettungsleitstelle alarmiert, nachdem sie sich bis zum Eingang hochgekämpft hat, nicht überschaubar, ebenso wenig wie für die Kinder, die irgendwo im Wald versuchen, einen Handyempfang zu bekommen, um Notrufe absetzen zu können. Klar ist nur: 26 Personen halten sich noch irgendwo im und um den Eistobel auf.

Das war das Szenario, mit dem sich die Rettungseinsatzkräfte vergangenen Samstag bei einer Großübung auseinander setzen mussten. Da eine Befahrung mit den Rettungswagen nicht möglich ist, gingen die Einsatzkräfte an zwei Stellen in den Eistobel. Eine Gruppe über den Haupteingang, die andere in der Nähe des Motzgatsrieder Baches. Zeitgleich wurden auf den Wiesen beider Eingänge die Lager für die Unterbringung der Verletzten hergerichtet. Da sich das Wetter nicht an den Übungsplan hielt und die Suche bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein stattfand, war es nicht notwendig, Zelte aufzubauen. Im Notfall stehen die 30 Quadratmeter-Zelte aber mithilfe von Pressluft innerhalb fünf Minuten.

Koordiniert wurde der Einsatz ebenfalls von der Wiese aus. Die Einsatzkräfte meldeten die gefundenen Verletzten und gaben eine kurze Diagnose und die Art der Hilfe durch, die benötigt wurde. Der Großteil der Personen wurde dann mit einem Quad mit Anhänger aus der Gefahrenzone gebracht, mit dem der Weg im Eistobel gerade noch so befahrbar ist. Im Ernstfall wäre aber auch der Einsatz von Hubschraubern wahrscheinlich, die an zwei Stellen im Eistobel landen könnten. Zudem müssten so viele Verletzte auf mehrere Krankenhäuser verteilt werden. „Da würden die Patienten auch nach Friedrichshafen, St. Gallen, Dornbirn, Reutte, Ulm oder München geflogen, mit dem Hubschrauber sind das ja keine Entfernungen“, erklärt Matthias Zähringer vom DRK. „Bei so einem Einsatz geht es in erster Linie darum, die Personen so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone zu bringen und zur weiteren Versorgung abzutransportieren.“ Denn eine Behandlung könnte vor Ort nicht im ausreichenden Umfang erfolgen. Im Extremfall würde das auch bedeuten, dass der Leiter die Entscheidung treffen müsste, wer zuerst abtransportiert wird und wer eventuell keine Überlebenschance mehr hätte. „Nach so einem Einsatz findet selbstverständlich eine psychologische Betreuung der Rettungskräfte statt. Außerdem ist die Kameradschaft sehr wichtig. Man achtet aufeinander und unterstützt sich gegenseitig, auch nach einem Einsatz“, führt Matthias Zähringer weiter aus.

Er selber war diesmal allerdings nicht als einer der über 100 zum Großteil ehrenamtlichen Rettungskräfte tätig, sondern als Beobachter. Diese waren an mehreren Stellen positioniert und beobachteten die verschiedenen Einsatzbereiche ganz genau. „Im Anschluss an die Übung findet dann ein Austausch zwischen den Leitern und den Beobachtern statt, damit man weiß, wo es gut gelaufen ist und wo es Verbesserungen geben könnte.“ Auch das Zusammenspiel der Baden-Württembergischen und Bayerischen Einsatzkräfte war eine kleine Herausforderung. „Die arbeiten ganz anders als wir. Da muss dann wieder viel mehr geredet und abgestimmt werden“, bemerkt Matthias Zähringer. So signalisiert z.B. die gelbe Weste zwar überall die Einsatzleitung, danach ist aber die Bedeutung der Westenfarben je nach Bundesland unterschiedlich. Das könnte auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner zu Verwirrungen führen. Geplant wurde diese Großübung vor über zwei Monaten. „Das war aber bereits vor dem Unglück an den Buchenegger Wasserfällen. Der Einsatz dort hat aber gezeigt, wie wichtig so eine Übung ist“, erklärte der Übungsleiter Andreas Beisch vom BRK.

Bei den Buchenegger Wasserfällen waren Mitte August ein minderjähriger Flüchtling und sein Betreuer ertrunken, nur speziell geschulte Einsatzkräfte konnten damals verhindern, dass noch mehr Menschen beim Rettungsversuch Schaden nahmen. Damit die Eistobel-Wanderer nicht durch die realistisch geschminkten Notfalldarsteller erschreckt oder gar zum Eingreifen animiert wurden, waren an den Eingängen Infotafeln über die Großübung angebracht und die Darsteller mit einem Armband gekennzeichnet. Nach rund drei Stunden waren alle Vermissten gefunden und nach den Nachbesprechungen konnten sich alle Mitwirkenden beim Essen zumindest etwas von den Strapazen des Tages erholen.

Hinweis: Auch wenn die Anwesenheit der Wanderer und Journalisten die Arbeit der Rettungskräfte diesmal nicht maßgeblich behindert hat: bei einem Großschadensereignis bitten die Einsatzkräfte darum, zuhause zu bleiben, sich über das Radio und Fernsehen zu informieren und nicht als Schaulustige zu kommen. Dadurch möchte man auch größere Schäden oder Paniken, die durch fehlerhafte oder übertriebene Informationen in den sozialen Netzwerken verbreitet werden könnten, vorbeugen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat zu diesem Thema auch die neue Broschüre „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ zusammengestellt, die im Internet unter www.bbk.bund.de oder unter telefonisch unter 022899/550-3606 angefordert werden kann.

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