Grundlagen der Verständigung

Stadtarchivar Dr. Franz Rasso Böck hat viel zur Ausstellung „Philipp Melanchton und Kempten“ zu erzählen, die in Zusammenarbeit mit der Bibliothek der St. Mang-Kirche aktuell im Kemptener Stadtarchiv gezeigt wird. Foto: Tröger

In welcher Beziehung stand Melanchton, der bedeutende Weggefährte Martin Luthers, zur Reichsstadt Kempten? Besucht hat er die Stadt nie. Dennoch scheint sein Einfluss auf die hiesige Reformationsbewegung nicht unerheblich gewesen zu sein. Einen tieferen Einblick in dieses Kapitel Kemptener Geschichte liefert derzeit die Ausstellung „Philipp Melanchton und Kempten“ im Erdgeschoss des Stadtarchivs.

Dort können sich Besucher über eine zwar kleine, dabei sehr wissenspralle Präsentation mit Informationstafeln und alten Originalschriften aus der Kirchenbibliothek St. Mang freuen. Dass die Reformation ihren schlagenden Durchbruch nicht zuletzt dem zeitgleich brandneuen Medium Druck verdankte, erläuterte Stadtarchivar Dr. Franz Rasso Böck zur Eröffnung der Ausstellung. Luther habe den Druck als Multiplikator für seine 1517 veröffentlichten Thesen sowie die, „für die Ausbreitung reformatorischen Gedankengutes“ sehr wichtigen Predigten in Form von Flugblättern zu nutzen gewusst. Dennoch hätte es ohne den Humanisten Philipp Melanchton „eine Vertiefung und den nachhaltigen Erfolg der evangelischen Bewegung wohl genauso wenig gegeben wie ohne Buchdruck“, würdigte Böck dessen Verdienste. Ein Besuch lohnt sich Die Beziehung Kemptens zu Melanchton, dem Reformator von Kirche und Schule, durchleuchtete Karin Schaber, Betreuerin der Kirchenbibliothek St. Mang. Ein komplexes, facettenreiches Thema wie sich zeigte und Interessierten einen durchaus lohnenden Ausstellungsbesuch in Aussicht stellte. Nicht von ungefähr sei in der St. Mang-Kirche das Porträt Melanchtons neben dem Martin Luthers zu sehen – beide vom Kemptener Maler Hieronnymus Hau zum 200. Jubiläum der „Confessio Augustana“ an seine Gemeinde gestiftet. Dieses „Augsburger Bekenntnnis“, von Melanchton zusammen mit der „Apologie“ maßgeblich zum Reichstag 1530 verfasst, sei „immer wieder neu Grundlage für die Verständigung der Evangelischen untereinander und für Verhandlungen mit der katholischen Seite“ geworden. Melanchton könne nicht nur deshalb in mehrfacher Hinsicht „als Lehrer Kemptens gelten“. Zum Beispiel im über mehrere Jahre andauernden Kemptener Abendmahlsstreit, den er am Ende gegen die Anhänger Zwinglis für sich entschied. Oder wegen der drei Kemptener Studenten, die das Wintersemester 1546/47 bei Melanchton lernten, bis die Universität wegen „Einrückens feindlicher Truppen“ geschlossen wurde. Wie das erhaltene Studienbuch von Bartholomeus Schmidt zeige, habe dieser die Zwangs-Studienpause genutzt, um Schriften seines Lehrers abzuschreiben. Der „einzige direkte Bezug zu Kempten“ sei, so Schaber weiter, ein Empfehlungsschreiben Melanchtons an den Kemptener Magistrat. Darin habe er am 22. Februar 1547 darum gebeten, die Studenten Andreas Rist, Michael Flach und Bartholomeus Schmidt „weiterhin zu unterstützen“, damit sie ihre Studien an einem ruhigen Ort abschließen könnten. Zwar sei der Originalbrief seit Beginn des 19. Jahrhunderts verschollen, aber der Druck einer Abschrift diene als Beleg. Alle drei Schüler aus Kempten erwarben laut Schaber 1549 in Tübingen den Magister-Titel. Rist sei im selben Jahr verstorben, während die beiden anderen wichtige Funktionen für und in der Stadt eingenommen und Melanchtons Lehren weiter getragen hätten: Flach als Rektor der Lateinschule und Schmidt ab 1554 als Stadtschreiber in Kempten. Mehr über „Philipp Melanchton und Kempten“ gibt es derzeit im Kemptener Stadtarchiv zu den üblichen Öffnungszeiten zu entdecken.

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