Guter und schlechter Start

Das Bildungspaket ermöglicht bedürftigen Kindern zum Beispiel ein warmes Mittagessen in der Schule. Foto: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

„Das Bildungspaket floppt“, „Fehlstart“, „Mangeldes Interesse“, „Bildungspaket erreicht Kinder nicht“ – so oder so ähnlich betitelten einige Medien in den vergangenen Wochen ihre Berichte über das neue Bildungspaket der Bundesregierung. Das soll künftig bundesweit 2,5 Millionen bedürftigen Kindern ermöglichen, bei Sport und Musik dabei zu sein oder an Schulausflügen und am gemeinsamen Mittagessen in Schule, Hort oder Kita teilzunehmen (der KREISBOTE berichtete). Während das Paket im Oberallgäu ebenfalls nur schleppend angenommen wird, läuft in Kempten die Bearbeitung von Anträgen bereits auf Hochtouren.

Rückwirkend zum 1. Januar ist das Bildungspaket Ende März in Kraft getreten. Die Umsetzung liegt bei den Kommunen. Anträge zur Rückerstattung von Leistungen, die bereits von Januar bis März in Anspruch genommen wurden, sollten bis Ende April gestellt werden. Da jedoch bisher bundesweit nur rund zwei Prozent der Antragsberechtigten Anträge gestellt haben, wurde die Frist jüngst bis zum 30. Juni verlängert. In Kempten haben rund 2500 Kinder aus Familien die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen Anspruch auf die Leistungen des Bildungspakets, im Oberallgäu sind es rund 2000. Dass es bundesweit solche Startschwierigkeiten gibt, kann Kemptens Jugend-, Schul- und Sozial- referent Benedikt Mayer nur schwer nachvollziehen. „Bei uns sind bereits gut 500 Anträge eingegangen“, meinte er am Mittwoch vergangener Woche gegenüber dem KREISBOTEN. Nicht gut angenommen wird es dagegen im Oberallgäu. Bisher seien erst 70 Anträge eingegangen (Tenzdenz steigend), sagte Ralph Eichbauer, Abteilungsleiter des Bereichs Soziales im Landratsamt Oberallgäu, auf Anfrage. Warum das Paket nur so schleppend angenommen wird, darüber ist sich Eichbauer noch nicht im Klaren. „Wir werden versuchen das Thema dorthin zu transportieren, wo es gefragt ist“, erläuterte er. Sprich Lehrer, Schulsozialarbeiter und andere, die in direktem Kontakt mit den bedürftigen Kinder und Familien, sind sollen genau darüber informiert werden. Außerdem sollen die Anträge, die bisher nur im Landratsamt zugänglich sind, künftig auch in Schulen und Gemeinden erhältlich sein. So entfalle die Hürde zum Amt zu gehen, um einen Antrag abzuholen, erklärte Eichbauer. Genau dieser Schritt ist in Kempten bereits erfolgt. Eine erfolgreiche Umsetzung des Bildungspakets sei eine Frage der Organisationsform, so Mayer. „Wir sind gleich mit den Schulen, Vereinen und anderen Trägern in Kontakt getreten.“ Die Anträge sind zudem im Amt für soziale Leistungen und Hilfen sowie in Schulen, Kindertagesstätten usw. ausgelegt. „Wir wollen es den Eltern möglichst einfach vom Aufwand her machen“, erläuterte Mayer. Hilfe beim Ausfüllen der Anträge bekommen die Betroffenen übrigens sowohl von den Mitarbeiterinnen des Amts als auch bei der Schulsozialarbeit und den Beratungsstellen der Diakonie oder beim Aktionskreis Familienfreundliches Kempten. Das schriftliche Antragsverfahren sei natürlich mit bürokratischem Aufwand verbunden, allerdings seien die Verfahren sehr einfach gehalten, meinte der Sozialreferent. Dass die Anträge auch gestellt werden, daran haben vor allem die Schulen, Vereine, Verbände und weiteren Träger Interesse. Grund dafür ist, dass die Leistungen nicht mit den Eltern, sondern mit den Trägern direkt abgerechnet werden. Das heißt, stellen die Familien für ihre Kinder keine Anträge, bleiben die Schulen, Kindertagesstätten, Horte, Vereine und Verbände auf ihren Kosten sitzen. „Die Leistungen sind bereits durch die Schulen, Vereine, Verbände oder Träger vorfinanziert“, verdeutlichte Benedikt Mayer. Um die bereits gezahlten Leistungen von Januar bis März aus dem Bildungspaket ausgeglichen zu bekommen, müssen die Anträge bis 30. Juni gestellt werden. Zur leichteren Abwicklung der Umsetzung werden in Kempten alle Anträge im Amt für soziale Leistungen bearbeitet. Auch die, für die bisher das Jobcenter zuständig war (außer 100 Euro Schulbedarf). Solch eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, das plant laut Eichbauer derzeit auch das Landratsamt. ml

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