Erinnerungen an einen großen Kemptener

Große Bandbreite

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Die „Hengeler Kunst Revue“ des Allgäuer Komponisten Christian Ludwig Mayr (links) erntet bei ihrer Uraufführung tosenden Applaus. Die Trachtengruppe aus Martinszell stand für Hengelers Leben in und Liebe zu München.

Kempten – Mit Pomp – in Form einer musikalischen Kunstrevue – und großem Bahnhof wurde vergangene Woche im Kornhaus eine besondere Jubiläumsausstellung eröffnet: „Adolf Hengeler – Karikaturist, Künstler, Kunstprofessor“.

Damit rückt das Kemptener Kulturamt einen, wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) meinte, „herausragenden Künstler des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts“ zu dessen 150. Geburtstag wieder ins Licht der breiten Öffentlichkeit. Dazu ist Adolf Hengeler ein Kind dieser Stadt. 

Geboren am 11. Februar 1863 und aufgewachsen in der Kemptener Stiftsstadt, absolvierte er in seiner Heimatstadt eine Lehre als Lithograph, bevor er mit 18 Jahren vom Vater nach München an die Kunstgewerbeschule geschickt wurde. Anschließend besuchte er die Kunstakademie, an der er ab 1912 selbst als Professor wirkte. Schon kurz nach seiner Ankunft in München begann Hengeler für die damals auflagenstärkste illustrierte Wochenzeitung zu zeichnen: die „Fliegenden Blätter“. Das sicherte ihm nicht nur ein geregeltes Einkommen, sondern steigerte auch seinen Bekanntheitsgrad erheblich. Dass der junge Adolf Hengeler, so Netzer in seiner Eröffnungsrede, „vor allem durch Lausbuben-Streiche und künstlerisches Talent auffiel“, fällt nicht schwer zu glauben. Findet sich beides in Kombination doch wieder in den humoristischen Zeichnungen, in denen ihm der Schabernack direkt in die spitze Feder zu springen scheint, wenn er menschliche Eigenarten aufs Korn nimmt. 

Wunderbar zum Beispiel die Karikatur „Gastliche Aufnahme in Afrika“, in der die bayerische „zivilisierte Welt“ auf Eingeborene trifft, oder „Die Brautwerbung“. Einige Bildgeschichten wurden von Nadine Heindl auch filmisch verarbeitet. In der gut bestückten Ausstellung ermöglicht die repräsentative Auswahl seiner Werke einen mehr als nur oberflächlichen Einblick in die künstlerische Bandbreite Hengelers und ebenso in sein Leben und Denken. Gegliedert in drei große Schaffensperioden finden sich unter den frühen Zeichnungen und Aquarellen Motive aus der Stiftsstadt wieder; in seinen Malereien tummeln sich häufig Putten, die schon fast als eine Art Alleinstellungsmerkmal Hengelers betrachtet werden können; in seinem Spätwerk beschäftigt er sich dagegen vor allem mit „Phantasien“, die er in Bleistift- oder Farbzeichnungen bannt. Einen besonderen Platz nimmt die von Hengeler bebilderte „Münchner Fibel – Erstes Lesebuch für die Volksschulen Münchens“ ein, die in einer extra Ecke einlädt, sich aktiv mit der Schreibschrift von vor gut 100 Jahren zu befassen. 

Viele Entdeckungen 

Vieles gibt es über den Maler und Menschen Adolf Hengeler in der Ausstellung zu entdecken. Ergänzt wird die Entdeckungsreise zum einen durch das reich bebilderte Buch „Adolf Hengeler – Münchener Kunst zwischen Lenbach und Stuck“, erschienen im Kunstverlag Josef Fink. Zum anderen erlebten die Gäste der Vernissage im proppenvollen Kornhaus die Uraufführung der „Hengeler Kunst Revue“. In der Auftragsarbeit interpretiert der Allgäuer Komponist Christian Ludwig Mayer Kunst und Leben von Adolf Hengeler, in dessen Werk Musik und Instrumente durchaus eine Rolle spielen. Mit neun Instrumenten und dem Kinderchor der Sing- und Musikschule (Leitung: Monika Lichter-Resch) hat der Regisseur Thomas Kiemle das musikalische Potpourri zu an die Wand projizierten Hengeler-Bildern in Szene gesetzt.

Lebens(werk)geschichte 

Für die Darstellung von Hengelers Liebe zu München legte sich der Trachtenverein d’Langenegger Martinszell tanzend und schauspielernd ins Zeug. Trotz der ein oder anderen Länge wurde mit dem Münchner Volksschauspieler und Coupletsänger Winfried Frey als Adolf Hengeler sowie Konrad Wipp, unter anderem als Polyphag, eine unterhaltsame Lebens(werk)geschichte des berühmten Kemptener Künstlers daraus. Die Ausstellung ist noch bis 6. Januar 2014 im Gewölbe des Allgäu Museums am großen Kornhausplatz 1 zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr (Juni bis September bis 17 Uhr).

Christine Tröger

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