Herzblut und Tränen

Kein Pomp, kein Programm, kein offizielles Brimborium. Stattdessen feierten die Kemptener Altstadtfreunde ihr 30-jähriges Bestehen mit einem gemütlichen „Hock“ in der extra dafür wieder zum Leben erweckten Weinstube Hensler. Ein Jubiläum so ganz ohne Reden und Ehrungen? Die wechselnden Gäste – einige bewiesen aber durchaus auch Sitzfleisch – die sich gut verköstigt von Tisch zu Tisch plauderten, hatten jedenfalls sichtlich Spaß an der unkonventionellen Veranstaltung.

Eingeladen hatte Vereinsvorsitzender Hansjürg Hensler, der sein Amt nach 18 Jahren an die jüngere Generation abgeben will. Nach seinem Wunsch soll ihn der designierte Nachfolger Dietmar Markmiller mit der Jahreshauptversammlung am 9. März beerben. Ungewohnt friedlich gab sich der noch amtierende Vorsitzende an diesem Abend, der mit Hartnäckigkeit und gegebenenfalls auch kämpferisch-bissig so einiges in der Altstadt ins Rollen gebracht hat. Wer wollte, konnte sich durch einen Stapel mitgebrachter Ordner blättern, die die letzten 18 Jahre der Altstadtfreunde dokumentierten. Erinnerungen wurden auch bei einigen Gründungsmitgliedern des am 8. Februar 1980 mit knapp 100 Mitgliedern gegründeten und heute rund 500 Mitglieder zählenden Vereins, wieder lebendig. Beispielsweise das Treffen Anfang der 1980er Jahre zum Erfahrungsaustausch mit anderen Altstadtvereinen auf der Burg in Nürnberg. Erinnerungen an Schwarz Die Altstadtfreunde habe damals vor allem die problematische Wohnsituation unterhalb der Burghalde beschäftigt, wie Gründungsmitglied und langjähriger zweiter Vorsitzender Thomas Mailer dem KREISBOTE erzählte. Gertraud Schwarz, Gründungsvorsitzende und besser bekannt unter „Altstadt-Traudl“, habe dort „eine Rede mit soviel Herzblut und Tränen gehalten“, dass sie von allen seinerzeit berichtenden Zeitungen „als Aufmacher“ genommen worden sei. Auch an die Erfolge der beiden Altstadtfilme, die „von einem ehemaligen Ufa-Kameramann gedreht wurden“ und deren Aufführungen im Stadttheater jeweils bei vollem Haus stattgefunden hätten, erinnerte er sich. Und natürlich auch an den damaligen OB, Dr. Josef Höß, der „Kraft seines Amtes Gegenspieler der Altfreunde war“, aber doch immer „ein offenes Ohr“ für ihre Anliegen gehabt habe. Eines Tages sei er von Höß sogar gebeten worden, die Meriten von Schwarz zusammenzutragen, „damit er für sie das Bundesverdienstkreuz beantragen kann“, das sie Anfang der 1990er auch erhalten habe. Ob aufgrund der ein oder anderen Meinungsverschiedenheit zwischen ihr und dem Verein oder aus „gesundheitlichen Gründen“, wie sie sich Mailer gegenüber entschuldigt hatte: Das 30-jährige Jubiläum des Vereins fand ohne seiner Altstadt-Traudl statt. Dass die Altstadtfreunde für Kempten eine wichtige Funktion erfüllen, zeigte die Anwesenheit von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), Baureferentin Monika Beltinger, Dr. Richard Schießl, Leiter des Amtes für Wirtschaft- und Stadtentwicklung, und Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber, die den inoffiziellen Rahmen ebenfalls sichtlich genossen.

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