Inklusion im Arbeitsleben

Von der Holzwerkstatt ins Tagungshotel

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Ingo Schneller hat mit Unterstützung des Integrationsfachdienstes Schwaben im Tagungshotel St. Raphael in Kempten eine neue Beschäftigung gefunden.

Kempten – Blaue, grüne, gelbe und rosa Lappen liegen in Stapeln auf einem voll gepackten Wagen; daneben Reinigungsmittel, darunter frische Handtücher, Bettwäsche.

Routiniert greift Ingo Schneller sich je einen der farbigen Putzlappen und einen frischen Satz Handtücher und macht sich auf den Weg ins Zimmer mit der Nummer 233. Hier beginnt heute sein Einsatz als Reinigungskraft im Tagungshotel St. Raphael in Kempten. Diesen Job zu finden, war für den gelernten Holzfachwerker nicht ganz einfach: Der 33-Jährige hat eine Behinderung.

Bei der Arbeitssuche unterstützt hat Ingo Schneller der Integrationsfachdienst (ifd) Schwaben in Kempten. Dieser berät und unterstützt Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Behin- derungen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und begleitet sie auch während der Berufstätigkeit. Auch für Arbeit- geber ist der ifd-Schwaben, der im Allgäu in Kooperation von Katholischer Jugendfürsorge (KJF) Augsburg und den Diakonischen Werk Kempten betrieben wird, Ansprechpartner.

Im Auftrag der Agentur für Arbeit begleitete ifd-Mitarbeiterin Michaela Locker den 33-Jährigen Holzfachwerker im Rahmen eines sogenannten individuellen Vermittlungscoachings für Arbeitnehmer mit Vermittlungshemmnissen. Das bedeutet: ifd-Mitarbeiter können einen Arbeitssuchenden über sechs Monate lang einmal wöchentlich intensiv bei der Suche nach potenziellen Arbeitgebern sowie beim Schreiben von Bewerbungen unterstützen und zum Beispiel auch zu Bewerbungsgesprächen begleiten. „Das Schöne am individuellen Vermittlungscoaching ist die Tatsache, dass mehr Zeit da ist, zu schauen, was der jeweilige Klient braucht, damit es mit einer neuen Arbeitsstelle klappen kann“, erklärt ifd-Mitarbeiterin Michaela Locker.

"Er war offen"

An Ingo Schneller, der seinen früheren Arbeitsplatz wegen der schlechten Auftragslage des Betriebs verlor, hat die Diplom-Sozialpädagogin schnell eines begeistert: „Er war so offen, zu sagen: Ja, ich kann mir auch etwas anderes als den bisherigen Tätigkeitsbereich vorstellen. So entstand die Idee eines Praktikums im Tagungshotel St. Raphael in Kempten.“ Dieses Hotel eröffnete Ende 2012 und ist ein sogenannter Integrationsbetrieb, der Menschen mit einer Behinderung ganz bewusst eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bietet.

Hotelleiterin Mareike Pfisterer erinnert sich noch gut an Schnellers Praktikum: „Angefangen hat Herr Schneller in der Haustechnik, aber er war von Anfang an so flexibel, dass wir ihn auch als Springer in der Spülküche oder bei der Zimmerreinigung eingesetzt haben. Wir haben schnell ge- merkt, dass er sehr vielseitig ist und er hat sich in allen Bereichen gut gemacht.“ Als eine Stelle im Bereich der Zimmerreinigung frei wurde, war das seine Chance: Seit Januar diesen Jahres arbeitet Ingo Schneller in Teilzeit mit einem festen Vertrag im Hotel St. Raphael. Im Moment ist der zweite Stock mit 13 von insgesamt 37 Zimmern sein Revier. Hier ist er für die Zimmerreinigung zuständig. „Für mich ist alles sehr positiv verlaufen“, sagt er selbst im Rückblick.

kjf

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