Hoch auf dem gelben Wagen

Chronologisch hat Kreisheimatpflegerin Ingrid Müller ihre Ausstellung aufgebaut. Ob geschichtliches oder technisches Interesse, vom Botenweg anno 1500 bis zur Motorisierung der ersten Busse 1914 wird es durch Bild- und Schriftdokumente befriedigt. Foto: Würzner

„Kultur in Bewegungen – Handel, Reisen und Verkehr“. Am Tag des offenen Denkmals war gemäß diesem Motto in Kimratshofen eine Ausstellung zu sehen mit dem Titel „Von der Postkutsche zum Linienbus – Unterwegs zwischen Kempten und Kimratshofen.“ Kreisheimatpflegerin Ingrid Müller hatte im Vorfeld die Archive nach Zeitdokumenten durchforstet und ist vielfach fündig geworden.

Im Gasthof „Alte Post“ am Endpunkt der Fahrtstrecke kann der Besucher nachlesen, wie ein Postillion ab dem Jahr 1806 gekleidet zu sein hatte und sogar die Noten lesen, mit denen das Posthorn als Signal für die Anzahl der Pferde oder den Wagen zu blasen war. Je nachdem wofür man sich interessierte, die Bandbreite der Informationen reichte von Einstellungsbedingungen für Postillione („Des Fahrens und Reitens kundig, nicht dem Trunke ergeben und er sollte nicht ohne dringende Notwendigkeit vom gewöhnlichen Weg abweichen“) bis zu technischen Details über die Busse, die 1920 eingesetzt wurden. Die erste Fahrt mit Motorwagen von Kempten nach Kimratshofen fand am 29. April 1914 mit vier Kraftfahrzeugen statt, die 35 PS hatten und 15 Km/h fuhren. Die Fahrtzeitverkürzung von drei auf eineinhalb Stunden wurde als Zeichen frohen Fortschritts gefeiert. Mit der Zeit gehend taufte August Batsch sein Gasthaus „Zum Schwanen“ in Altusried 1912 zum Gasthof und Brauerei „Zur Post“ um – die königlich Bayrischen Postwagen konnten kommen. Heute kaum noch vorstellbar, jedenfalls für Jugendliche, die keinen Opa haben, der es erzählen könnte – 1944 fuhr überhaupt kein Bus mehr. Das ganze Benzin wurde für die Landesverteidigung gebraucht. Nur wenige Monate nach Kriegsende wurde die Verbindung zur Allgäu-Metropole Kempten allerdings durch die privat betriebenen Busse der Firmen Gromer und Morent wieder aufgenommen. Die rasante Entwicklung vom Holzvergaser zum klimatisierten Reisebus mit Toilette und Bordküche ist der Vollständigkeit halber ebenfalls Teil der Ausstellung. Mit den Worten von Ingrid Müller ausgedrückt: „Von anfänglich zwei PS und sechs Sitzplätzen sind wir nun bei 300 PS und 65 Plätzen angekommen. Nicht nur einmal am Tag fährt eine Kutsche, sondern mehrmals am Tag ein Bus.“ Die Ausstellung in Kimratshofen ist noch bis zum 24. September geöffnet.

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