"Hoher Grad an Spezialisierung"

Ordentlich gebechert hatten die zwei Jugendlichen, als sie am 21. September in St. Mang auf offener Straße und ohne Vorwarnung auf einen Mann losgingen. Noch in der gleichen Nacht erließ das Gericht Haftbefehl gegen die zwei und bereits am 16. November verurteilte sie das Amtsgericht zu mehrjährigen Haftstrafen. „Das zeigt, wie schnell Ergebnisse erzielt werden können“, betonte Staatsanwältin Katrin Eger beim Jahrespressegespräch der Staatsanwaltschaft. Denn bei diesem Erfolg handelte es sich nicht um das einzige zügige Verfahren der Kemptener Ermittler: Im vergangenen Jahr betrug die durchschnittliche Dauer eines Ermittlungsverfahrens lediglich einen Monat.

Mit den Landkreisen Ostallgäu, Oberallgäu und Lindau sowie den kreisfreien Städten Kempten und Kaufbeuren ist die Kemptener Staatsanwaltschaft für die Sicherheit von rund 470000 Bürger mitverantwortlich. „Die Verhütung von Straftaten ist allerdings nicht die Aufgabe der Staatsanwaltschaft“, betonte Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Pollert. „Wir haben zwei Funktionen – Strafverfolgung und Strafvollstreckung“, erklärte er. Um diese Ziele zu erreichen, stehen den Kemptener Ermittlern 22 Staatsanwälte, acht Rechtspfleger und 37 Beamte, aufgeteilt in vier Abteilungen, zur Verfügung. Die Zuständigkeiten reichen dabei von Jugend- und Verkehrdelikten über Mord, Sexualstraftaten bis hin zu Vollstreckungsverfahren und Ermittlungen gegen Polizisten. „Ein hoher Grad der Spezialisierung ist somit möglich“, frohlockte Pollert. Dazu kommen noch verschiedene Sonderzuständigkeiten (der KREISBOTE berichtete). Botschaft für die Bürger Insgesamt leiteten die Kemptener Staatsanwälte im vergangenen Jahr gegen bekannte Täter 20731 Ermittlungsverfahren ein (2008: 21663). Dabei konnten 23010 Tatverdächtige festgestellt werden (2008: 23705). „Jeder Staatsanwalt bearbeitet durchschnittlich 987 neue Verfahren jährlich“, so Behördenleiter Pollert. „Das sind durchschnittlich rund 79 neue Verfahren pro Monat und Staatsanwalt.“ Dabei kam es in 3791 Fällen zu einer Anklage, 2991 mal stellten die Vertreter der Anklage Strafbefehlsantrag und 3329 Verfahren wurden eingestellt. Das bedeutet, dass jeden Monat 565 Verfahren angeklagt wurden. Das sind im Schnitt 26 Anklagen pro Staatsanwalt und Monat. Dazu kommen noch 5628 Stunden, die die Kemptener Ernittler im vergangenen Jahr in verschiedenen Gerichtssitzungen anwesend sein mussten. Die durchschnittliche Dauer eines Ermittlungsverfahrens betrug 2009 einen Monat. Knapp 92 Prozent aller Verfahren konnten spätestens innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. „Das ist eine wichtige Botschaft für die Öffentlichkeit“, betonte Herbert Pollert. Zumal Mord- oder Unfallermittlungen wegen ausstehender Gutachten oft deutlich länger dauern würden. „Die guten Ergebnisse liegen auch an der guten Zusammenarbeit mit der Polizei“, so der Behördenleiter weiter.

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