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Ganz im Zeichen der aktuellen politischen Debatte über den richtigen Weg zur Eingliederung verschiedener Gruppen in die Gesellschaft stand die Einweihung der Philipp-Neri-Schule des Förderzentrums St. Georg. Ein in Fachkreisen diskutiertes Papier der UNO verlangt die so genannte Inclusion, also die Hereinnahme aller Personengruppen in die Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird das in Deutschland übliche System der gezielten Förderung verschiedener Gruppen in Spezialeinrichtungen manchmal infrage gestellt. Bei der Einweihung waren allerdings nur Stimmen zu hören, die die Integration Behinderter und anderer Gruppen mit besonderen Bedürfnissen nach einer zuvor erfolgten gezielten Förderung in einem Spezialsystem befürworteten, wie es derzeit auch praktiziert wird.

So sprach Ministerialrat Erich Weigl vom Bayerischen Kultusministerium davon, dass Minister Spaenle ausdrücklich die Zukunft der Förderschulen in Bayern bejahe. „Inclusion heißt: Aufeinander zugehen und nicht aufeinander losgehen", so Weigl, der in dieser Diskussion auch eine Chance sieht, die Förderschulen weiterzuentwickeln. Prälat Günter Grimme, Vorstandsvorsitzender der Katholischen Jugendfürsorge, zu der die Philipp-Neri-Schule und das Förderzentrum St. Georg gehören, sprach sich ebenfalls klar für den Erhält der Förderschulen aus. „Das Ziel ist das gleiche, aber es muss verschiedene Wege dorthin geben", so Grimme. Auch Harald Britze, der vom Bayerischen Sozialministerium zur Einweihung gekommen war, bekräftigte: „Es wird immer Kinder und Jugendliche geben, die für einen bestimmten Zeitraum eine besondere Förderung brauchen." "Wichtiger denn je" Bei einer kleinen Podiumsdiskussion zeigte sich, dass die Richtung der Philipp-Neri-Schule mit ihrer integrierten Heilpädagogischen Tagesstätte stimmt. „Wir brauchen solche Einrichtungen, sie sind not-wendiger denn je", sagte der stellvertretender Landrat Anton Klotz, der in der dortigen Arbeit „einen we-sentlichen Mosaikstein in unserem Bildungssystem" sah. Marianne Lechner, deren Sohn an der Philipp-Neri-Schule den Hauptschulabschluss gemacht hat und inzwischen Lehrling ist, sagte sichtlich bewegt: „Es war ein segensreicher Zufall, der uns an diese Schule geführt hat. Sie haben uns den Glauben an unseren Sohn wiedergegeben." Stefanie Sautter, deren Sohn derzeit die Philipp-Neri-Schule besucht, empfindet die großen Klassen an der Schule ihres Wohnorts für ihn als ungeeignet: „Eigentlich möchte ich, dass mein Sohn in die Regelschule geht, aber ich sehe das für ihn noch nicht." Großes Einzugsgebiet An der Philipp-Neri-Schule zur Erziehungshilfe werden derzeit 54 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 9 aus dem ganzen südschwäbischen Raum unterrichtet. Dazu gehört ein neues Konzept: In die Schule integriert sind Gruppen einer Heilpädagogischen Tagesstätte. Der Alltag sieht daher so aus, dass eine Gruppe von zehn bis 12 Kindern den ganzen Tag über von einem Team von vier Pädagogen gefördert, unterrichtet und betreut werden. So ist eine gezielte Förderung der einzelnen Schüler möglich. Unter der Leitung von Sonderschulrektorin Petra Aufter und Tagesstätten-Leiter Michael Schott arbeiten hier 30 Fachkräfte verschiedenster Professionen mit diesen Kindern – eine aufwändige, aber auch notwendige Hilfe, da diese sonst keinen Schulabschluss schaffen würden und später in der Berufswelt völlig chancenlos wären. Die Philipp-Neri-Schule und die Heilpädagogische Tagesstätte können durchaus mit Stolz nachweisen, dass ihre Arbeit sehr erfolgreich ist: Nach jedem Schuljahr konnte bisher mindestens ein Drittel der Schüler an die Heimatschulen oder weiterführende Schulen am Heimatort integriert werden – „mit Erfolg", wie Aufter betonte. Von den Schülern der Klasse 9 schaffen etliche den Hauptschulabschluss, in 2008 waren es 90 Prozent, sodass da-nach auch dem Weg in eine Berufsausbildung nichts im Wege steht.

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