In die Hose gegangen

Leere Wiese, leere Bänke, leeres Zirkuszelt – das von der Stadt organisierte „Finito-Festival“ in den Illerauen stieß vergangene Woche auf wenig Gegenliebe bei den Kemptener Abschlussschülern. Foto: Läufle

Kräftig baden gegangen ist die Stadt vergangene Woche mit ihrem „Finito-Festival“. Auf dem mit einem Zirkuszelt ausgestatteten großflächigen Gelände in den Illerauen sollten eigentlich die Kemptener Schüler ihren Abschluss feiern. Gekommen ist allerdings fast niemand. Die Schüler boykottierten die organisierten Abschlussfeten regelrecht, wollten sich das Feiern nicht vorschreiben lassen und schon gar nicht dabei beaufsichtigt werden.

Für bis zu 800 Schüler war das Gelände ausgelegt. Dass so viele kommen würden, damit hatte Thomas Baier-Regnery, Leiter des veranstaltenden Amts für Jugendarbeit, nicht gerechnet. Dass allerdings pro Tag, von Mittwoch bis Freitag vergangener Woche, nur knapp 80 bis 100 Schüler den Weg in die Illerauen fanden ist „weit unter dem, was wir erwartet haben“, gab er am Montag gegenüber dem KREISBOTEN zu. Allerdings habe es schon im Vorfeld eine klare Ablehnung gegen die von der Stadt organisierten Schulabschlussfeiern gegeben, sagte Baier-Regnery am Donnerstagnachmittag, als ich auf dem Gelände lediglich seine Crew, Sanitäter, Wasserwacht und Security-Personal aufhielten. Schüler, die ihren Abschluss feiern, waren weit und breit nicht zu sehen. „Die Jugendlichen lassen sich ihre Feier nicht vorschreiben, wollen keine Aufsicht und Kontrolle und wollen ihre Getränke selber mitbringen“, zählte er aus seiner Sicht die K.O.-Gründe für das Festival auf, das die Stadt knapp 20 000 Euro kostet. "Wie im Gefängnis" „Wir haben schon davor besprochen, dass keiner hingeht“, verriet eine Abschlussschülerin der Wittelsbacherschule. Grund dafür waren zum einen der Eintritt- und Getränkepreis und zum anderen eben, dass die Jugendlichen feiern wollen, wie sie wollen. Der Bauzaun, der das Festivalgelände eingrenzte, kam ebenfalls nicht gut an. „Das ist wie im Gefängnis.“ Den Eintritt hat der Veranstalter ab Donnerstag ausgesetzt. Ebenso wurden die Getränkepreise gesenkt. Geholfen hat das allerdings nichts. „Unser Anliegen war nicht, die Jugendlichen streng zu beaufsichtigen oder ihnen die Feier vorzuschreiben, allerdings können wir auch nicht einfach den Jugendschutz missachten“, erläuterte Baier-Regnery die Problematik. „Feiern bis der Notarzt kommt kann nicht unser Motto sein“, verdeutlichte er. Der Zaun sollte der Veranstaltung einen Rahmen geben und sei zudem eine Vorgabe für den Veranstalter gewesen, erklärte der Amtsleiter. Obwohl im Vorfeld auch mit den Schülermitverwaltungen über das Thema diskutiert wurde und mit dem „Finito-Festival“ eine Abschlussveranstaltung organisiert wurde, war die Rückmeldung deutlich: So wollen es die Jugendlichen nicht. „Wir müssen jetzt diese schmerzliche Erfahrung bilanzieren und überlegen, was man stattdessen macht“, sagte Baier-Regnery. Wichtig sei, dass die Diskussion jetzt mit allen Beteiligten weitergeht. Man müsse versuchen, den „gordischen Knoten“ zu lösen. Hinter einem Konzept in diese Richtung steht auch die Kemptener Polizei weiterhin. „Wir haben es schon begrüßt, dass mit dem 'Finito-Festival' ein erster Anstoß gemacht wurde“, sagte Karl-Heinz Schader am Montag gegenüber dem KREISBOTEN. Wie sich das weiter entwickeln wird, werde die Nachbereitung ergeben. Insgesamt verliefen die Abschlussfeiern aus polizeilicher Sicht normal. Richtig eingreifen mussten die Beamten nur in der Nacht zum Mittwoch der vergangenen Woche am Öschlesee in Sulzberg. Dort hatten sich rund 150 Abschlussschüler getroffen. Zwei Jugendliche mussten sturzbetrunken vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden. Ansonsten feierten die Jugendlichen relativ friedlich am Öschlesee und am Herrenwieser Weiher.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Entwurf der neuen Autobahnbrücke vorgestellt

Kempten – Deutlich auffälliger als bisher wird die neue Zeppelinbrücke über der A7, Höhe Ursulasried, gestaltet sein. Mit einem oberliegenden …
Entwurf der neuen Autobahnbrücke vorgestellt

Kommentare