Knapp 65 Meter hoher Hotel- und Büroturm am Berliner Platz geplant

"Es verändert das Stadtbild"

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So soll nach der Vision von Investor Walter Bodenmüller die künftige Bebauung zwischen Keck-Kapelle und Soloplan-City am Berliner Platz aussehen.

Kempten – Bislang war das Bauvorhaben lediglich Gegenstand im Gestaltungsbeirat sowie im Bauausschuss – jeweils im nichtöffentlichen Teil der Sitzungen. Anfang der Woche nun ist Investor Walter Bodenmüller offensiv an die Stadtratsfraktionen und die Medien herangetreten, um für seine Pläne zu werben: Ein knapp 65 Meter hoher Hotelturm mit Wellness-Bereich und wenigen Büros, daneben ein Komplex für betreutes Wohnen und ein in weiten Teilen öffentlich zugänglicher Park zwischen Keck-Kapelle und Soloplan-City am Berliner Platz.

Möglich sei die Investition wegen der niedrigen Zinsen, erklärte Bodenmüller im Gespräch, warum es eine zeitlich drängende Anfrage sei. Rund 200 Zimmer sind laut Bodenmüller geplant, im Segment drei Sterne bis vier Sterne Superior, was in Kempten bislang noch fehle. Zwischen 40.000 und 50.000 mehr Bustouristen schätzt er damit in die Stadt locken zu können, ebenso Wellness-Touristen, für die vom Schwimmteich bis zum Fitnessbereich einiges bereit stehen soll. Nur eine untergeordnete Rolle soll der Tagungsbereich spielen. Neben Hotelzimmern schweben Bodenmüller auch Business-Appartements vor. Der Turm bildet das Zentrum zwischen Keck-Kapelle, die sich direkt neben dem stattlichen Bau wie eine kleine Miniatur ausnimmt, und dem neu geplanten, sechsgeschossigen Komplex für Betreutes Wohnen. Circa 60 bis 80 „etwas gehobenere“ Wohnungen in einer Größenordnung von 30 bis 80 Quadratmetern sollen dort entstehen. „Es ist sicher eine der schönsten Lagen, die es in Kempten derzeit zum Bebauen gibt“, sieht Bodenmüller ein höheres Segment hier für gerechtfertigt.

Rund 6000 Quadratmeter gehen, laut Investor, von den insgesamt rund 24.000 Quadratmetern als Baufeld weg. Der Rest bleibe „Grünfläche“, zum großen Teil auch öffentlich. Aus Sicht Bodenmüllers sind Anziehungspunkt Turm und öffentliche Grünfläche für die Keck-Kapelle die Chance „besser in Szene“ gesetzt zu werden. Mit 250 Tiefgaragenstellplätzen sowie rund 100 oberirdischen soll für ausreichend Parkraum gesorgt werden. Die Hauptzufahrt bleibe von der Kaufbeurer Straße aus, wobei es in der Stadtplanung „Gedanken gibt, die Kaufbeurer Straße komplett verschwinden zu lassen“ – wohlgemerkt „nur Gedanken, keine Planungen“, betont Bodenmüller.

Etwas enttäuscht zeigte er sich von den „schwachen Aussagen“ des Gestaltungsbeirats, der die Entscheidung letztendlich dem Stadtrat überlasse, was dem Investor nicht unrecht zu sein scheint, denn „schließlich ist er vom Bürger dafür gewählt“. Seine Haltung ist klar: „Wenn der Stadtrat nicht dahinter steht, dann eben nicht.“ Ein öffentliches Mitspracherecht wie seinerzeit am Hildegardplatz wolle er keinesfalls. Änderungen an den Bauwerken sowie an deren Höhe werde es jedenfalls keine geben. Lediglich bei der Fassaden- und Grün- flächengestaltung lasse er mit sich reden. Noch vor der Sommerpause will er das Vorhaben durch den Stadtrat bringen. Wie OB Thomas Kiechle auf Nachfrage meinte, sei auf der Fläche „grundsätzlich eine Bebauung möglich“, ein Baurecht müsse aber „erst geschaffen werden“. Vieles spreche aus seiner Sicht dagegen, aber auch dafür. Unter anderem müsse man überlegen, welche Wirkung der von allen Seiten wahrnehmbare Turm habe. „Es verändert das Stadtbild.“ Am Ende sei es eine politische Entscheidung, bei der auch geschaut werden müsse, ob es „eine solitäre Sache“ sein soll oder städteplanerisch „eine Weiterentwicklung gewünscht ist“.

Christine Tröger

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