Hutkönigin lebt Liebe zum Hut

Marita Prestel ist die aktuelle Deutsche Hutkönigin. Die Modistin entdeckte schon früh ihre Leidenschaft für das Kleidungsstück Hut. Foto: fa/cut

Einmal königliche Hoheit sein – ein Traum vieler. Für Marita Prestel aus Kempten ist er in Erfüllung gegangen. Sie ist seit Mai 2012 für zwei Jahre Deutsche Hutkönigin. Das Amt macht ihr sehr viel Spaß. Vor allem auch, weil sie dadurch ihr Handwerk repräsentieren und für den Hut Werbung machen kann. Marita Prestel ist Modistin und Hüte sind ihre Leidenschaft.

„Das fing schon in meiner Kindheit an“, erklärt sie. „Ich war immer an Mode interessiert.“ Ursprünglich wollte sie Schneiderin werden. Ein Stadtbummel mit ihrer Mutter brachte die Wende. Vor einem Hutgeschäft stellte Mama fest: „Modistin ist auch ein schöner Beruf.“ In diesem Geschäft hat Marita Prestel dann einen Schnuppertag verbracht und gleich gespürt: Das ist die richtige Aufgabe für mich. „Der Beginn meiner Hutleidenschaft war 1983“, erinnert sie sich. Damals war sie 14 Jahre alt und hat einen roten Filzhut gesehen, in den sie sich sofort verliebt hatte. 14 Mark hat das gute Stück gekostet. „Das war ein Vermögen für mich“, stellt sie fest, „aber ich konnte nicht widerstehen.“ Und dann war da auch noch Lady Di. „Die hat richtig frischen Wind gebracht mit ihren Hüten und Headpieces.“ Deshalb hat sie alle Bilder von ihr gesammelt und die Kopfbedeckungen zum Teil nachgearbeitet. Und so entstand der Wunsch, als Modistin nach London zu gehen. Nach der Lehre hat sie sich dort beworben und auch tatsächlich eine Stelle bei Frederic Fox, dem königlichen Hofhutmacher bekommen. Bevor sie ins britische Königreich zog, machte sie allerdings noch Urlaub im Allgäu. Das war verhängnisvoll, denn hier lernte sie die Liebe ihres Lebens kennen: Ihren Mann Bernd, mit dem sie bis heute verheiratet ist. „Da habe ich dann Augsburg London vorgezogen.“ Jedes Stück ein Unikat Seit 24 Jahren arbeitet sie inzwischen in der Fuggerstadt im „Hutsalon am Dom“. In dem Atelier gibt es nur von Meisterhand gearbeitete Hüte. „Das Tolle an der Arbeit dort ist, dass man nichts in Serie macht.“ Jedes Stück ist ein Unikat. „Oft kommen Kundinnen mit einem Kleid und Schuhen und wollen dazu einen passenden Hut haben“, berichtet die Modistin. Manchmal brächten sie auch Fotos einer Prominenten mit und möchten den gleichen Hut. „Wenn sie bei der Anprobe dann merken, dass ihnen die gewünschte Kreation nicht steht, wird gemeinsam die optimale Kopfbedeckung ausgearbeitet.“ 1991 hat Marita Prestel die Meisterprüfung abgelegt. Inzwischen ist sie auch bei Gesellenprüfungen im Prüfungsaus- schuss. Dass sie sich zur Wahl als Hutkönigin gestellt hat, ist das Verdienst ihrer Tante, die in Waltenhofen wohnt. Ins Casting sei sie ziemlich blauäugig gegangen, ohne Ahnung, was da auf sie zukommt. Bei ihrem ersten Auftritt am Waldsee habe sie vorher lange überlegt, wie sie es macht und was sie sagt. Dann hat sie sich entschlossen, einfach spontan und sie selbst zu sein. „Alles andere wäre für mich nicht richtig.“ Am Tag nach der Wahl hatte sie gleich einen Auftritt in Iffezheim beim Pferderennen. Dort ist ohne Kopfbedeckung kein Einlass. Ein Hut ist für sie mehr als ein Accessoire. Es ist ein Kleidungsstück, das Zeichen sendet. „Man erlebt noch heute etwas, wenn man Hut trägt.“ Man(n)/ Frau wirke größer und habe automatisch eine andere Haltung, erklärt sie. Und dann berichtet sie mitreißend über die Geschichte der Kopfbedeckungen. Und da diese Geschichte sie begeistert, findet sie auch das Lindenberger Hutmuseum klasse. Und auch die Stadt und das Umland und: „Die Menschen sind aufgeschlossen und trotzdem traditionsverbunden, natürlich und unkompliziert.“ Familie, Beruf und Repräsentation unter einen Hut zu bringen bedarf einer guten Organisation. Aber sie hat viel Spaß daran. Die Familie findet ihren neuen „Nebenberuf“ prima und auch die Freunde haben sich mit ihr über die Wahl gefreut. Entspannung findet Marita Prestel in der Musik (sie singt in einem Chor, spielt Tenorflöte und Cello) und beim Joggen.

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