Viel geboten

Tag des offenen Denkmals voller Erfolg

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Beeindruckende Spray-Arbeit in der Unterführung beim Hauptbahnhof, der „Hall of Fame“.

Kempten – Mit „Farbe“ war der diesjährige bundesweite Tag des offenen Denkmals überschrieben. Ein Moto, das auch in Kempten zahlreiche Menschen an die insgesamt sechs Orte des Geschehens lockte.

Geschichte und Gegenwart verband sich quasi von selbst in der Galerie „kunstreich“ des Künslervereins „artig“. Dort gab es in der farbenfrohen laufenden Ausstellung „Salon des Refusés“ (der Kreisbote berichtete) Führungen zum Thema „Kunst statt Kapital“ sowie Führungen zur „lückenhaften“ Geschichte, wie artig-Vorsitzender Stephan Schmid meinte, des gotischen Hauses, in dem im 16. Jahrhundert Münzen geprägt wurden. Da im 30-jährigen Krieg „die Hälfte der Stadt heruntergebrannt ist“, würden eben viele Unterlagen zur Geschichte fehlen. Auf großes Interesse stießen seine Ausfüh- rungen zum früheren Verlauf der Iller. Zweifel bekundete Schmid bei dieser Gelegenheit an der 2000-jährigen Geschichte Kemptens, die „nie belegt wurde“. Denn die vom antiken Geschichtsschreiber Strabo beschriebene Stadt „wurde nie gefunden“, wie er bemerkte. „Als kommunaler Zweckbau“ im 15. Jahrhundert auf sumpfigem Gelände erbaut und das auch noch mit so genannten „Bachkatzen“ – Steine aus der Iller, „die ja Jahrtausende Feuchtigkeit im Flussbett gezogen haben“ – ist die Feuchtigkeit noch immer sicht- und spürbar, wenngleich Gegenmaßnahmen auch Besserung gebracht haben. Kaum zu glauben, dass diese Gemäuer noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Wohnhaus genutzt worden war. Zu den erhaltenen historischen Kleinoden zählt unter anderem eine Bretterlatten-Holzdecke mit Kleeblattfriesen aus dem 15. Jahrhundert.

In einer Sonderausstellung wurde das Motto „Farbe“ im Beginenhaus thematisiert. Der Fokus lag auf sicher oftmals gar nicht bewusst wahrgenommenen Fassaden- und Wandmalereien, die in Kempten zu finden sind. Auch hier bot das Haus selbst wieder neues Entdeckungspotential und viele Besucher nahmen an den Füh- rungen teil.

„Live dabei“ war man in der „Hall of Fame“ oder schlichter: in der Unterführung zum Kemptener Hauptbahnhof. Dort ließen die Sprayer Marcel aus St. Mang, Dominik aus Sonthofen, Konstantin aus Oberstaufen und Tobi aus Thingers die vier berühmten Präsidentenköpfe entstehen, die im Original in Mt. Rushmore/USA in Stein gehauen posieren. Künstlerische Freiheiten waren natürlich erlaubt und so erhielten die vier Köpfe quasi eine „Frischzellenkur“ aus der Spraydose. Beeindruckend!

Proppenvoll war es in der Keck-Kapelle, wo Michael Kennerknecht deren Geschichte erzählte und dabei die Secco- malereien – „auf trockenem Putz“, Freskomalerei dagegen auf nassem, wie er aufklärte – sowie die verschiedenen Farbfassungen der Fassade in den Mittelpunkt stellte. Bei den seit 2008 andauernden Außenrenovierungen wurden laut Kennerknecht bis zu sechs verschiedene Fassungen der Farbschicht nachgewiesen. Um „Farbe“ ging es ebenfalls in der Sankt-Lorenz-Basilika und dem Ponikauhaus.

Christine Tröger

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