Firmen siedeln sich woanders an

Die Kritik wird lauter

Kempten – In einer E-mail an das OB-Büro, die Stadtverwaltung und die Kemptener Stadträte hat Immobilienmakler Thomas Wirth vergangene Woche seinem Ärger über das Kemptener Einzelhandelskonzept Luft gemacht.

In dem Schreiben, das er als „Denkanstoß” bezeichnet, kritisiert er vor allem die fehlende Flexibilität der sogenannten Kemptener Liste.  Hintergrund ist, dass die Firma Blattner in Wiggensbach bleibt anstatt nach Kempten umzuziehen. Das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung sieht sich dagegen bestätigt.

Laut Wirt habe die Wiggensbacher Firma, Hersteller und Verkäufer vor allem von Tier- und Vogelfutter, ernsthaftes Interesse an einem Umzug auf das Gelände des ehemaligen „Grünlandwerks” gehabt. Demzufolge sollten 600 der insgesamt 6000 Quadratmeter als Verkaufs- und Ausstellungsfläche genutzt werden. Da die vorgesehenen Produkte aber auch in der „Kemptener Liste” enthalten sind, habe das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung den Plänen mehrmals ablehnend gegenüber gestanden. Dabei seien die Produkte der Firma in keinster Weise innenstadtrelevant. „Welcher Händler steht zum Beispiel mit Schildkrötenfutter in Konkurrenz?” fragt Wirt. Mittlerweile habe Blattner ein Grundstück in Wiggensbach gekauft „und siedelt sein Vorhaben eben nicht in Kempten an”, schreibt Wirth. „Jedes Mal wurde der Ansiedlungswunsch vor dem Hintergrund der Liste nicht begleitet und das macht mich als Bürger, Steuerzahler und Urkemptener nachdenklich”, so Wirth weiter.

Dr. Richard Schießl, Leiter des zuständigen Referats 1, bestätigte in seiner Antwort-Mail und auch gegenüber dem KREISBOTEN die Absicht des Unternehmens, in das „Grünlandwerk” einzuziehen. Allerdings habe es sich dabei um eine allgemeine Anfrage und keinen konkreten Antrag gehandelt. „Unter Hinweis auf unser Einzelhandeskonzept haben wir darauf hingewiesen, dass Einzelhandel mit dem geplanten Sortiment und den gewünschten Verkaufsflächen am Standort an der Kürnacher Straße im Widerspruch zu unserem Einzelhandelskonzept steht”, schreibt Schießl. Das Konzept liefere eine „verlässliche Planungs- und Handlungsgrundlage” für alle. „Vor diesem Hintergrund konnte von der Wirtschaftsförderung keine andere Bewertung bzw. Aussage erfolgen.”

Gegenüber dem KREISBOTEN verwies Schießl auf die jüngsten Erfolge wie etwa die Wiederbelebung der nördlichen Bahnhofstraße oder des Freudenbergs. Und die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen in der Innenstadt sei groß. Das gelte aber auch für Flächen außerhalb, die deutlich günstiger seien. „Fast im wöchentlichen Rhythmus müssen wir diesen Interessenten unter Hinweis auf unser Einzelhandelskonzept und die entsprechenden Beschlüsse des Stadtrats sagen, dass ihr Vorhaben keine Aussicht auf Erfolg hat”, berichtete Schießl. „Einkaufen gehört in die Innenstadt oder die Nahversorgungszentren”, betonte er.   Matthias Matz

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