Zwischen Leutkirch und Altusried entsteht einer der größten Ferienparks

Ein Tropenparadies im Allgäu

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1000 Ferienhäuser sollen auf dem 184 Hektar großen Areal entstehen.

Altusried/Leutkirch – Bis Ende 2018 soll auf dem rund 184 Hektar umfassenden Areal des ehemaligen Munitionsdepots zwischen Leutkirch und Altusried einer der größten Ferienparks Deutschlands entstehen: der Center Parcs Allgäu. Nun nimmt das 255 Millionen Euro teure Megaprojekt Fahrt auf. Den Bürgern aus Leutkirch und der Region bot sich am vergangenen Dienstag die Gelegenheit, sich umfassend über den derzeitigen Sachstand zu informieren und den Verantwortlichen Fragen zu stellen.

Wie groß das Interesse an dem länderübergreifenden Projekt ist, das sowohl auf baden-württembergischer wie auf bayerischer Flur liegt, zeigte der enorme Besucherandrang in der Leutkircher Festhalle, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle, Frank Daemen (Geschäftsführer Center Parcs Deutschland und Vorstandsmitglied Center Parcs Europe), Dim Hemeltjen (Gesamtprojektleiter M2Leisure), Susanne Forstner (Eberhard & Partner GbR) und Wolfgang Schramm (GSS Landschaftsarchitekten) gaben einen Einblick in den aktuellen Stand der Planungen und informierten über die derzeit laufenden Arbeiten.

Doch bevor mit dem Bau begonnen werden kann, müssen zuerst die Altlasten des ehemaligen Munitionsdepots beseitigt werden. Wie Dim Hemeltjen berichtete, erfolgte als Voraussetzung zur Kampfmittelräumung Mitte März der Unterholzfreischnitt auf 127 Hektar Gelände. Seit Ende März wird das Areal systematisch von einer nach dem Sprengstoffgesetz zugelassenen Kampfmittelräumfirma flächig abgesucht. Die Aktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, ebenso wie der Rückbau der Wehrmachtsruinen, damit im Herbst mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. „Ich habe schon mehrere Center Parcs realisiert, aber noch keinen entmilitarisiert“, erklärte Hemeltjen die Herausforderung.

Durch die vorherige Nutzung des Geländes halten sich somit auch die Eingriffe in den Naturhaushalt in Maßen. Susanne Forstner, zuständig für die umweltfachlichen Bereiche des Projektes, legte die bereits umgesetzten und noch anstehenden Maßnahmen im und außerhalb des Parks dar, wie beispielsweise die Wiedervernässung im Finkenmoos, die Aufhängung von Vogelnisthilfen und Fledermauskästen oder die Aufwertung des Wildkorridors östlich vom Urlauer Tann. „Die Ersatzaufforstungen reichen weit über die Stadtgrenzen hinaus“, so Forstner. Auf dem Gelände gebe es jede Menge Wald und Wasser und es gehe darum, diesen Park dort einzubetten, sagte Landschaftsarchitekt Wolfgang Schramm, der ebenfalls den Center Parcs im Saarland baute. „Hier soll ein Naturerlebnis generiert werden“, so lautet die Vision Schramms. Auf einer Fläche von 258 Fußballfeldern sollen in zweijähriger Bauzeit architektonisch 1.000 Ferienhäuser, ein Zentralkomplex, verschiedene Restaurants, ein 6.500 Quadratmeter großes Schwimmbad mit Rutschen und Kletterfelsen und vieles mehr in die natürliche Umgebung eingebunden werden. Und die gesamte Ferienparkanlage wird dazu autofrei.

Dass die Leutkircher und Altusrieder dem Projekt durchwegs positiv gegenüber stehen, bewies die anschließende Fragerunde, die sich hauptsächlich um die Verkehrsanbindung, die medizinische Versorgung der Gäste oder die Barrierefreiheit im Park drehte. Auch die Müll- und Abwasserentsorgung sowie der Wasserverbrauch beschäftigten eine Bürgerin, da durch die Ansiedlung von Center Parcs Allgäu eine neue Ortschaft mit 5000 Einwohnern entstehe. Dies stelle nach Aussage von Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle aber kein Problem dar, da die Kläranlage genügend Kapazitäten aufweise und Leutkirch eine der wasserreichsten Gegenden sei. Anwohner befürchten während der Bauzeit ein hohes Verkehrsaufkommen und zusätzlichen Baulärm auch während der Nacht. Die Bauherren versicherten, es werde weder Nachtarbeit noch Sonn- oder Feiertagsarbeit geben. Sie versprachen, sich mit den Anliegern zusammenzusetzen, um eine gute Lösung während der Bauzeit zu finden. Und auch die Frage nach der regionalen Wertschöpfung kam zur Sprache. „Das war für uns eine ganz zentrale Frage. Hierbei sind Kooperationen mit Center Parcs geplant“, sagte Henle. „Die Center Parcs haben 50 bis 60 Prozent wiederkehrende Gäste und wir möchten auch, dass der Gast in die Region geht“, erklärte Frank Daemen. Außerdem werde es regionale Produkte zum Kauf und zum Verzehr geben. „Wir werden Sie auch in Zukunft weiterhin über den Projektstand auf dem Laufenden halten“, versprachen die Projektverantwortlichen zum Abschluss des äußerst informativen Abends.

Eine weitere öffentliche Infoveranstaltung findet am Dienstag, 7. Juni, um 20 Uhr in der Festhalle Frauenzell statt.

Center Parks Allgäu

Fläche:  184 Hektar

Investition: 255 Millionen Euro

Ferienhäuser: 1000

Kapazität: 2 bis 12 Personen

Bettenzahl: 5000

Gästezahl: bis 350.000/Jahr

Übernachtungen: über 1 Million/Jahr

Weitere Bebauung: Market Dome, Spa & Country Club, Schwimmbad, Wasserflächen, Freizeiteinrichtungen, Straßen, Wege, Parkplätze

Michaela Breuninger

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