Interessante Entdeckungen

Zu einem Schabernack hatte sich ein Besucher der Kunstausstellung von Corinna Theurings „Halt“ inspiriert gefühlt und den – zu diesem Zeitpunkt noch intakten - kleinen Erdenbürger kurzerhand mit seinem Meterstab in einen „Männeken Piss“ verwandelt. Foto: Tröger

Frisch und einladend empfängt einen die Kunstausstellung im Rahmen der Festwoche beim Betreten des Hofgartensaales. Insgesamt eher unaufgeregt, fallen auch die Einträge im Gästebuch entsprechend „brav“, Kommentare während des Besuches milde aus. Farbenfrohes setzt Akzente zwischen gedeckt gehaltenen Farben. Kritische Inhalte entbehren meist der oft düsteren Perspektivlosigkeit vergangener Jahre. Witzige Ideen lassen erkennen, dass sich manch Künstler selbst und auch die (Kunst-)Welt nicht so bierernst nimmt.

In ihrer Gesamtheit sind die 98 Werke aus den Sparten Malerei, Plastik/Skulptur, Fotografie, Grafik und Installation zwar nicht gerade aufreibend oder spektakulär. Dennoch gibt es bei jeder Stilvorliebe interessante Entdeckungen zu machen. Zur Fraktion der amüsanten und zudem gut umgesetzten Ideen zählen unter anderem die „VIERTELVOLLEROLLEVOLLERROLLBILDER“ von Uwe Neuhaus sowie die KunstSpendeMaschine“ von Barbara Wolfahrt. Letztere hat die Rolle eines Papierhandtuchspenders mit Bildern bedruckt – für Besucher zum Abreißen und mit nach Hause nehmen. Eine etwas „gewöhnungsbedürftige“ Auffassung beziehungsweise Vermischung bayerischer Lebensart hat Krešimir „Crash“ Vorich in seinem Ölgemälde „St. Georg reitend auf einer Weißwurst tötet das zweiköpfige Brezelmonster“ umgesetzt. Knapp auf den Punkt gebracht hat Bernd Henkel das Brandthema TEPCO und Fukushima mit einem Paar Gummistiefel – „’Safety Boots’ Todsichere Technologie“ – aufgegriffen. An „wie zuhause“ mag sich mancher Besucher erinnern, während er die Fotografie „What a difference a day makes“ von Hedy Hahn betrachtet: Neun Mal die gleiche Kaffeetasse mit unterschiedlichen Gebrauchsspuren nach dem Kaffeegenuss. Gelitten hat mittlerweile die zweiteilige Installation „Halt“ im Residenzhof von Corinna Theuring. Von dem ehemals überdimensionalen Hasen mit gegenüber stehendem Kleinkind ist nur mehr das sitzende Tier übriggeblieben – mit einem zudem lädierten Ohr. Wie zu erfahren war, handelt es sich um keine „Kindsentführung“. Die Figur war schlicht kaputt gegangen und deshalb entfernt worden. Bis zum 11. September noch ist die Ausstellung im Hofgartensaal der Kemptener Residenz täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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