"Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt"

BSG feiert 110-jähriges Jubiläum

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Sind stolz auf das 110-jährige Bestehen der BSG-Allgäu: (v.l.) Vorstand Mario Dalla Torre, Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Schiek, Vorständin Tanja Thalmeier und Manuel Burkart, Assistent der Geschäftsleitung.

Kempten – Am 10. April 1906 schlossen sich 20 beherzte Kemptener Bürger zusammen, um den „Bau- und Sparverein Kempten und Umgebung“ zu gründen. Dieser machte es sich zur Aufgabe, die akute Wohnungsnot mit bezahlbarem Wohnraum zu lindern. Heute, 110 Jahre später, hat sich die „Bau- und Siedlungsgenossenschaft Allgäu eG“, wie sie seit 1971 heißt (kurz: BSG Allgäu) zur größten aller 330 Wohnungsgenossenschaften in Bayern entwickelt – einer Genossenschaft mit Vorbildcharakter.

„Im Zuge der Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts zogen viele Menschen auf der Suche nach Arbeitsplätzen in die Ballungszentren. Doch dort herrschte Wohnungsnot. Das galt auch für Kempten“, erläutert Herbert Schiek, Aufsichtsratsvorsitzender der BSG-Allgäu, die Hintergründe, die zur Entstehung der Wohnungsgenossenschaft führten. Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung hatte diese 1908 ihr erstes Projekt bezugsfertig erstellt: Die „Alte Kolonie“ in der Duracher Straße.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte widmete sich die Genossenschaft mit großem Engagement dem Sozialen Wohnungsbau, dem Neubau und der Pflege von Genossenschaftswohnungen sowie vielfältigen Aktivitäten auf dem Wohnungseigentumsmarkt. Heute bewirtschaftet die BSG-Allgäu insgesamt 6275 Wohnungen (2035 davon sind eigene genossenschaftliche Mietwohnungen mit einer Durchschnittsmiete von 4,95 Euro/Quadratmeter), zählt rund 3800 Mitglieder und ist Arbeitgeber für rund 100 Menschen in der Region. Die jährliche Dividendenausschüttung an die Mitglieder liegt bei vier Prozent. „Die genossenschaftlichen Wohnungen sind nicht nur sehr preisgünstig, sondern die Mieter genießen als Anteilseigner auch eine eigentümerähnliche Stellung“, so Vorständin Tanja Thalmeier. „Wenn keine kruden Verstöße vorliegen, können sie sich sicher sein, dass sie lebenslang in einer gut instand gehaltenen Wohnung bleiben können.“

Seit circa einem Jahr kümmert sich sie BSG zudem im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Stadt Kempten um die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in 65 Wohnungen (der Kreisbote berichtete). „Für uns eine Frage der Menschlichkeit“, so Thalmeier weiter. „Wir haben von Anfang an soziale Verantwortung getragen und den Menschen in den Mittelpunkt unseres täglichen Handelns gestellt – nicht das Kapital“, betont auch Schiek.

Das vorbildliche soziale Wirken der BSG Allgäu bleibt nicht unbemerkt. Der Direktor des Verbandes Bayerischer Wohnungsunternehmen e.V. München (VdW Bayern) schrieb anlässlich des Firmenjubiläums: „Mit zunehmender Größe und Investitionskraft hat die BSG-Allgäu ihre wohnungswirtschaftlichen Aktivitäten weit über Kempten hinaus ausgedehnt – zum Wohle vieler Menschen im ganzen Allgäu. Ob gute, bezahlbare Genossenschaftswohnungen oder erschwingliches, familiengerechtes Wohneigentum – auf die BSG-Allgäu konnten sich ihre Mitglieder und Kunden stets verlassen.“

Momentan liegen der BSG Allgäu 1040 Wohnungsanfragen und 150 Anfragen für genossenschaftliche Reihenhäuser vor. Um dieser großen Nachfrage Rechnung zu tragen, sind derzeit insgesamt um die 200 Häuser und Wohnungen im Bau. „Um auch weiterhin preisgünstigen Mietwohnraum schaffen zu können, wird die BSG in Zukunft im Bauträgergeschäft verstärkt aktiv sein. Nur durch die dabei erwirtschafteten Überschüsse können wir das Vermietungsgeschäft bezuschussen. Denn die reinen Mieteinnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die Kosten abzudecken“, erklärt Vorstand Mario Dalla Torre.

Spende statt Fest 

Dass die Verantwortung der Genossenschaft nicht an der Wohnungstür aufhört, belegt auch die Tatsache, dass diese anlässlich des Jubiläums für jedes Jahr ihres Bestehens 1000 Euro – also 110.000 Euro – an örtliche Vereine spendet, die sich für das Gemeinwesen engagieren. Dalla Torre erklärt: „Anstelle eines großen, teuren Festes möchten wir uns so für deren großen Einsatz für das Gemeinwohl bedanken.“

Sabine Stodal

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