16 Jahre im Dienst der Menschen

Wie sie knapp 16 Jahre lang in Kempten gewirkt hatten, war auch der Abschied des Pfarrerehepaares Marlies und Ulrich Gampert: menschlich, warmherzig, sympathisch. Fotos: Tröger

Kalt war es vergangenen Sonntag draußen. Das Innere der St.-Mangkirche aber war erfüllt von menschlicher Wärme, von Sympathie, von Freundschaft und Bewunderung für das Pfarrerehepaar Marlies und Ulrich Gampert, das nach knapp 16 Jahren im Dienst der Gemeinde – oder in diesem Fall sicher treffender: der Menschen – und der Ökumene, verabschiedet wurde. „Wir haben null Bock Euch ziehen zu lassen“, fand Dekan Jörg Dittmar die direktesten Worte für das, was bei allen Rednern deutlich wurde.

Der Abschiedsgottesdienst jedenfalls geriet doch etwas anders, als Pfarrer Gampert ihn eingangs angekündigt hatte: „Wir singen und beten und hören auf das Evangelium“, in der Hoffnung, dass es uns stärke – also „alles wie sonst“. Prinzipiell ja nicht falsch, nur, dass es ein zweieinhalbstündiger Abschiedsgottesdienst wurde, mit Posaunenchor, Orgel, Chor, Popband – eine beeindruckende Leistung von Kirchenmusikdirektor Frank Müller –, mit rund 800 Menschen, die „Auf Wiedersehen“ sagen wollten, mit weltlichen und kirchlichen Ehrengästen und einer heiter-humorvollen Note. In einer leidenschaftlichen Predigt vergegenwärtigte Marlies Gampert die zentrale Bedeutung der Gemeinde als „eine Dynamik zwischen Menschen“, die viel mehr als Sympathie sei. Ihre Aufgabe sei, dafür zu beten, „dass Gott uns die Tür aufmacht“ und damit Verkündigung erst zu ermöglichen. Die, die „draußen stehen, sollten wir niemals draußen lassen“, hielt sie von Ausgrenzung ebenso wenig wie von nur einem „frommen Bibelspruch“ in schwierigen Situationen. Denn da fehle das im Kolosserbrief geforderte „Salz“ in der freundlichen Rede, das für sie „ein persönliches Bekenntnis“ sei. Im „Wort“ lag für sie tiefgreifende Bedeutung, nicht nur, weil „kein Mensch mit Gott reden kann“, wenn dieser ihn nicht zuerst berühre. Werde einer nicht mehr angesprochen, vereinsame er; spräche man nicht mehr miteinander, „zerbricht die Beziehung“, oder wie gut tue das richtige Wort zur richtigen Zeit. „Das Wort ward Mensch und wohnt unter uns“, wies sie auf die „wohl kürzeste Weihnachtsgeschichte der Welt“ hin. Und ohne das Wort „Ja“ könne zwar niemand von uns leben, aber „wer kann denn wirklich ganz ‚Ja’ zu sich sagen?“ sah sie eine unserer Aufgaben darin, trotz aller Schwächen dem „’Ja’ eine Chance zu geben“; bei sich selbst und bei allen anderen, so wie auch Gott „Ja“ zu uns sage. „Dieses ‚Ja’ Gottes sollten wir niemals in Frage stellen, weil es das ist, was bleibt, wenn alles zerbricht“, mahnte sie. Im Bekenntnis „Ja“ sah sie auch die von Brautpaaren ausgehende Faszination, ein Symbol für Gemeinde. Mit einer „Zahlen-Jonglage“ beeindruckte Dekan Jörg Dittmar, der unter anderem über die 16 Jahre Pfarrtätigkeit in Kempten, den Gampert’schen – mit den Kindern Christian, Susanne und Antonia – fünf Personenhaushalt oder „die drei Dekane, die Ihr überlebt habt“ auf die Postleitzahl von Immenstadt kam, der neuen Heimat und Arbeitsstätte des Pfarrerehepaares. An vielen Stellen habe er Ulrich Gampert „bewundert“, der für ihn die „Verwirklichung der Seligpreisung- en“ sei. Er erinnerte an die „liebevolle Gestaltung von Gottesdiensten“, an hunderte von Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Konfirmationen oder auch an den leidenschaftlichen Einsatz für die Ökumene des Pfarrerehepaares. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der sein Amt, wie die Gamperts ihres, 1996 angetreten hat, bestätigte deren immer offenes Ohr, ihr Verständnis und „Nähe zu den Menschen“. Der brandneue Stadtpfarrer von St. Lorenz, Dr. Bernhard Ehler, bedauerte, „dass wir nur eine gemeinsame Woche hatten“, nach allem was er über das „gute Miteinander gehört“ habe. Gelassener sah den Abschied Michael Edenhofer von der Alt-Katholischen Gemeinde, der gleich ein Wiedersehen in Immenstadt ankündigte, „weil wir da eine kleine Filiale haben“. Im Zusammensein mit dem Ehepaar habe er immer gespürt, dass „wir eine geschwisterliche Kirche sind“, so Edenhofer. Jens Cleve, Regionalsprecher des Dekanatsbezirks Kempten, erinnerte sich unter anderem auch gern an die Gamperts als „fröhliche und hilfreiche Zeitgenossen“. Bevor sich das scheidende Pfarrerehepaar ins Getümmel des anschließenden, fröhlichen Abschiedsfest auf dem St.-Mangplatz stürzen konnte, verabschiedete es weit über hun- dert Menschen – ganz persönlich und mit Handschlag.

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