140 Jahre Dienst am Nächsten

Sogar Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kiel-Russee (vorne), Partnerwehr der Kemptener, waren anlässlich der Feier am Sonntag nach Kempten-Neuhausen gekommen. Foto: fk

Am 15. August 1872 entschlossen sich 55 mutige Männer, ihren Mitbürgern bei Bränden und anderen Gefahren zu helfen. Sie gründeten die Freiwillige Feuerwehr St.-Lorenz. Heutzutage ist die Einsatztruppe für den Kemptener Norden zuständig. Die Feuerwehr gilt mit 76 aktiven Mitgliedern als größte Löschgruppe im Stadtgebiet. Am Sonntag feierte der Verein mit einem Gottesdienst das 140-jährige Bestehen im Feuerwehrhaus Neuhausen.

Sogar aus Kiel kamen die Gäste. Uwe Maas, Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Kiel-Russee, war mit mehreren Kameraden angereist. Seine Truppe ist die Partnerfeuerwehr der Kemptener. Die Heiligkreuzer Vereine und verschiedene Feuerwehren Kemptens und des Landkreises Oberallgäus zogen mit ihren Fahnenabordnungen in das Festzelt ein, das an das Gerätehaus angebaut war. „Dieses Jubiläum ist doch ein wahrer Grund für den Stadtteil Heiligkreuz, mit Gästen und Ehrengästen zu feiern“, sagte Pfarrer Josef Herz. Während des Gottesdienstes sangen die Gläubigen Lieder aus der Deutschen Messe von Franz Schubert. Diakon Ralf Eger, der auch aktives Mitglied der Feuerwehr St.-Lorenz ist, las das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Lukasevangelium vor. „Unser Ziel als Feuerwehr ist es, Leben zu erhalten und zu schützen“, erklärte er in seiner Ansprache. Das beginne schon mit der Ausbildung. „Wir organisieren unseren Alltag so, dass wir bei einem Alarm schnell am Gerätehaus sind.“ Gute Kameradschaft Es sei eine große Belastung für die Feuerwehrleute, wenn man nicht mehr Leben retten kann, sondern nur noch das Bergen der Toten bleibt. „Wir können nicht Leben geben. Das kann nur Gott“, verdeutlichte der Diakon. „Ich finde, die Vorstellung vom ewigen Leben kann Mut machen, wenn man bei einem Verkehrsunfall oder hinter einer verschlossenen Wohnungstür auf den Tod trifft.“ Um das ewige Leben zu erhalten, solle man handeln wie der barmherzige Samariter. „Wir müssen anderen ohne Ansehen der Person helfen. Auch dann, wenn das eigene Leben oder die Gesundheit in Gefahr sind. Wir müssen helfen, auch wenn sich andere darüber lustig machen.“ Wer so handele, sei dem ewigen Leben eine ganzes Stück näher gekommen. Nur da, wo eine gute Kameradschaft gepflegt werde, könne man auf 140 Jahre als Feuerwehr zurückblicken. „Lasst uns weiterhin dem Ruf folgen: ‚Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr‘“, forderte Ralf Eger. Die Aufgaben der Feuerwehr – Retten, Bergen, Löschen und Schützen – brächten eine Reihe von Tätigkeiten mit sich, meinte der Geistliche Rat Josef Herz. „Ich glaube, dass unsere Gründungsmitglieder stolz auf uns wären“, so dagegen Andreas Schramm, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr St.- Lorenz. Die christliche Wertvorstellung der Feuerwehr bestehe bis heute bei allen Mitgliedern, bekräftigte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Am kommenden Wochenende feiere man, dass seit der Gebietsreform 40 Jahre vergangen sind. „Durch die Eingemeindung von St.-Lorenz und St.-Mang wurde die damals relativ kleine Stadt Kempten zu dem, was sie heute ist.“ Trotzdem hätten sich Stadtteile wie Heiligkreuz ihre eigene Identität gewahrt, was auch der Feuerwehr St. Lorenz zu verdanken sei. „Bürger und Bürgerinnen merkten schon Mitte des 19. Jahrhunderts, dass man im Schadensfall zusammenhalten muss“, erläuterte der Stadtbrandrat Andreas Hofer. Sie hätten Bürgerwehren gegründet, aus denen später die Feuerwehren entstanden seien. Besuch aus Kiel „Wir sind trotz Kieler Woche hierher gefahren. Denn wir haben eine herzliche Freundschaft miteinander“, berichtete Uwe Maas, Ortswehrfrüher der Freiwilligen Feuerwehr Kiel- Russee. Allerdings habe man damals vor dem gegenseitigen Kennenlernen geglaubt, dass die Mitglieder der Feuerwehr St.-Lorenz „Wilde“ seien. „Wir schenken euch unser großes Symbol, damit ihr immer an uns denkt“, so Maas. Er übergab Schramm ein gusseisernes, rundes Relief mit etwa 25 Zentimeter Durchmesser, das die Köpfe zweier Feuerwehrmänner zeigte. Während der Feier spielte die Musikkapelle Heiligkreuz. Nach dem Frühschoppen konnten die Gäste an einer Löschübung teilnehmen und sich im Feuerwehrauto umherfahren lassen. Auch für den Nachwuchs war mit einem Brandhaus für Kinder und einer Hüpfburg einiges geboten.

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