Viele Gäste beim 70. Geburtstag des Kemptener Stadtjugendrings

"Vorzeige-Jugendring" feiert

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Von Kemptens SJR-Vorsitzendem Stefan Keppeler (re.) gab es das hauseigene Kochbuch für den Präsident des Bayerischen Jugendrings, Matthias Frack (li.).

Kempten – Es war ein runder Geburtstag, der vergangene Woche gefeiert wurde und wie es sich für einen Jugendring gehört, hatte auch jugendliche Kreativität ihren Part dabei. So unterhielten Jugendliche des Juze Sankt Mang mit einer selbst choreographierten „Drum & Dance Show“ und Schüler der Nordschule hatten jedes der Namensschilder für die Gäste individuell gestaltet.

Seit 70 Jahren gibt es den Stadtjugendring Kempten (SJR). Da liegt es auf der Hand, dass sich unter den Festgästen vor allem Wegbegleiter fanden, unter anderem ehemalige Vorsitzende und Vorstände. Sie alle hatten dazu beigetragen, dass Kemptens Stadtjugendring zu einem „Vorzeige-Jugendring“ gedeihen konnte, wie der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Matthias Frack, lobte. In Zahlen heißt das: 50 Mitarbeiter, 29 Organisationen und 6000 Jugendliche, „die von dieser Dachorganisation betreut werden“. Dahinter stecken als Prinzipien der Jugendarbeit: freiwillig, ehrenamtlich, selbstorganisiert und demokratisch. Frack blickte auf die Anfänge und erklärte die Struktur der Jugendringe als Demokratisierungsprozess nach dem Krieg. „Mit unserer Verbandsarbeit erreichen wir circa 60 Prozent aller Jugendlichen“, wies er auf die Bedeutung des BJR als Dach für rund 500 Vereine verschiedener Größe hin. „Ich sage mal, wir erreichen Millionen.“ Das Besondere am BJR: als einziger Jugendring in Deutschland ist er eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Gegründet 1946 sei eine der Parallelen zu heute, dass Jugendliche nach wie vor die Gesellschaft nach vorne bringen wollten und dabei gelegentlich auf Widerstände stießen. Zum Beispiel stoße man bei einem Engagement im Bereich Migration mitunter „auch heute auf Ressentiments“. Da brauche es einen „starken Rückhalt in einer Organisation“. Früher wie heute sei der Kampf gegen Rechtsextremismus ein Schwerpunkt.

Zu Wort kam auch der heute 83-jährige Kemptener Walter Morasch, der die in den 1950ern als Mitglied der Katholischen Jugend Christi Himmelfahrt erlebten „Begegnungen mit der evangelischen Seite“ rückblickend als Höhepunkte bezeichnete; denn „das war ja damals nicht normal“. Mitgebracht hatte er einige Seiten der von ihm recherchierten umfangreichen Chronik von Christi Himmelfahrt.

Erstmals mit dem SJR in Berührung gekommen sei er durch die Teilnahme an einem vom SJR organisierten Zeltlager am Grüntensee, erinnerte sich OB Thomas Kiechle daran, dass es pausenlos geregnet habe und alle in Gummistiefeln herumgelaufen seien. Seine Erfahrungen in der Jugendarbeit seien „kirchlich geprägt“. In der Jugendarbeit sah er „ein ganz entscheidendes Thema für die Zukunft“ und im SJR einen „verlässlichen Partner“.

Seit 16 Jahren ist Stefan Keppeler im Vorstand des SJR, seit 2011 als Vorsitzender. Zur Kandidatur für den Vorstand gelockt habe man ihn damit, dass es sich um „höchstens zwei bis drei Stunden pro Monat handeln würde. Tatsächlich seien es rund 40 Stunden pro Monat, die der einst „recht engagierte Pfadfinder“, heute Ehemann, Vater zweier Kinder, berufstätig, sportlich aktiv, engagiertes Mitglied in der Freikirchlichen Gemeinde und seit neuestem auch als ausgebildeter Seelsorger im Einsatz, für den SJR aufbringt. Hochachtung schwang in seiner Stimme, als er von den „mutigen Gründungsmitgliedern“ sprach, die Verantwortung übernommen hätten, obwohl es damals noch „rechte Kräfte“ gegeben habe und niemand so recht gewusst habe, in welche Richtung alles gehen werde. Für das Heute versprach Keppeler dafür zu kämpfen, „dass jeder die gleichen Chancen in unserer Gesellschaft hat“. Aber auch dafür, dass man sich wieder mit „mehr Respekt begegnet“. Mit Begeisterung, warb er für das Jugendkulturfestival am 29. Juli „Fresh Air Summer Time“, kurz „Frasuti“, das am Illerstrand maßgeblich von Jugendlichen für Jugendliche entwickelt worden sei.

Zum Schluss aber überraschte Moderatorin „Frau Kathrin“ Dorsch mit einer Geschichte aus dem Nähkästchen. Und zwar über den ersten Berührungspunkt zwischen den damals noch recht jungen Burschen Kiechle und Keppeler. Letzterem sei sein Vogel „Hansi“ entwischt und auf eine Such-Annonce hin, habe sich ein Herr Kiechle per Telefon gemeldet. So habe man den Wellensittich wohlbehalten beim Vater des heutigen Oberbürgermeisters abholen können.

Christine Tröger

70 Jahre Stadtjugendring Kempten

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