30 Jahre Tschernobyl – fünf Jahre Fukushima: Atomgedenktag in Kempten

Erinnern an Reaktorkatastrophen

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„Tschernobylkind“ Uljana und ihre Betreuerin, Schwester Julia, mit Referent Prof. Dr. Klaus Buchner.

Kempten – Am vergangenen Sonntag besuchte der ÖDP-Europaabgeordnete Prof. Dr. Klaus Buchner einen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Tschernobyl- und Fukushima-Katastrophen vor 30 bzw. fünf Jahren. In der evangelischen Hauptkirche Sankt Mang kam auch die behinderte Uljana, ein „zertifiziertes Tschernobylkind“, so ihr offizieller Ukrainischer Status, zu Wort.

Dem traurigen Anlass angemessen gestaltete die Chorgemeinschaft St. Mang, unter der Leitung von Eva Brunner, die Ethno-Messe von Lorenz Maierhofer. Grußworte sprachen als Schirmherr Landrat Anton Klotz, der selbst vor einigen Jahren das verstrahlte Gebiet in Belarus besucht hatte. Brigitte Römpp von der „Mdantsane Kinderhilfe“, die seit dem GAU jedes Jahr einer großen Zahl von betroffenen Kindern aus den belasteten Gebieten Weißrusslands und der Ukraine einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt im Allgäu ermöglicht, hatte diesen Tag organisiert.

Im Anschluss an den gut besuchten und von Pfarrer Lauterbach mitfühlend gestalteten Gottesdienst referierte Buchner anhand eines kurzen Vortrages im Gemeindesaal über das unvorstellbare Ausmaß der „Spätfolgen von Tschernobyl“. Er trat den verharmlosenden Opferzahlen der WHO, die sich wiederum auf die der sogenannten „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ verpflichteten Internationalen Atomenergie-Organisation beziehen, entgegen und zitierte Prof. Alexeij Jablokow von der Russischen Akademie der Wissenschaften, der 2011 von 1,44 Mio. Tschernobyl Opfern berichtete. Viele weitere Betroffene seien seitdem dazugekommen, weitere würden noch erst geboren werden: Tschernobyl-AIDS und -Demenz seien nun schon in der dritten Generation feststellbar. Erschreckenderweise sei die Informationslage über den GAU von Fukushima im demokratischen Japan aber wesentlich schlechter als seinerzeit die in der kommunistischen Sowjetunion. Über Opferzahlen dort könne man gar nichts sagen.

Klotz berichtete dem voll besetzten Saal von den Folgen der beiden GAUs für die Politik: Er beklagte die nachlassende Bereitschaft, dem beschlossenen Atomausstieg eine angemessene Energiewende folgen zu lassen. Nötige Maßnahmen wie die Nord-Süd Strom-Trasse würden wie vieles andere verzögert, die Abstandsregelung H10 in Bayern tue ein übriges: Die vom Landkreis Oberallgäu beschlossenen ehrgeizigen Energieziele bei der regenerativen Stromversorgung des Allgäus seien nicht mehr erreichbar. Andere Anwesende verwiesen aber darauf, was gerade im Allgäu an Vorzeigeprojekten schon erreicht sei und sahen die Energiezukunft nicht so düster.

Zum Abschluss dankte Michael Hofer vom Kreisverband Allgäu der ÖDP allen Beteiligten und Unterstützern. Er bezog sich nochmals auf den Predigttext des Gottesdienstes, (der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies nach ihrem Sündenfall) und verglich die Atomnutzung mit dem Essen vom verbotenen Baum, den Paradiesapfel mit dem an einen Apfel erinnernden Querschnitt einer Reaktoranlage. kb

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