Klinikverbund investiert im laufenden Jahr rund 23 Millionen Euro

Schwarze Zahlen als Basis

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Blickten auf eine positive Entwicklung innerhalb des Klinikverbunds zurück: die Geschäftsführer Michael Osberghaus (li.) und Andreas Ruland (re.) sowie Aufsichtsratvorsitzender Gebhard Kaiser.

Kempten/Landkreis – Auf ein „herausforderndes Jahr 2015“ mit positiver medizinischer und wirtschaftlicher Entwicklung konnten die beiden Geschäftsführer des Klinikverbunds Kempten-Oberallgäu, Andreas Ruland und Michael Osberg- haus, und der Aufsichtsratvorsitzende Gebhard Kaiser bei einer Pressekonferenz am vergangenen Montag zurückblicken.

So sei nicht nur die Anzahl an stationär behandelten Patienten um 1500 auf 43.700 und gleichzeitig deren Vertrauen angestiegen, sondern auch die Schwere der Erkrankungen hätte sich verändert, erklärte Ruland. Durch diese Entwicklung und Leistungssteigerung müsse gewährleistet sein, dass sich der Klinikverbund auch personell weiterentwickeln kann. Durchschnittlich waren im Klinikverbund im vergangenen Jahr 1418 Vollzeitkräfte beschäftigt, 33 mehr als im Jahr 2014. Leider sei es nicht gelungen, alle offenen Stellen zu besetzen, so dass laut Osberghaus zwölf Stellen unbesetzt blieben. Im laufenden Jahr sollen nochmals 57 Fachkräfte zusätzlich eingestellt werden, wovon ein Großteil den Dienst bereits Ende des Jahres 2015 aufgenommen habe. „Die Neueinstellungen sind nur deshalb möglich, weil auch die Nachfrage unserer Patienten in allen vier Klinikstandorten gegeben ist“, so Osberghaus.

Auch im Hygienebereich hat der Klinikverbund aufgerüstet. Um die hohen Standards umzusetzen und die Risiken in hygienekritischen Bereichen zu reduzieren, sind derzeit sieben ausgebildete Hygienefachkräfte und zwei ärztliche Krankenhaushygieniker im Einsatz. Um möglichst viele Infektionen zu vermeiden, habe man zudem zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, erklärte Ruland. Dazu gehören unter anderem ein flächendeckendes Patienten-Screening in den Notaufnahmen,ein monatlicher Report über Hygiene-Indikatoren und die Dokumentation des Desinfektionsmittelverbrauchs sowie der Häufigkeit aufgetretener Erreger. Ein Ziel der Zukunft sei es, auch verstärkt einen Blick auf den Einsatz und Verbrauch von Antibiotika zu werfen. „Damit wollen wir den zunehmenden Resistenzen von Bakterien entgegenwirken“, betonte Ruland.

Ein Thema, das die Geschäftsführer noch immer beschäftigt, ist der Mangel an Hebammen. Die Situation sei in Deutschland sehr schwierig und das Berufsbild werde in der Öffentlichkeit nicht sehr gut dargestellt. „Wir haben im Klinikverbund eine überdurchschnittliche Geburtenrate und es gelingt uns nur mit Mühe Hebammen einzustellen“, so Ruland. Der Klinikverbund setzte daher nicht nur im Pflegebereich auf Personalakquise, sondern auch in der Geburtenhilfe.

Dritte Therapieoption in der Neuromedizin

Geprägt war das vergangene Jahr auch vom Ausbau medizinischer Angebote. Zum Einen wurde in die Weiterentwicklung der Neuromedizin investiert. Neben den bisherigen konservativen (Neurologie) und operativen (Neurochirurgie) Behandlungsverfahren am Klinikum Kempten, bildet die interventionelle Neuroradiologie nun eine dritte Therapieoption, wenn es beispielsweise um die Behandlung von Schlaganfällen geht. Man habe fortan alle „modernen Behandlungsverfahren unter einem Dach“, so Ruland. „Dass alle drei Bereiche an einem Standort angesiedelt sind, ist einmalig in der Region“, ergänzte Kaiser. Auch von der Inbetriebnahme der Neurologischen Frührehabilitation würden Patienten mit schweren Schlaganfällen und Hirnblutungen profitieren.

Neue Hauptabteilung für Lungenheilkunde

Nachdem im April 2014 bereits die neue Hauptabteilung für Lungenheilkunde an den Standorten Kempten und Immenstadt etabliert wurde, wurde auch im laufenden Jahr das wohnortnahe Leistungsangebot für die Region nochmals ausgeweitet. Neben dem allgemeinen und speziellen beatmungsmedizinischen Leistungsangebot an der Klinik Immenstadt zeichnet sich die neue Hauptabteilung des Klinikverbundes auch durch die Thoraxonkologie und Schlafmedizin am Klinikum Kempten aus. Auch Lungenpatienten mit akuten Atemproblemen können wohnortnah behandelt werden. Eine Besonderheit sei dabei der Lungenersatz, „ein Verfahren, das temporär in der therapeutischen Zeit die Lungenfunktion ersetzt, um der Lunge Zeit zu geben, sich zu erholen“, erläuterte Osberghaus. Die Therapie erfordere spezielle Geräte, die es jetzt auch in der Region gebe.

Spezielle Frührehabilitation älterer Patienten

Im Oktober 2015 ging auch die Akutgeriatrie in Kempten und in Sonthofen in Betrieb, die sich um die Bedürfnisse der älteren Patienten kümmert. „Wir haben in den Kliniken ein Durchschnittsalter von 70 Jahren“, erklärte Ruland. Dank der Akutgeriatrie sei eine wesentlich umfangreichere Diagnostik, Betreuung und Behandlung besagter Patienten möglich.

Eine Voraussetzung für eine gute Patientenversorgung und den Erhalt der Zukunftsfähigkeit des Klinikverbunds seien vor allem die Investitionen in die Weiterentwicklung, so Kaiser. Rund 19 Millionen Euro wurden dafür im Jahr 2015 aufgebracht. Im laufenden Jahr werden in den Klinikverbund knapp 23 Millionen Euro investiert. Das Geld fließt unter anderem in die Erweiterung der Klinik Immenstadt. Am Klinikum Kempten wird in hochmoderne OP-Säle und einen neuen Wirtschaftshof investiert. „Schwarze Zahlen sind die Basis für Investitionen und Einstellungen“, so Osberg- haus. Geschäftsführer und Aufsichtsrat freuen sich daher besonders, dass sich die wirtschaftliche Situation der Kliniken erneut verbessert und stabilisiert habe, so dass der Klinikverbund beim Jahresabschluss ein leichtes Plus von 872.000 Euro verzeichnen konnte. In diesem Ergebnis sind auch Abschreibungen und Zinsaufwendungen in Höhe von 5,3 Millionen Euro enthalten.

Für das Jahr 2016 sind aufgrund von tariflichen Lohnsteigerungen und Sachkostensteigerungen zwar größere wirtschaftliche Herausfordernungen zu erwarten, dennoch wurde im Aufsichtsrat der Wirtschaftsplan für 2016 mit einem ebenfalls leicht positiven Ergebnis einstimmig beschlossen.

Lea Stäsche

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