60 Künstler vertreten

BBK zeigt breites Schaffensspektrum

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„Cuba libre“ von René Nebas.

Kempten – „Wir sind keine Künstlergruppe wie viele andere, sondern eine, die vielfältige Aufgaben wahrnimmt.“ Darauf legt Gerhard Menger, der sich mit Dr. Karin Haslinger den Vorsitz des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Süd teilt, wert.

Unter anderem zahlreiche Ausstellungen hat der BBK Schwaben-Süd, einer der insgesamt 60 Verbände in Deutschland, auch heuer wieder kuratiert.

Die aktuelle Jahresausstellung zeigt 73 Arbeiten im Hofgartensaal der Kemptener Residenz, großzügig und „luftig“ gehängt, so dass man das Gefühl hat, die Werke dürfen „atmen“. Rund 60 Künstler der circa 200 Mitglieder sind mit ihrem Schaffen vertreten. Eine Extra-Plattform hat der Markt Rettenbacher Künstler Pit Kinzer mit seinen variantenreichen, oft mit Schalk provozierend inszenierten „Gerngroß Models“ bestückt, dem heuer der Kolle- genpreis zuerkannt wurde. Es ist bereits das 14. Mal, dass dieser von Manfred Küchle damals auf den Weg gebrachte Preis verliehen werden konnte, eine schöne Tradition, der der BBK ein kleines Buch gewidmet hat. Wie Menger darin schreibt, habe der Preis, als einer von Kollegen für Kollegen, deshalb hohen Stellenwert, weil er von kritischen Fachkollegen vergeben werde und nicht von einer Jury, die häufig von kurzlebigen Moden beeinflusst sei. Als weitere Kriterien für die Vergabe darf der Geehrte zum Zeitpunkt der Vergabe nicht im Vorstand aktiv sein oder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Gewürdigt werden soll auch das Engagement, das der/die Geehrte im Verband erbracht hat und, wie Menger meint, „ist es auch eine Chance für Künstler, die eine Technik verwenden, die nicht so populär wirksam ist“.

Unter dem Titel „Zseitensprünge“ lässt Kinzer seine Gerngroß Models vor historischen Kulissen hollywoodreif posieren beziehungsweise sich darin integrieren und so manche Situation karikieren.

Quer durch Techniken und Stile geht es dagegen im Hofgartensaal. Mit einem Video zum Stickbild nimmt sich Mariajnca Ambos aus Weiler dem westallgäuerischen Dialekt an. Mit zwei großen, bemerkenswerten Keramik-Arbeiten ist die Kemptenerin Bärbl Auer vertreten – eines von sieben neuen Mitgliedern, die in diesem Jahr aus insgesamt 14 Bewerbern aufgenommen wurden. „Megakeim“ und „Fruchtkörper“ demonstrieren die schlummernde Kraft der Natur. „Der Morgen der Abend die Nacht“ hat Winfried Becker sein dreiteiliges Betonmodell mit Eisenguss genannt, jedes wie eine Säule des Daseins in die Höhe ragend.

Aus lauter Einzelautos hat René Nebas aus Buchloe sein Verkehrschaos „Cuba libre“ montiert, während Gerhard Menger „Alte Bekannte“ zwischen Blister präsentiert. Dafür hat er in einem vierbändigen Lexikon aus den 1960er Jahren nach bekannten Köpfen gesucht und „unendlich viele Männer, aber nur etwa 50 Frauen“ darin gefunden, wie er erklärt. Interessant ist die Anordnung der durch die Blister im wahrsten Sinne des Wortes schillernden Persönlichkeiten, angefangen bei Liz Taylor oder Charly Chaplin bis Queen Victoria oder Fidel Castro. So sind alle die in senkrechten Reihen untereinander auf der linken Bildseite, die nach links schauen, mittig, die geradeaus blicken und rechts, die den Kopf nach rechts gedreht haben – eine „Sortierung“, die eine ganz eigene Wirkung entfaltet. Es lohnt auch ein naher Blick, der ein Phänomen entlarvt. Nämlich das, dass man nur sieht, was man sehen möchte oder was das Auge für einen Zusammenhang herstellt. So meint man in jedem der Blisterstrukturen die Konturen des nebenstehenden Porträts – sprich: Ähnlichkeiten zwischen den beiden – finden zu können.

Es ist eine insgesamt feine Auswahl, die für die Jahresausstellung 2014 des BBK Schwaben getroffen wurde, zu sehen noch bis 7. Dezember im Hofgartensaal der Kemptener Residenz, Di – Fr 15 bis 18 Uhr, Sa/So 12 bis 18 Uhr. Am Samstag, den 29. November zusätzlich von 19 bis 22 Uhr.

Christine Tröger

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