Bei den "Allgäuer Schwätzmasters" die Redekompetenz verbessern

Richtig reden lernen

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Bruno Müller, Toastmaster des Abends, zeigte dem Publikum jeweils die Bilder, zu denen die Stegreif-Redner nach 20 Sekunden einen kurzen Vortrag halten mussten.

Kempten – Dass man sich zum „Schwätzen“ trifft, hat ja nicht nur im Allgäu Tradition, sei es beim Kaffeeklatsch oder in der Stammtischrunde. Seit Februar aber gibt es auch einen richtigen Rhetorikclub: die „Allgäuer Schwätzmasters“, einer von inzwischen weltweit vertretenen Toastmaster-Clubs.

1924 in den USA als Non-Profit-Organisation begründet, umfasst „Toastmasters International“ nach eigenen Angaben rund 14 300 Clubs in 122 Ländern mit derzeit über 290 000 Mitgliedern. Zur Kemptener Premiere waren als Unterstützer Clubkollegen aus anderen Standorten angereist. 

Denn auch das gehört bei den „Toastmasters“ dazu: Sich über das Pflegen und Erlernen der Kunst des Sprechens, Zuhörens und Denkens sowie der Optimierung des Führungspotentials hinaus gegenseitig zu unterstützen. Auch einige Gäste konnte Stephanie Weiser, Clubmaster-Präsidentin der „Allgäuer Schwätzmasters“ und bekennender „Toastmaster-Junky“, begrüßen, die gleich aktiv an den Stegreifreden beteiligt wurden: Ein willkürlich ausgewähltes Bild – 20 Sekunden Zeit zum Nachdenken – ein bis zwei Minuten Redezeit, am Ende dann eine Bewertung durch die Anwesenden; wertschätzend, wie es auch dem sonst im Club gepflegten Umgang miteinander entspricht. „Bei Toastmasters klatschen wir viel“, als Ausdruck von Wertschätzung, klärt Weiser die Neuen auf. 

Die Motivation für die Teilnahme ist unterschiedlich. Manche müssen beruflich viel reden, andere wollen ihre Redekompetenz aus privatem Interesse perfektionieren. In der zweiten Runde sind vorbereiteten Reden dran, die den zahlenden Clubmitgliedern vorbe- haltenen sind. Es ist Heike Gülkers erste Rede als „Toastmaster“, der sogenannte Eisbrecher, in dem sie sich in vier bis maximal sechs Minuten vorstellt. Ihr Bewerter Michal Flohr ist am Ende voll des Lobes: „Das Eis ist gebrochen. Es war sehr schön.“ Als Verbesserungsvorschlag gibt er Heike dennoch mit, nächstes Mal vielleicht die ganze Bühne zu nutzen. Positiv und wertschätzend formuliert ist auch das Feedback der anderen Teilnehmer, die dafür kleine Stimmzettel ausgefüllt haben. 

Der zweite Redner dieser Runde wird von Bruno Müller, „Toastmaster” des Abends, als „Filetstück“ angekündigt. Andreas Skultety, seit acht Jahren bei den „Toastmasters“ in München dabei, hat nach dem kostenlosen Basis-Leitfaden bereits zwei der insgesamt 25 weiterführenden Rede-Anleitungen absolviert und für seinen acht bis zehnminütigen Auftritt eine „humoristische und unterhaltsame“ Rede vorbereitet. Bewertet werden unterschiedliche Kriterien, wie Körpersprache, Stimmvielfalt, Auf- bau, Einhalten des Zeitrahmens – eben alles, was eine gute Rede beziehungsweise einen guten Redner auszeichnet. 

Neben der „Laufbahn“ zur Verbesserung des Kommunikationsvermögens bietet „Toastmasters“ auch eine zur Weiterentwicklung der Führungsfähigkei- ten. Wer beide erfolgreich durchlaufen hat, kann sich „Toastmaster mit Auszeichnung“ (DTM) nennen, mit Zertifikat. „Man lernt in kleinen Schritten, aber auch in einer Umgebung, in der man Fehler machen darf“, erklärt Ineke Vermeulen, die, wie alle Funktionsträger, ehrenamtlich als Division I Governor für den Süddeutschen Raum zuständig ist. 

Das nächste Treffen der „Allgäuer Schwätzmasters“ findet am 20. März um 19.30 Uhr im „Treffpunkt Im Oberösch“ in St.-Mang statt. Gäste sind willkommen.

Christine Tröger

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