"Jetzt bin ich begeistert"

Im Veranstaltungssaal wird das Gebälk sichtbar bleiben. Foto: cut

Bei samstäglichen Führungen und Besichtigungen im Kesselhaus und der alten Hutfabrik Reich lässt sich viel Interessantes aus erster Hand über den markanten Fabrikbau und das geplante Lindenberger Kulturzentrum erfahren. Vor allem aber tun sich durchaus bemerkenswerte Einblicke auf. Noch bis 27. Oktober ist das samstags von 9 bis 12 Uhr zu erleben.

Die meisten Bürgerinnen und Bürger, mit denen wir gesprochen haben, wollten allerdings namentlich nicht genannt werden. Sie waren gekommen, um sich in der aktuellen politischen Diskussion von niemandem eine Meinung vorgeben zu lassen, sondern sich rein privat vor Ort ein eigenes Bild zu machen. So erklärte ein Lindenberger (Name der Redaktion bekannt): „Man kann es nicht so stehen lassen. Man muss etwas machen. Und wer nichts wagt, gewinnt nichts. Wenn ich eine Firma gründe, weiß ich auch nicht, ob die in 30 Jahren noch besteht. Außerdem wird das Kulturzentrum Arbeitsplätze bieten.“ Das Statement einer Besucherin: „Ich war zunächst nicht positiv gestimmt. Aber aufgrund der Bausubstanz ist das gar keine so schlechte Nutzung. Jetzt bin ich begeistert von dem Gebäude.“ Hauptamtsleiter Roland Kappel zeigte bei der Führung auf, dass das alte Fabrikgebäude für viele Nutzungen ungeeignet ist. Weder Einkaufsmarkt, Wohnungen noch Büros lassen sich hier integrieren. Das neue Konzept mit Hutmuseum, Tourist-Info, Gastronomie im Kesselhaus und Mehrzwecksaal im Dachgeschoss gewährleistet, dass jeder Teil einzeln für sich nutzbar ist. Und 30 000 Besucher im Jahr sei durchaus realistisch, wie die Besucherzahlen anderer moderner, attraktiver Museen in der Region zeigen. Warum sich aber die Stadt das auflaste, so die Frage eines Besuchers. Man könnte das doch auch einen privaten Investor machen lassen. Stadtbaumeister Kurt Kirschenmann erläuterte, dass ein privater Investor in der Vergangenheit bereits eine Nutzung realisieren wollte und gescheitert sei. Die Planungen für Wohnnutzung mit Balkonfront vor den Fassaden und einem Lichtschacht im Gebäude wurden vom Denkmalamt schlichtweg abgelehnt. Und das Reich’sche Fabrikgebäude ist ein Denkmal besonderer Güte. Es gelte als herausragender Industriebau. Mit der Aufwertung der alten Fabrik durch eine zugkräftige Nutzung aber steht und fällt ein ganzes Stadtviertel. Der jetzige Zustand sei eine Abwertung. Das könne man nicht länger hinnehmen. Überdies bekäme ein privater Investor kaum Zuschüsse. Hohe Förderquote Die Stadt hingegen kann bei 6,4 Millionen Euro Sanierungsaufwand mit einer Förderquote von 82 Prozent rechnen. Das werde wohl teurer werden, das kenne man ja, entgegnet ein anderer Besucher. Kirschenmann verweist auf detailgenaue Kostenansätze bis zum Türbeschlag. Und weil der Bau bereits stehe, könne es auch keine Überraschungen bei der Gründung geben. Folglich werde der Kostenansatz im wesentlichen eingehalten. Aber warum noch einen Veranstaltungssaal. Die Stadt mache sich damit doch selbst Konkurrenz? Der Löwensaal sei schon nicht ausgelastet. Ganz im Gegenteil, erläuterte Kappel. An gefragten Veranstaltungstagen werden es immer wieder eng. Die ganzen Mai-Wochenenden fallen weg, weil der Saal durch Hochzeitsfeiern und das Belegungsrecht des Wirtes vergeben sei. Wenn die Kunstausstellung stattfinde, sei der Löwensaal über Wochen blockiert. Städtische Ausstellungsräume fehlen völlig. Genug Spielraum Seit dem Wegfall der alten Stadthalle sind die Aufführungsorte für Vereine knapp geworden. Ferner gebe es durch das Ambiente im Kesselhaus bereits Anfragen von privaten Kulturveranstaltern. Aber die 125 000 Euro jährliches Defizit im Kulturzentrum müsse letztlich doch der Bürger ausbaden. Das fehle woanders bei notwendigen Sanierungsmaßnahmen, lautete ein weiterer Einwand. Kappel zeigte auf, dass Lindenberg mit einem Verwaltungshaushaltsvolumen von 15 Millionen Euro immer noch genug Spielraum habe. Für Interessierten gibt es bis 27. Oktober an jedem Samstagvormittag von 9 bis 12 Uhr Besichtigungen und Führungen in dem denkmalgeschützten Gebäude der alten Hutfabrik in der Sonnenstraße in Lindenberg. Die verschiedenen Stockwerke des Gebäudes lassen sich dabei kennenlernen und ebenso das Kesselhaus mit dem Röhrenofen. Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden Informationen zu Gebäudezustand und zum geplanten Kulturzentrum geben. Außerdem stehen Aktive vom Lindenberger Geschichts- und Museumsverein für Fragen und Informationen zur Verfügung.

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