Inklusionsprojekt: Lions-Mitglieder und Behinderte treffen sich einmal in der Woche zum Rolli-Basketball

"Eine ganz neue Herausforderung"

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Auch in der Testphase ist der Basketball schon hart umkämpft. Hier gerade in der Unterzahl: Michael Piesbergen und Jürgen Böhm (gelbe T-Shirts) von „Lions meets Rolli“.

Kempten – Basketball spielen – okay, dass hat vielleicht jeder von uns schon einmal in seiner Jugend im Sport gemacht. Basketball spielen vom Rollstuhl aus – „das ist eine ganz neue Herausforderung“.

In einem Inklusionsprojekt stellen sich gerade Mitglieder und Freunde des Lions-Clubs Kempten-Buchenberg dieser Aufgabe. Das heißt, sie gehen gemeinsam mit den Rollstuhlfahrern des Vereins Körperbehinderte Allgäu auf das Spielfeld. „Das passt ohnehin wunderbar zu unserer Aktion ‘Lions meets Rolli’”, sagt dazu Past-Präsident Jürgen Böhm. 

Bisher trainierten die Rolli-Basketballer in der Kemptener Astrid-Lindgren-Schule. Aber: Die Halle ist bei zehn Rolli-Fahrern fast überfüllt und die Deckenhöhe fehlt auch. Mit der Unterstützung des Behindertenbeirats der Stadt Kempten hat es nun nach zwei Jahren mit einem Platz in der Gustav-Stresemann-Turnhalle geklappt. „Zumindest schon mal über den Sommer“, freut sich Reinhold Scharpf, Geschäftsführer der Körperbehinderte Allgäu. Jeden Mittwoch außer in den Ferien ist die Halle nun von 18.30 Uhr bis 20 Uhr für die Rolli-Sportler und die Lions-Freunde reserviert. „Wir spielen im Wechsel Rolli-Basketball und Rolli-Hockey“, ergänzt Alexander von Sigriz, der die Idee mit dem Rolli-Hockey, bei dem auch Menschen mit schweren Behinderungen aktiv teilhaben können, hatte. 

„Wir wollten im Sportbereich etwas für die Rollifahrer tun und sind über die Basketballgruppe von Körperbehinderte Allgäu in der Astrid-Lindgren-Schule auf die Idee gekommen“, so Past-Präsident Jürgen Böhm. Langfristig ist sein Ziel, auch die Kemptener Sportvereine in das Projekt mit einzubinden. Der Lions-Clubs Kempten-Buchenberg will das Inklusions-Projekt zudem finanziell unterstützen – durch den Kauf von Bällen – oder falls eine Vereinsmitgliedschaft mal nötig wird. Denn Rolli-Basketball hat auch Bundesliga-Potenzial. Einer der schon mal dabei war, ist Albrecht Hung. Der Vorsitzende des Behindertenbeirates Kempten spielte lange Jahre beim SKV Ravensburg. 

Rollstühle werden knapp 

Rollstuhlfahrer Markus Reinholz hat sicherheitshalber schon mal sein zweites „Gefährt“ mitgebracht und auch Albrecht Hung führt seinen Sportrolli mit sich. Ansonsten sind die Rollstühle knapp für die Mitspieler der Lions. „Wir könnten noch gut einige ausgediente Sport-Rollstühle gebrauchen“, gibt Scharpf zu. Für die Lions-Mitglieder, sonst auf zwei Füßen unterwegs, ist der Umstieg auf zwei Räder mehr als ungewohnt. „Da fühlen wir uns ja echt benachteiligt“, schmunzelt Böhm. Von Timo und Eugen lässt er sich erklären, wie er am Rolli-Rad entlang am Geschicktesten den Basketball aufnehmen kann. Markus zeigt ihm, wie man lenken und einschlagen muss. 

Spannende Erfahrung 

Was dabei ein wenig verwundert: Die Korbhöhe ändert sich nicht. Mit dabei ist auch Josef Leicht, Vorsitzender vom Verein Körperbehinderte Allgäu. Er spielt – wie Hung auch – noch in einer anderen Rolli-Mannschaft mit. Beiden ist ebenso wie den übrigen „richtigen“ Rolli-Fahrern der tägliche Umgang mit ihrem Gefährt anzumerken. Fragen wie „Wie ist das mit dem Bremsen?“, „Kann ich nicht nach hinten rüberkippen?“ lassen die Rolli-Neulinge noch sehr vorsichtig hantieren. Eines aber haben allerdings alle gemeinsam: den Ehrgeiz beim Korbwurf – und darüber ist auch der Rolli dann schnell vergessen.

mori

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