Jugendherberge kommt

Der Stadtrat hat am Donnerstagabend einstimmig den Bau eines Jugendgästehauses in Kempten beschlossen. Bauherr und Träger der Herberge soll das Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) werden, das das Haus wiederum an einen Betreiber verpachtet. Als Standort des etwa fünf Millionen Euro teuren Projekts ist das Grundstück des ehemaligen Hallenbades in der Stadtbadstraße beim Cambomare vorgesehen. Die öffentliche Ausschreibung soll noch heuer erfolgen, damit schon im nächsten Jahr konkrete Schritte eingeleitet werden können. Zwei Interessenten gibt es offenbar bereits.

Interesse am Betrieb des Jugendgästehauses haben offenbar bereits das Jugendherbergswerk und die Jugend- und Familiengästehäuser aus Österreich bekundet, berichtete Dr. Richard Schießl, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Stadtentwicklung. Ein örtlicher Bewerber habe sich ebenfalls bereits zu Wort gemeldet. Der Stadtrat hatte sich im Vorfeld der Sitzung Einrichtungen beider Verbände in Garmisch und Nördlingen angeschaut und scheint von dem Konzept überzeugt zu sein. Denn eins wurde am Donnerstagabend deutlich: Zum einen wollen sowohl Verwaltung als auch Stadtrat, dass eine klassische Jugendherberge mit all ihren typischen Eigenschaften und pädagogischen Angeboten und kein „Low-Budget-Hotel“ als Konkurrenz zur Kemptener Hotelerie entsteht. Zweiter wichtiger Punkt: Grundlage des Modells ist die Bauherr- und Trägerschaft durch das KKU und nicht durch einen Investor. „Zu einem Dritten zu sagen, ‘hier hast du zwei oder drei Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt, nun mach mal das Konzept’, ist ein verlorener Zuschuss“, betonte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Vermögen bleibt beim KKU So sieht das Finanzierungsmodell nun vor, dass das KKU die geschätzten fünf Millionen Euro Baukosten übernimmt, zumal das infrage kommende Areal bereits im Besitz des KKU ist. Ziel sei, so Dr. Schießl, mindestens ein Drittel der fünf Millionen über Pachteinnahmen zu refinanzieren. Die Finanzierung solle dabei so gestaltet werden, dass sich die Eigenkapitalquote des KKU nach der Bauphase nicht verschlechtert hat. „Dabei kann auch ein ergänzender Zuschuss aus dem städtischen Haushalt notwendig werden“, kündigte er an. Trotzdem hat das Modell einen entscheidenden Vorteil: Das Vermögen, also das Gebäude, bliebe unabhängig vom Betreiber in der Hand des KKU und damit bei der Stadt, was bei einem Investor nicht der Fall wäre. Wie Dr. Schießl berichtete, schwebt dem Jugendherbergswerk eine Einrichtung mit 120 Betten und 20000 Übernachtungen pro Jahr vor. Kostenpunkt: Etwa 4,8 Millionen Euro. Die Österreicher dagegen streben ein Haus mit 180 Betten und 30000 Übernachtungen im Jahr an, allerdings für rund 5,4 Millionen Euro. Entscheidend für die Auswahl der Betreiber sollen Kriterien wie unter anderem Art, Struktur und Bettenzahl, voraussichtliche Zahl der Übernachtungen, Art und Umfang der Zielgruppen, Ausrichtung des Angebots auf eine Zielgruppen, Art und Umfang der Vernetzung mit anderen Einrichtungen in der Stadt und der Region, Kooperationen und Partnerschaften, Einbindung des Hauses in die Nachbarschaft und ein überregionales, nationales und internationales Netzwerk, Anzahl, Funktion und Qualifikation des Personals, Umfang der finanziellen Beteiligung des Betreibers sowie Handhabung der Kosten für Betrieb und Ersatz sein

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