Austausch über Dinge, die Jugendliche und Politiker bewegen

Jugendliche treffen Politiker

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Um Schule, Politik und vieles mehr ging es in der lockeren Gesprächsrunde im Haus International.

Kempten – Ins Haus International (HI) gekommen war der einzige türkischstämmige Landtagsabgeordnete in Bayern, Arif Tasdelen, eigentlich, um als zweiter Gast einer neuen Reihe auf dem bunten Sofa Platz zu nehmen – was er abends auch tat.

Am Nachmittag nahm er sich aber kurzfristig noch Zeit, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. 18 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen sechs und zehn, teilweise mit Migrationshintergrund, aus der Wittelsbacherschule mit ihrer Beratungslehrerin Claudia Michna nahmen das Angebot an. Schon bei der Vorstellung seines Gastes machte HI-Geschäftsführer Lajos Fischer politischen Aufklärungsbedarf aus. Die jungen Teilnehmer der lockeren Gesprächsrunde gaben sich nämlich als politisch wenig interessiert zu erkennen und unter dem Begriff „Landtag“ schien die Vorstellung überwiegend vage. Im Gegenzug gaben die Jugendlichen dem 41-jährigen Tasdelen Nachhilfe in Sachen Schulsystem; zum Beispiel, was es mit dem Modell „9+1+1“ auf sich hat. Aufmerksam lauschten die Jugendlichen dem Politiker, der als Viertklässler aus einem kleinen anatolischen Dorf nach Deutschland gekommen war, als er von seinem eigenen Werdegang erzählte und ihnen die Schulzeit als „die wichtigste Zeit“ ans Herz legte. „Man kann auch ohne Fernseher überleben“, gab er einem Jungen mit auf den Weg, der zuvor bekannt hatte, acht Stunden am Tag davor zu verbringen.

Darüber hinaus versuchte er ihnen zu vermitteln, dass Politik nicht langweilig sei, sondern „unser Leben bestimmt“. Ohne politische Entscheidungen würde es zum Beispiel kein Haus International geben, erklärte er. Auf Politik zu schimpfen sei leicht, empfahl er statt dessen zu versuchen, „es besser zu machen“. Als Türke habe er im Wahlkampf mit allerhand Vorbehalten zu kämpfen gehabt, denen sich sein deutschstämmiger Gegenkandidat nicht habe stellen müssen, verdeutlichte er, dass ihm Menschen auch nach so vielen Jahren oft noch skeptisch begegnen.

Offen beantwortete Tasdelen die sehr vielfältigen Fragen seiner jungen Zuhörerschar. Was ein Politiker denn verdiene, wollte ein Junge wissen. Ein bayerischer Abgeordneter verdiene monatlich 7600 brutto, plus 3600 Euro Aufwandsentschädigung, gab Tasdelen bereitwillig Auskunft. Ein Mädchen interessierte sich dafür, warum er damals nach Deutschland gekommen sei. Sein Vater habe in der Türkei zwar Arbeit gehabt, erklärte er, aber damals habe man Arbeitskräfte in der Türkei angeworben, die in Deutschland dann die „harten Jobs“ gemacht hätten, „die andere nicht gemacht haben“. Im Zuge der Familienzusammenführung sei er mit seiner Mutter und den Geschwistern ein paar Jahre später nachgezogen.

Christine Tröger

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