Üben für den Ernstfall

Bewerben wie die Allgäuer

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Wie ein Bewerbungsgespräch in Deutschland aussehen könnte, simulierten AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke (rechts) und der 24-jährige Reuben Boyd aus Nordirland im Rahmen eines Projektes des europäischen Bildungsprogrammes.

Kempten – Warum wollen Sie in Deutschland arbeiten? Was macht Sie als Rechtsanwältin so einzigartig? Braucht Spanien Sie nicht mehr als wir? Gibt es Arbeitsbereiche, die Sie nicht so mögen? Wenn ich Ihre beste Freundin nach positiven Eigenschaften von Ihnen frage, was würde sie antworten?

Ums „Ganze“ ging es zwar nicht; die Nervosität stand Susanna Perez-Espejo aus Toledo dennoch ins Gesicht geschrieben. So ganz alltäglich ist es ja auch nicht, ein – wenn auch nur simuliertes – Vorstellungsgespräch in einer fremden Sprache zu führen, das von 40 Augen- und Ohrenpaaren aufmerksam verfolgt wird. 

Im Rahmen des europäischen Bildungsprogrammes Leonardo da Vinci waren im Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Kempten 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen – in der Regel akademischen Berufen – aus Spanien, Frankreich, Nordirland, Irland und Zypern zu Gast. Während ihres mehrtägigen Aufenthalts stellten sie sich unter anderem im AÜW im fiktiven Bewerbungsgespräch den Fragen von Michael Lucke, AÜW-Geschäftsführer und Personalverantwortlicher, um den Zugang zu nationalen Arbeitsmärkten, sprich: Bewerbungen – besser kennenzulernen. Die innerhalb des Projektes gelernte Theorie war für die Spanierin, die trotz fester Anstellung in der Heimat „gerne in Deutschland arbeiten“ würde, bestimmt hilfreich. Noch nicht ganz so souverän gelang ihr der Umgang mit der fremden Sprache. 

Verblüffend locker

Diesbezüglich hatte es das erst 24-jährige Sprachtalent Reuben Boyd aus dem nordirischen Belfast schon leichter, auch wenn ihn der lockere Umgang des AÜW-Chefs, der ihm gleich mal das „Du“ anbot, zunächst etwas irritierte. Er wolle in Deutschland leben und arbeiten, erzählte der 24-Jährige seinem Gegenüber frei von der Leber weg, unter anderem wegen der Sprache und des guten Essens. Außerdem interessiere er sich für die Umwelt und „was du hier machst, ist toll“, zeigte er, dass er sich mit dem Unternehmen beschäftigt hatte. Seine Erwartungen an Lucke als Vorgesetzten? „Dass Du mich richtig führen kannst und ich die richtigen Materialien zum Arbeiten bekomme“, lautete die direkte Antwort. 

Wichtige Tipps

Natürlich gab es auch ein Feedback vom Personaler an die beiden Bewerber. Gleich zu Beginn des Bewerbungsgespräches müsse klar gemacht werden, ob „Du“ oder „Sie“, denn das „ist sehr sehr wichtig für viele“. Die Frage, ob er seine Haare für den Job schneiden würde, „war zu persönlich“, richtete er sich an Reuben. Hier habe er sich eine professionellere Antwort erwartet, zum Beispiel: „das ist mein Style“. Wichtig sei, „wenn ihr eine Frage nicht versteht“, nochmals nachhaken und erklären lassen, anstatt irgendetwas auf das Geratewohl daher zu stammeln. Um einen „persönlichen Eindruck“ des Bewerbers zu gewinnen, seien für ihn als Personaler die „Personal-success-stories“ – die persönlichen Erfolgsgeschichten – ebenso wichtig, wie die persönlichen Niederlagen, gab er den europäischen Gästen noch mit auf den Weg.   Christine Tröger

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