Stadtrat stimmt für den vorläufigen Erhalt des "Oberen Wirt"

Abriss zunächst verhindert

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Der Abriss des „Oberen Wirt” in Heiligkreuz soll mit einer Erhaltungssatzung zunächst verhindert werden.

Kempten – Der Stadtrat will es auf eine mögliche Schadensersatzklage des Investors ankommen lassen und hat bei fünf Gegenstimmen eine Erhaltungssatzung für den „Oberen Wirt“ in Heiligkreuz beschlossen.

Damit soll zum einen ein sofortiger Abriss des historischen Gebäudes verhindert und zum anderen Zeit gewonnen werden um in Ruhe über die Zukunft des historischen Gebäudes entscheiden zu können. Der Entscheidung voraus ging eine kontroverse Diskussion mit teilweise abenteuerlichen Vorschlägen, was künftig mit dem Haus geschehen könnte. 

Sinn und Zweck der Erhaltungssatzung ist, wie Baureferentin Monika Beltinger erläuterte, einen Abriss des „Oberen Wirt“ unter Genehmigungsvorbehalt zu stellen. Heißt: Will der Investor das Haus wie angekündigt abreißen, muss er dies beantragen. Die Entscheidung darüber liegt dann zunächst beim Bauausschuss. Ohne eine Erhaltungssatzung kann der Grund- stückseigentümer sofort und ohne Genehmigung durch den Bauausschuss mit dem Abriss beginnen. Einigen Stadträten kam dieser Schritt allerdings viel zu spät. „Mich verwundert, dass jetzt nach Jahren plötzlich eine Satzung auftaucht – das hätte man früher machen sollten“, schüttelte nicht nur FW-Stadtrat Hans-Peter Wegscheider den Kopf. Auch Theo Dodel-Hefele von den Grünen kritisierte den plötzlichen Aktionismus, nachdem sich jahrelang niemand um das Gebäude gekümmert hat. „Wir schlagen eine verlorene Schlacht“, stellte er fest. Lothar Köster (SPD) sprach sich ebenfalls gegen den Beschluss aus: „Ich sehe nicht ein, warum wir eine Zwischenbremse einbauen sollen.“ Andere störten sich wiederum am Umgang mit dem Investor. Helmut Hitscherich (UB/ödp) sagte: „Wir sind nicht ganz fair mit den Investoren umgegangen.“ Dieser Meinung war auch Doris Hauber von der CSU: „Ich finde es nicht richtig, das dem Investor erst jetzt zu sagen.“ Dr. Dominik Spitzer von der FDP wurde noch deutlicher: „Die Investoren haben es nicht leicht bei uns – das darf nicht sein“, forderte er. 

CSU für Erhalt 

Starke Fürsprecher fand die Erhaltungssatzung allerdings auf Seiten der CSU-Fraktion. Fraktionschef Erwin Hagenmaier bezeichnete das alte Gebäude als „äußerst erhal- tenswert“. Fraktionskollege Thomas Kiechle sagte: „Das ist ein besonderes Gebäude und gehört einfach zum Ortsbild dazu.“ Andere plädierten mit Bauchschmerzen für die Erhaltungssatzung, allerdings lediglich mit dem Hintergrund, Zeit für eine bessere Lösung zu gewinnen. „Es muss jetzt ganz schnell ein Konzept her“, forderte nicht nur Alexander Hold (FW). 

 Ort für Pilger? 

Erste Ideen kamen bereits am Donnerstagabend im Verlauf der Debatte auf. So schlug Grünen-Stadträtin Erna-Kathrein Groll vor, beim „Oberen Wirt“ analog zum Sudhaus vorzugehen. Sprich: Das Gebäude abreißen und einen exakt nachempfunden Neubau zu errichten. Als künftige Pilgerherberge für Pilger auf dem Jakobsweg kann sich hingegen Claudia Dress (CSU) den „Oberen Wirt“ vorstellen. „Wir sollten uns nichts kaputt machen“, warb sie deshalb für die Erhaltungssatzung. Irritiert zeigten sich die Räte über ein Schreiben des Kulturhaus-Vereins an die Stadträte aus der vergangenen Woche, in dem der Verein nicht mehr auf einen Erhalt des Gebäudes besteht (der Kreisbote berichtete am Samstag). „Der Verein sollte sich überlegen, was er überhaupt will“, ätzte Stadtrat Dieter Zacherle von den FW.

Matthias Matz

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