Keine Angst vor Wildwuchs

Wenn Stadträtin Elisabeth Brock (Grüne/FL) auf Werbetafeln, -banner und –plakate im Stadtgebiet angesprochen wird, spricht sie gerne von einer „Verschandelung des Ortsbildes“. Und da es ihr so erscheint, als ob die bunten Plakate immer mehr werden, hatte sie sich zwecks Überprüfung an die Verwaltung gewandt. Ergebnis: Seit die Verwaltung mit Richtlinien regulierend eingreift, ist es zu keinem „Plakat-Wildwuchs“ mehr gekommen. Deshalb wird auch die St.-Mang-Brücke trotz gegenläufigen Antrags von Josef Leonhard Schmid (CSU) im Ausschuss für öffentliche Ordnung künftig keine werbefreie Zone werden. Die Entscheidung fiel allerdings denkbar knapp aus.

Die großflächige und bunte Werbung von Geschäften, Supermärkten und Veranstaltungshäusern ist eines der Kemptener Dauerbrenner-Themen. Bereits zum fünften Mal innerhalb weniger Jahre stand das Thema nun auf der Agenda eines städtischen Gremiums. Einmal mehr kam der Ausschuss für öffentliche Ordnung zu dem Schluss, dass strengere Regeln oder gar eine Plakatierverordnung nicht viel bringen. Vielmehr habe sich der 2006 von der Stadtverwaltung eingeschlagene Weg, Plakate mit Genehmigungsaufklebern zu versehen, bewährt. So könne von Mitarbeitern der Verwaltung leicht überprüft werden, ob die Plakate länger als die erlaubten 14 Tage hängen, erklärte Volker Reichle, Leiter des Amtes für Verkehrswesen. „Und nach Ablauf der Genehmigungsdauer können die Plakate, sofern das nicht durch die Plakatwerber selbst erfolgt, kostenpflichtig durch die Stadtverwaltung entfernt werden“, so Reichle weiter. „Damit sind wir bisher sehr gut gefahren.“ Anders sieht es bei Werbung aus, die auf privaten Grundstücken steht. Hier sind der Verwaltung die Hände gebunden, so Reichle. Es sei denn, es handelt sich um fest installierte Schilder von über einem Quadratmeter Größe. Für die bedürfe es einer baurechtlichen Genehmigung. Als „ein Ärgernis“ bezeichnete Reichle hingegen abgestellte Werbe-Anhänger. Aber auch diese dürfen bis zu 14 Tage an einem Standort stehen bleiben. „Innovativ“ sei die Verwaltung aber gegen die Werbefahrzeuge in der Oberstdorfer Straße vorgegangen. Die waren zwar auf Privatgrund geparkt, ein schmaler Streifen davor gehört allerdings der Stadt, die kurzerhand einen Zaun aufstellte, sodass das Privatgrundstück nun nicht mehr zugeparkt werden kann. Die Mehrheit der Stadträte sprach sich ebenfalls für die jetzige Regelung aus. „Wir haben insgesamt eine gut sortierte und saubere Plakatierung“, meinte Peter Wagenbrenner (CSU). „Wir brauchen das als Metropole des Allgäus.“ Fraktionskollege Edgar Rölz sagte: „Man muss das positiv sehen: Wir sind eine Stadt, die lebt und lebhaft ist.“ Denkbar knapp fiel dennoch die Entscheidung gegen ein Werbeverbot auf der St.-Mang-Brücke aus: Mit 6:5 stimmte der Ausschuss dagegen.

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