Keine "Jubelorgien"

Die regionale Arbeitsmarktentwicklung und das Thema Gesundheitspolitik standen im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde der Vertreter der Lindenberger DGB-Ge­werkschaften jüngst im Lindenberger Hof. Leo Wiedemann und Hans Wegmann hatten dazu den Vorsitzenden der DGB-Region Allgäu-Donau-Iller, Werner Gloning, eingeladen.

Die Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen im Landkreis Lindau ist für Gloning besser als vor einem Jahr zu erwarten war. Dies sei erfreulich. Für „Jubelorgien“ sei aber kein Anlass. Die Quali­tät des Arbeitsmarktes werde, auch im Westallgäu, durch Leiharbeit, Befristungen und Dum­pinglöhne immer schlechter. Selbst gut Qualifizierte würden, zumindest zu Beginn ihrer berufli­chen Laufbahn, über schlecht- oder gar unbezahlte Praktikas in diese Entwicklung mit hinein ge­zogen. Soziale Sicherheit die ein wesentlicher Bestandteil einer menschlichen Gesellschaft sei, „lande immer öfter auf der Schlachtbank eines ungezügelten Kapitalismus“, sagte Gloning. Dagegen gelte es sich massiv zu wehren. Mit der bereits beschlossenen Gesundheitsreform, dem zweiten Schwerpunktthema des Abends, wird für Gloning ein Grundpfeiler des Sozialstaates, die paritätisch finanzierte soziale Krankenversicherung, zertrümmert. Offensichtlich, meinte er, ist vielen Versicherten noch gar nicht bewusst, dass sie künftig allein, unabhängig von ihrer Einkommenshöhe, und ohne Arbeit- geberbeteiligung die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen bezahlen müssen. Der DGB werde deshalb in der Region alles tun, um den Menschen klar zu machen was da auf sie zukommt und warum es dringend nötig sei diese Reform „weg zu fegen“. Karl Lehmann von der IG-Metall, der alternierender Vorsitzender des AOK-Beirates Lindau ist, sprach die Debatte um die Hausärzte an. Gloning warb hier für eine Versachlichung der Diskus­sion. Für ihn steht fest: Die verantwortungsvolle Arbeit von Hausärzten muss angemessen vergü­tet werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, also die Standes- organisation der Ärzte, gebe die Durchschnittseinkommen der Hausärzte in Bayern – nach Abzug der Praxiskosten – mit rund 9500 Euro pro Monat (2009) an. Die Frage ist für Gloning: Ist ein solches Einkommen ange­messen oder nicht? Wer zweiteres meine, müsse aber dazu sagen, dass dies zu höheren Zu­satzbeiträgen bei der Krankenversicherung führen muss, gab er zu bedenken. Das Problem sei, dass es Durchschnittszahlen sind. Durch eine zum Teil ungerechte Verteilung innerhalb der Hausärzteschaft, gebe es Hausärzte die weniger verdienen, weil andere über dem Durchschnittseinkommen liegen. „Dies zu ändern ist aber vor allem eine Aufgabe für die Ärzteschaft selbst und kein Grund für wütende Protestorgien“, so Gloning. Um den gewerkschaftlichen Anliegen Nachdruck zu verleihen, wurde beschlossen, am Tag vor dem 1. Mai, in Lindenberg mit einem sogenannten Sozialstaatsgedächtnisdenkmal öffentlich auf gewerk­schaftliche Positionen und Forderungen aufmerksam zu machen.

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