(K)eine schwere Entscheidung

Schäbig: Mit verrammelten Fenstern, bröckelndem Putz und Schmierereien an der Wand ist der Bahnhof Kempten-Ost wahrlich kein Aushängeschild. Fotos: Matz

„Es wird versprochen und nichts gehalten. Aber wir fahren ja auch bereits seit 1999 mit der Neigetechnik nach München.“ Geht es um die Deutsche Bahn, flüchtet sich OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) gerne mal in beißenden Spott. Zuletzt am vergangenen Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss als es um die Sanierung der Ostbahnhofstraße ging. Unterdessen wurde vergangene Woche bekannt, dass der Ostbahnhof in einer nicht repräsentativen Umfrage des Bundestagsabgeordneten Dr. Toni Hofreiter zum zweitgammeligsten Bahnhof in Bayern gekürt wurde.

Auf der Suche nach dem „gammeligsten Bahnhof in Bayern“ hatte Hofreiter, Grünen-Abgeordneter im Wahlkreis München-Land, die Bürger aufgefordert, Fotos von den miesesten und schäbigsten Bahnhöfen im Freistaat einzusenden. Gemeinsam mit seinem Team kürte der Bundestagsabgeordnete anschließend den Bahnhof Gersthofen (Augsburg) zum „Sieger“. Die Haltestelle Kempten-Ost spielte aber offenbar lange Zeit ganz oben mit, ehe sie sich knapp mit dem zweiten Platz geschlagen geben musste. „Die Entscheidung ist uns indes sehr schwer gefallen“, betonte Hofreiter. Obwohl die Minuspunkteliste nicht ganz so lang ausfällt wie die des im Volksmund als „Somaliabahnhof“ verschrieenen Halts in Gersthofen, ist Hofreiters Urteil über Kempten-Ost vernichtend. „Außer den Schienen und dem Bahnsteig fehlt hier alles, was eine Haltestelle ausmacht“, so der Münchner Politiker. Stop – immerhin gebe es doch noch einen einzelnen Fahrkartenautomaten. Druck auf Bahn machen Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass Kempten-Ost sozusagen den Rang 2a belegt und sich somit den zweiten Platz auf dem Verlierertreppchen mit den Bahnhöfen München-Laim und Geltendorf im Landkreis Landsberg teilt. Toni Hofreiter will nach eigenen Angaben mit seiner öffentlichkeitswirksamen Aktion Druck auf die Bahn für mehr Investitionen in bayerische Bahnhöfe machen. Deshalb soll der „gammeligste Bahnhof“ auch öffentlich prämiert werden. "Das wird wieder nichts" Aber nicht nur der Abgeordnete Hofreiter ist sauer über den offensichtlichen Investitionsstau bei der Deutschen Bahn. OB Netzer betonte am Mittwochabend im Ausschuss ebenfalls: „Wir machen Druck.“ Denn das Hin und Her zwischen Bahn und Stadt wegen der Sanierung der Ostbahnhofstraße und der Brücke geht anscheinend in die nächste Runde. Die Kemptener Bauverwaltung hat jedenfalls für das kommende Jahr 100 000 Euro zur Verbreiterung der Straße eingeplant – auch um der Bahn zu signalisieren: „An uns soll es nicht scheitern.“ Denn während die Bahn die Kosten für die Brückensanierung tragen muss, steht die Stadt hinsichtlich der Kosten für die Straßenerweiterung in der Pflicht. Wie Baureferentin Beltinger am Freitagmittag auf Nachfrage gegenüber dem KREISBOTEN erklärte, deuteten die jüngsten Aussagen der DB aber wiederum dahin, dass auch im kommenden Jahr weder an der Brücke noch der Straße etwas getan werde. „Wir drängen zwar seit Jahren. Aber 2011 wird es wohl auch wieder nichts“, befürchtete sie.

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