Bei der Eröffnung des 30. Kemptener Jazzfrühlings passt einfach alles

Vielseitiger Auftakt

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Bei strahlendem Sonnenschein zieht die Marchingband zur Eröffnung durch die Innenstadt und legt traditionell auch einen Spielstopp auf dem Wochenmarkt ein.

Kempten – Gewohnt vielseitig präsentierten sich am Wochenende bereits die 13 Veranstaltungen am ersten der insgesamt neun Tage des 30. Kemptener Jazzfrühlings. Die Macher konnten sich über einen rundum gelungenen Auftakt freuen.

Entgegen aller Wetterprognosen öffnete sogar der Himmel am Samstag nicht seine Schleusen, sondern schob pünktlich zur offiziellen Eröffnung auf dem Rathausplatz – ein Termin, den OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) wenige Tage vor Ende seiner Amtszeit gerne noch einmal ausfüllte – die Wolken beiseite. Während sich das für diesen Tag traditionelle Bild in der Innenstadt bot – Menschentrauben vor den verstreuten Bühnen mit Live-Jazz und der herumziehenden, diesmal aus dem niederländischen Breda stammenden Marchingband „Blue Marble Silver Cornet Band“ – ließen die satten Sounds von „The Hi-Fly Orchestra“ auf der großen Bühne auf dem Rathausplatz aufhorchen. 

Einen echten „Volltreffer“ landeten die Jazzfrühlings-Macher beim Abendprogramm mit der Wiederbelebung des Jazzballs im Kornhaus, bei dem die Formation „Swing tanzen verboten!“ nicht groß bitten musste, um das Tanzparkett zu füllen. Die Vorfreude war den vielen ballfein gekleideten Abendgästen quer durch alle Altersklassen schon beim Eintreffen anzusehen. Einige Damen hatten ihre exklusiven Tanzschuhe sogar in extra Beutelchen mitgebracht. Auf der anderen Seite der Straße sorgte eine altbekannte Größe des Kemptener Jazzfrühlings, Martin Schmitt, im ausverkauften „Stift“ für ordentlich Stimmung. 

Echtes Erlebnis 

Wer das Konzert der „Monika Roscher Bigband” im TheaterOben mit der Vorstellung von klassischem Bigband-Sound besuchte, erlebte vermutlich eine herbe Enttäuschung. Nicht zum Schaden der begeisterten Zuhörerschar, die den Saal restlos ausfüllte. Denn schon die 1984 geborene Komponistin, Gitarristin, Sängerin, Arrangeurin und Bandleaderin Monika Roscher selbst war ein echtes Erlebnis. Zusammen mit ihren 17 Mitstreitern der erst vor wenigen Jahren noch zu Studienzeiten gegründeten Band schickte sie ein außer- und ungewöhnliches Klangerlebnis in die Gehörgänge des Publikums, eine wilde Mischung aus Geräuschen, Stimme und Instrumentalmusik, der Roscher mit ihrer E-Gitarre ein nochmals sehr eigenwillige Note verpasste.

Experimentell und schräg, dabei nie unhörbar, wechselten Stücke mit Namen wie „Terror Tango“ oder „Time Warp“ zwischen sanft und knackig, erinnerte Roschers puristischer Gesang an Björk, verpackt in einem anderen musikalischen Kleid. Eine äußerst vielversprechende Formation, die nicht umsonst im Mai mit dem Jazz-Echo als „Newcomer des Jahres national“ ausgezeichnet wird. 

Netzer stellt aus 

Fürs Auge statt fürs Ohr sind die Bilder zum 30. Kemptener Jazzfrühling von Heidi Netzer im Theaterfoyer. Die Kemptener Künstlerin zeichnet sich auch für das diesjährige Plakatmotiv verantwortlich. In den gezeigten zwölf Malereien in Acryl, Öl und Pastell hat sie das Thema Mensch, mit dem sie sich thematisch schon lange beschäftigt, mit Musik verbunden. Sie sind noch bis Ende des diesjährigen Jazzfestivals am kommenden Sonntag, 4. Mai, zu sehen.

Christine Tröger

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