In Kempten endet eine Ära

Nach dem Eintreffen in der Artillerie-Kaserne melden sich Marcel Purr (v.l.), Marcus Geitz, Felix Beckstein und Manuel Bieg (verdeckt) bei Personal-Feldwebel Stephanie Pohlitz an.

Marcus Geitz, Felix Beckstein, Marcel Purr und Manuel Bieg schreiben Geschichte. Sie sind vier der letzten 82 Wehrpflichtigen, die am Montag vergangener Woche zusammen mit 39 Freiwilligen ihren Dienst beim Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ in der Artillerie-Kaserne antraten. Aus diesem Anlass veranstaltete das Regiment vergangene Woche in der Kaserne einen Informationstag unter dem Motto „der letzte Wehrpflichtige“.

„Nach fast 50 Jahren ändert sich die Wehrform“, eröffnete Presseoffizier Oberstleutnant Peter Fuss. Nach dem Beschluss des Bundeskabinetts Mitte Dezember, die Wehrpflicht auszusetzen, sei der Auftrag der Bundeswehr jetzt umzuwandeln und umzuorganisieren. Den vier jungen Männern und ihren Kameraden steht zunächst einmal eine zweimonatige Grundausbildung bevor, in dem sie die allgemeinen militärischen Fertigkeiten erlernen. Im Juni endet ihr insgesamt sechsmonatiger Grundwehrdienst. In den ersten Tagen gab es für die Rekruten bereits „sehr viel neues“ zu sehen und zu lernen, wie der 22-jährige Geitz aus Scheinfeld bei Neustadt an der Aisch erzählte. „Wir haben gelernt, wie die Betten bei der Bundeswehr gemacht werden, haben unsere Stuben bezogen, und sind dabei, die vielen verschiedenen Dienstgrade und Befehle zu lernen.“ Außerdem habe es einen Rundgang durch die Kaserne gegeben, bei dem ihnen gezeigt wurde, wo man was bekommt, fügte Beckstein an. Die ärztliche Untersuchung stand am Dienstag vergangener Woche auf dem Programm. Am Mittwoch folgte dann die Einkleidung in Sonthofen und ab Donnerstag begann der allgemeine Ausbildungsdienst. Das erste Mal wieder nach Hause dürfen die Neulinge am kommenden Freitag. Für den 19-Jährigen aus Weiler-Simmerberg stand von vornherein fest, dass er zum Bund gehen wird. „Zivildienst hat mich nicht interessiert“, meinte er und ergänzte, dass er im Vorfeld von mehreren Kumpels, die auch beim Bund waren, hauptsächlich Gutes gehört habe. Auch für Purr kam ein Zivildienst nie in Frage. Ihn habe das Militär als Kind schon interessiert, erzählte der 18-Jährige aus dem Kleinwalstertal. Geitz, der bereits eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert hat, hat sich für das Gebirgssanitätsregiment entschieden, da ein Zivildienst für ihn eher ein Rückschritt gewesen wäre. „Als Zivi hätte ich nicht alles machen dürfen, was ich in meiner Ausbildung schon gelernt habe. Deshalb habe ich mich für die 'Sanis' entschieden, da lerne ich auch neue Sachen kennen und komme einen Schritt weiter“, begründete er seinen Entschluss. "Ich bin stolz" Dass sie zu den Letzten gehören, die den Grundwehrdienst leisten müssen, stört sie übrigens nicht. „Ich bin stolz darauf“, meinte Beckstein und Purr bezeichnete es schmunzelt als „Ehre“. In ihrem Bekanntenkreis habe es aber schon einige gegeben, die nicht begeistert davon waren, dass sie noch zur Bundeswehr müssen und die Nachfolgenden nicht mehr. Bevor es vergangene Woche los ging, kursierten in den Köpfen der jungen Männer viele Gedanken. „Man denkt im Vorfeld schon darüber nach, wie es werden könnte“, sagten sie einhellig. „Das Schlimmste wäre für mich, wenn ich mich mit meinen Kameraden nicht verstehen würde“, erläuterte Beckstein und ergänzte, dass er sich auch um seine Freundin sorge, da er sie ab jetzt nicht mehr so oft sehe. Nach den ersten Tagen freuten sich die Vier bereits auf das erste Wochenende zu Hause. „Man will natürlich allen erzählen, was schon alles passiert ist“, so Purr.

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